Natalies Blick haftet aufmerksam auf ihrem Gegenüber, weicht nicht von dessen Lippen. Sie liest von den Lippen ab, denn sie ist von Geburt an praktisch taub. Wer sich mit ihr unterhält, vergisst dies leicht - weil Natalie nahezu so spricht, als könne sie hören. Dennoch hat sich die 31-Jährige zu einer dramatischen Operation durchgerungen. Ein Hörimplantat, so hofft sie, wird sie endlich teilhaben lassen an der Wahrnehmungswelt der Hörenden. Während die Operation immer näher rückt, kämpft Natalie mit ihren Zweifeln, ob sie der Anstrengung des Hörenlernens gewachsen sein wird. "Vor der Operation habe ich sehr viel Angst, nicht, weil ich glaube, dass es schief geht, sondern weil es eine Reise ins Ungewisse ist." Sollte Nathalies Hörnerv wie erhofft reagieren, wird die neue Klangwelt schonungslos und ungefiltert über sie hereinbrechen. Sie wird lernen müssen, das Geräusch eines aufsetzenden Glases vom Klacken eines Feuerzeugs, das Klingeln eines Telefons von einer Türklingel zu unterscheiden. Erst vier Wochen nach der Operation wird das Implantat erstmals eingeschaltet werden - ein Moment, den Natalie herbeisehnt und zugleich fürchtet. Wie wird klingen, was sie dann hört? Diese Ungewissheit wird für Natalie zum Anlass, ihrer Vergangenheit nachzuspüren. Was hat es eigentlich bedeutet, gehörlos zu sein? Mit der Unterstützung ihres Vaters, ihrer Schwestern, ihrer Freunde rekonstruiert sie, parallel zum gegenwärtigen Lauf der Ereignisse, markante Stationen ihrer Lebensgeschichte. Die mit dem hessischen Filmpreis ausgezeichnete Dokumentarfilmautorin Simone Jung hat für den Hessischen Rundfunk Natalies dramatischen Weg in die Welt der Hörenden begleitet. Der eindrucksvolle Film lässt die Zuschauer unmittelbar an den Ängsten und Hoffnungen teilhaben, vermittelt ein plastisches Bild davon, was es heißt, taub geboren zu sein. Dabei ist Natalie selbst die Erzählerin ihrer Geschichte, Simone Jung ihre "Übersetzerin", die ihr bei der filmischen Umsetzung hilft.