Nachtcafé

Talk, Talkshow
Nachtcafé

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
1987
SWR
Fr., 22.03.
22:00 - 23:30


Wie sichtbar ist das Judentum im deutschen Alltag? Wie steht es um das deutsch-jüdische Miteinander? Viele Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher. Immer wieder wird von judenfeindlichen Beschimpfungen und Angriffen auf offener Straße berichtet. Etwa 200.000 Juden leben derzeit in Deutschland - doch sie sind nur wenig präsent in der allgemeinen Wahrnehmung. Es gibt jüdische Gemeinden, Kindergärten, Zeitungen und Synagogen. Das Wissen über das Judentum geht jedoch oft nicht über Klischees hinaus: Schläfenlocken, Kippa und koscheres Essen. Doch was zeichnet das Judentum heute wirklich aus? Wie leben Menschen ihr Judentum? Wie viel Akzeptanz gibt es? Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im "Nachtcafé: Jüdisches Leben in Deutschland" am Freitag, 22. März, 22 Uhr, im SWR Fernsehen. Die Gäste im "Nachtcafé": Susan Sideropoulos beschäftigte sich erst spät mit ihren jüdischen Wurzeln Die Schauspielerin Susan Sideropoulos wuchs als Tochter eines Griechen und einer deutschen, jüdischen Mutter auf. Dennoch waren die jüdischen Wurzeln viele Jahre lang ein Tabuthema in der Familie. Erst vor wenigen Jahren begann sie mit der Spurensuche und machte ihre Familiengeschichte öffentlich: "Ich glaube, es ist höchste Zeit, ein positives Bild zu vermitteln und zu sagen: Jüdisch sein ist kein Hokuspokus - es ist nur eine Religion, mit der wir uns bewegen." Rafael Seligmann blickt auf sechs Jahrzehnte jüdisches Leben in Deutschland zurück Die Eltern von Rafael Seligmann flohen vor Hitler nach Tel Aviv und kamen mit ihm zurück, als er zehn Jahre alt war. In Israel war er einer von vielen - hier in Deutschland gehörte er zu einer Minderheit. Beschimpfungen wie "Saujud" waren Ende der 50er-Jahre immer noch salonfähig. Deshalb hatte der Journalist und Romanautor sein Leben lang ein Ziel: Sich als Jude nicht zu verstecken: "Ich hatte nie Angst davor, zu sagen, dass ich Jude bin." Rosi Deborah Meir konvertierte für die Liebe zum Judentum Das Judentum übte schon früh eine Faszination auf Rosi Deborah Meir aus, weshalb sie im Alter von 20 Jahren als Au-Pair nach Israel ging. Dort verliebte sie sich in einen jüdischen Mann und konvertierte für ihn. Auch wenn die Ehe nicht hielt, ihre Religion lebt die Pfälzerin überzeugter denn je: "Ich bin jüdisch. Das ist kein Hobby, das ist meine Religion - und die lebe ich." Arthur Bondarev lebt seinen Alltag nach jüdisch-orthodoxen Regeln Arthur Bondarev lebt sein Judentum orthodox. Rituale und die Einhaltung von Geboten und Verboten prägen seinen Alltag - vom Morgengebet bis hin zur strikten Ruhe am Schabbat. "Ich sehe das Judentum und diese Gebote als Chance, mich als Person zu entwickeln, als Person zu wachsen", sagt der 27-Ja?hrige, der die strengen Regeln nicht als Einschränkung empfindet. Yorai Feinberg wird immer wieder Opfer antisemitischer Anfeindungen Tischbestellungen auf "Adolf Hitler" oder "Juden ins Gas" erreichen den israelischen Gastronom Yorai Feinberg häufiger. Dabei möchte er in seinem Lokal in Berlin lediglich israelische Küche servieren und keine Politik machen. "Ich habe ganz viele Freunde, die überlegen, aus Berlin wegzuziehen. Fast jeder Jude, den ich kenne, macht sich Sorgen bezüglich seiner Zukunft hier." Channah Trzebiner spürt als Enkelin von Holocaust-Überlebenden das Trauma noch heute Wie sehr das Trauma der schrecklichen Erlebnisse des Holocausts bis heute nachwirkt, musste Channah Trzebiner erfahren. Als Enkelin von Holocaust-Überlebenden spürte sie bereits als Kind die Last der Vergangenheit in der Stille und in tief eingegrabenen Verhaltensmustern ihrer Großeltern. Auch sie selbst ist nicht frei von den familiären Erfahrungen: "Ich merke dieses Trauma noch in mir." Prof. Dr. Wolfgang Benz ist als Historiker, Vorurteils- und Antisemitismusforscher tätig Der Historiker Prof. Dr. Wolfgang Benz beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der jüdischen Kultur, Antisemitismus und Vorurteilen gegenüber jüdischen Mitbürgern. Dabei beobachtet er hartnäckige Vorurteile, die über Generationen weitergeben werden. "Die Vorurteile gegen Juden sind zählebig, das heißt aber nicht, dass man nichts gegen sie machen kann." Benz ermutigt dazu, den Kampf gegen Antisemitismus täglich aufs Neue zu führen - denn er sei erfolgreich.

Thema:

Jüdisches Leben in Deutschland

Wie sichtbar ist das Judentum im deutschen Alltag? Wie steht es um das deutsch-jüdische Miteinander? Viele Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher. Immer wieder wird von judenfeindlichen Beschimpfungen und Angriffen auf offener Straße berichtet. Etwa 200.000 Juden leben derzeit in Deutschland - doch sie sind nur wenig präsent in der allgemeinen Wahrnehmung. Es gibt jüdische Gemeinden, Kindergärten, Zeitungen und Synagogen. Das Wissen über das Judentum geht jedoch oft nicht über Klischees hinaus: Schläfenlocken, Kippa und koscheres Essen. Doch was zeichnet das Judentum heute wirklich aus? Wie leben Menschen ihr Judentum? Wie viel Akzeptanz gibt es? Darüber spricht Michael Steinbrecher mit seinen Gästen im "Nachtcafé: Jüdisches Leben in Deutschland" am Freitag, 22. März, 22 Uhr, im SWR Fernsehen. Die Gäste im "Nachtcafé": Susan Sideropoulos beschäftigte sich erst spät mit ihren jüdischen Wurzeln Die Schauspielerin Susan Sideropoulos wuchs als Tochter eines Griechen und einer deutschen, jüdischen Mutter auf. Dennoch waren die jüdischen Wurzeln viele Jahre lang ein Tabuthema in der Familie. Erst vor wenigen Jahren begann sie mit der Spurensuche und machte ihre Familiengeschichte öffentlich: "Ich glaube, es ist höchste Zeit, ein positives Bild zu vermitteln und zu sagen: Jüdisch sein ist kein Hokuspokus - es ist nur eine Religion, mit der wir uns bewegen." Rafael Seligmann blickt auf sechs Jahrzehnte jüdisches Leben in Deutschland zurück Die Eltern von Rafael Seligmann flohen vor Hitler nach Tel Aviv und kamen mit ihm zurück, als er zehn Jahre alt war. In Israel war er einer von vielen - hier in Deutschland gehörte er zu einer Minderheit. Beschimpfungen wie "Saujud" waren Ende der 50er-Jahre immer noch salonfähig. Deshalb hatte der Journalist und Romanautor sein Leben lang ein Ziel: Sich als Jude nicht zu verstecken: "Ich hatte nie Angst davor, zu sagen, dass ich Jude bin." Rosi Deborah Meir konvertierte für die Liebe zum Judentum Das Judentum übte schon früh eine Faszination auf Rosi Deborah Meir aus, weshalb sie im Alter von 20 Jahren als Au-Pair nach Israel ging. Dort verliebte sie sich in einen jüdischen Mann und konvertierte für ihn. Auch wenn die Ehe nicht hielt, ihre Religion lebt die Pfälzerin überzeugter denn je: "Ich bin jüdisch. Das ist kein Hobby, das ist meine Religion - und die lebe ich." Arthur Bondarev lebt seinen Alltag nach jüdisch-orthodoxen Regeln Arthur Bondarev lebt sein Judentum orthodox. Rituale und die Einhaltung von Geboten und Verboten prägen seinen Alltag - vom Morgengebet bis hin zur strikten Ruhe am Schabbat. "Ich sehe das Judentum und diese Gebote als Chance, mich als Person zu entwickeln, als Person zu wachsen", sagt der 27-Ja?hrige, der die strengen Regeln nicht als Einschränkung empfindet. Yorai Feinberg wird immer wieder Opfer antisemitischer Anfeindungen Tischbestellungen auf "Adolf Hitler" oder "Juden ins Gas" erreichen den israelischen Gastronom Yorai Feinberg häufiger. Dabei möchte er in seinem Lokal in Berlin lediglich israelische Küche servieren und keine Politik machen. "Ich habe ganz viele Freunde, die überlegen, aus Berlin wegzuziehen. Fast jeder Jude, den ich kenne, macht sich Sorgen bezüglich seiner Zukunft hier." Channah Trzebiner spürt als Enkelin von Holocaust-Überlebenden das Trauma noch heute Wie sehr das Trauma der schrecklichen Erlebnisse des Holocausts bis heute nachwirkt, musste Channah Trzebiner erfahren. Als Enkelin von Holocaust-Überlebenden spürte sie bereits als Kind die Last der Vergangenheit in der Stille und in tief eingegrabenen Verhaltensmustern ihrer Großeltern. Auch sie selbst ist nicht frei von den familiären Erfahrungen: "Ich merke dieses Trauma noch in mir." Prof. Dr. Wolfgang Benz ist als Historiker, Vorurteils- und Antisemitismusforscher tätig Der Historiker Prof. Dr. Wolfgang Benz beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der jüdischen Kultur, Antisemitismus und Vorurteilen gegenüber jüdischen Mitbürgern. Dabei beobachtet er hartnäckige Vorurteile, die über Generationen weitergeben werden. "Die Vorurteile gegen Juden sind zählebig, das heißt aber nicht, dass man nichts gegen sie machen kann." Benz ermutigt dazu, den Kampf gegen Antisemitismus täglich aufs Neue zu führen - denn er sei erfolgreich.



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