Neues Leben in alten Dörfern

  • Martha und Rafal Malujda wollen mit ihrer Familie raus aus Stettin aufs Land. Vergrößern
    Martha und Rafal Malujda wollen mit ihrer Familie raus aus Stettin aufs Land.
    Fotoquelle: NDR/Stefan Söffgen/Jennifer Gunia
  • In einem kleinen Neubaugebiet am Rande von Löcknitz haben die Malujdas ihr Traumgrundstück gefunden. Vergrößern
    In einem kleinen Neubaugebiet am Rande von Löcknitz haben die Malujdas ihr Traumgrundstück gefunden.
    Fotoquelle: NDR/Stefan Söffgen/Jennifer Gunia
  • Agnieszka Horn zeigt dem polnischen Interessenten ein altes Haus. Vergrößern
    Agnieszka Horn zeigt dem polnischen Interessenten ein altes Haus.
    Fotoquelle: NDR/Stefan Söffgen/Jennifer Gunia
Report, Reportage
Neues Leben in alten Dörfern

NDR
Fr., 30.11.
21:15 - 21:45
Immer mehr Polen in Mecklenburg-Vorpommern


Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Vorpommern-Greifswald, nahe der polnischen Grenze. Seit 1990 sind ungefähr 15 Prozent der Menschen hier weggezogen. Meist sind sie jung, gut ausgebildet, häufig sind es Frauen. Sie hinterließen leere Häuser und Wohnungen, ältere Menschen, die ärztlicher Hilfe bedürfen, Kindergärten, in denen die Anzahl der Kinder systematisch abnimmt, geschrumpfte Schulklassen, Fußballvereine und freiwillige Feuerwehren, die ums Überleben kämpfen. Die Immobilienpreise sind rasant gesunken, viele Häuser renovierungsbedürftig. Stettin (polnisch: Szczecin) in Polen hingegen, nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, ist eine boomende Metropole, die Immobilienpreise sind hoch. Ein Grund für viele Polen, zu Grenzgängern zu werden. Sie wohnen in Mecklenburg-Vorpommern und arbeiten in Polen. In Löcknitz, etwa 15 Kilometer von der Grenze entfernt, leben ungefähr 3.200 Menschen. Zehn Prozent davon sind inzwischen Polen. Sie werden zum Motor für die ganze Region. Während in anderen Dörfern die Infrastruktur wegbricht und die Bevölkerung immer weiter schrumpft, gibt es in Löcknitz drei Schulen, zwei Kitas, drei Supermärkte, zwei Apotheken. Außerdem volle Kirchen und Sportvereine. Zu verdanken hat die Region das hauptsächlich den Zuzüglern aus dem Nachbarland. Agnieszka Horn ist Maklerin in der Grenzregion und selbst gebürtige Polin. Mit ihrem Mann betreibt sie ein kleines Immobilienbüro in Löcknitz. Viele Häuser sind ziemlich renovierungsbedürftig, dafür gibt es sie teilweise für unter 50.000 Euro. "Häuser, an denen noch viel gemacht werden muss, kann man besser an Polen als an Deutsche verkaufen", meint die sympathische Maklerin. "Die sind handwerklich geschickter und haben Lust, mehr selber zu machen." Trotzdem ist das Immobiliengeschäft in der ländlichen Region nicht einfach, vor allem wegen der schlechten Infrastruktur. "Viele Polen aus der Großstadt sind geschockt vom langsamen Internet und den weiten Wegen zum nächsten Arzt." Trotzdem ist es für viele Polen gerade die Idylle, die Mecklenburg-Vorpommern so attraktiv macht. Auch Familie Malujda will den Schritt wagen. Noch leben sie in einer Mietwohnung in Stettin. Lange haben sie nach dem richtigen Baugrundstück für sich und ihre drei kleinen Söhne gesucht. Jetzt haben sie es gefunden: in Löcknitz, in Deutschland. Doch während Vater Rafal schon große Pläne schmiedet, ist seine Frau noch skeptisch, wie sich das neue Leben in Deutschland wohl anfühlen wird. Vor allem aus der Großstadt aufs Land zu ziehen, bereitet ihr ein wenig Sorgen. NDR Autorin Jennifer Gunia hat für diese Reportage Menschen in Löcknitz und Umgebung über mehrere Monate begleitet. Sie hat mit alten und neuen Bürgern gesprochen, zeigt Herausforderungen und Chancen des Zusammenlebens und erlebt mit, wie alte Dörfer wieder neues Leben bekommen.


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