Der russische Komponist Oleg Nikolajewitsch Karawaitschuk, Jahrgang 1927, ist eine kontroverse und gleichzeitig rätselhafte Persönlichkeit der russischen Kulturszene. Er ist bekannt für die Komposition zahlreicher Filmmusiken. Ihm widmet der Filmemacher Andrés Duque dieses faszinierende Porträt. Der betagte Musiker schreitet schweigend und bedächtig durch die Eremitage in Sankt Petersburg. Er trägt eine rote Baskenmütze, dazu schwarze Kleidung und Turnschuhe. Er nähert sich der Kamera und schließt die Augen, scheint bewegt von der überwältigenden Schönheit der Kunst, die ihn hier umgibt. Er erzählt, wie er an diesem Tag dem Schnee trotzen musste, um ins Museum zu kommen. Seine ausführliche Beschreibung lässt seinen Weg wie eine Heldentat erscheinen. Oleg setzt sich an den prächtigen Flügel, der einst Zar Nikolaus II. gehörte, und improvisiert virtuos mit Musik und Worten. Seine Gesten, Geschichten und seine Musik erfüllen den Raum mit Poesie und lassen die Realität in Vergessenheit geraten. Die Begegnung mit diesem vielschichtigen Menschen, dem es gelingt, jedes Vorurteil auszuhebeln, ist entwaffnend. Seine wandlungsfähige Persönlichkeit ist symptomatisch für die heutige Zeit, wirkt aber zugleich als Heilmittel gegen gesellschaftliche Konventionen. Oleg Karawaitschuk will seine Mitmenschen mit der Welt versöhnen. Sein Mittel zum Zweck ist die Kunst. Seine Kunst. Dinge wie die unerwartete Schönheit einer flüchtigen Berührung oder der Zusammenprall zweier dissonanter Noten in einer Melodie. "Oleg und die unerwartete Schönheit der Künste" ist ein Protestfilm, bei dem es um Befreiung durch Kunst geht - und das Porträt eines großen Komponisten, der sein ganzes Leben lang genau dafür gekämpft hat.