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NDR
Do., 07.06.
11:30 - 12:00
Wildtiereretter im Großstadtdschungel


Rehe runter vom Sofa: Das ist das Motto von Christian Erdmann. 2010 hat er die Wildtierstation Hamburg gegründet, da es eine zentrale Einrichtung bis dato nicht gab. Sie wird durch Spenden finanziert. Immer mehr Wildtiere suchen die Nähe zur Stadt Hamburg: Es sind Uhus in Ohlsdorf, Reiher und Möwen am Hafen, Füchse in Vorgärten oder Waschbären im Einkaufszentrum. Die Bebauung und Monokultur in der Landwirtschaft nehmen den Tieren die Brutplätze und Nahrungsquellen. In der Stadt gibt es mehr zu fressen, die Parks und Hafengebiete sind gute Orte für Wildtiere, um ihren Nachwuchs großzuziehen. Die Nähe zum Menschen birgt aber auch viele Gefahren. Stacheldrähte, Autos, Windräder, Bauarbeiten, dadurch geraten unzählige Wildtiere täglich in der Stadt in Not. Mehr als 4.000 verletzte wilde Tiere werden jedes Jahr in Hamburg versorgt. Und das sind nur die, die von Menschen gefunden und gemeldet werden. Aber es lauert noch eine weitere Gefahr für die Wildtiere: Stadtmenschen, die es gut meinen und keine Ahnung von der Lebensweise der Tiere haben. Auch das kann tödlich für ein Tier enden. Eine Frau hatte ein Rehkitz aufgelesen, weil es allein im Gras lag. Das ist völlig normal, wenn die Ricke gerade Futter sucht. Eine Woche lang behielt sie das junge Tier bei sich, brachte es schließlich aber doch in die Wildtierstation. Da war es zu spät, das Kitz starb an Unterernährung. Christian Erdmann ist aber nicht nur damit beschäftigt, Tiere gesund zu pflegen, sondern leistet auch täglich Aufklärungsarbeit. Er kümmert sich seit mehr als 25 Jahren um Wildtiere und sieht es als seine moralische Pflicht, Tieren, die erst durch Menschen und Zivilisation in Not geraten sind, zu helfen. Das Ziel ist immer die Auswilderung. Mehr als 60 Prozent der Wildtiere können am Ende zurück in die Natur entlassen werden. Dabei ist es ist sehr wichtig, dass sie während des Aufenthalts in der Station nicht gezähmt werden. Von April bis Juni ist Jungtierzeit und damit Hochsaison in der Wildtierstation Hamburg. Rehe, Füchse, Hasen, Eulen, ein Großteil des Nachwuchses wird durch Unfälle zu Waisen oder von streunenden Hunden oder Katzen verletzt. In dieser Zeit wird Christian Erdmann von zwei Auszubildenden unterstützt. Dennoch arbeitet er fast rund um die Uhr. In einer Großstadt geraten aber auch exotische Tiere in Not. 2016 hatten sich Waschbären im Einkaufszentrum in Altona eingenistet. Immer wieder kommt es auch vor, dass Menschen ihre exotischen Tiere wie Schlangen, Papageien, einmal war es sogar ein Känguru, aussetzen. Eine Trommellunge ist schon mal aus Versehen mit der Fähre von England nach Norddeutschland gefahren. Christian Erdmann versucht für alle Tiere, die Hilfe brauchen, eine Lösung zu finden. Die Trommellunge hat er schließlich auf Helgoland wieder ausgewildert. Christian Erdmann muss immer wieder kreativ sein, wenn es darum geht, neue Gehege möglichst günstig zu bauen. So hat er beispielsweise jahrelang ein Grundstück in Hamburg für die Wildtierstation gesucht, ohne Erfolg. Daher gibt es nun ein geteiltes Konzept: In Hamburg-Lokstedt wurde beim Franziskus-Tierheim eine kleine Auffangstation eingerichtet. Von dort holt Christian Erdmann die Tiere regelmäßig ab und bringt sie ins "Hauptquartier" in der Nähe von Elmshorn. Jeden Sonntag kommen Ehrenamtliche aus Hamburg und helfen bei allem, was gerade so anliegt.


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