Petticoat und Planerfüllung - Frauen im DEFA-Film

Die 78jährige Schauspielerin Annekathrin Bürger spricht mit uns über ihre Rollen in zahlreichen DEFA-Filmen. Vergrößern
Die 78jährige Schauspielerin Annekathrin Bürger spricht mit uns über ihre Rollen in zahlreichen DEFA-Filmen.
Fotoquelle: NDR/MDR/LonaMedia/Alexander Rott
Report, Film/Kino/TV
Petticoat und Planerfüllung - Frauen im DEFA-Film

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NDR
Sa., 14.07.
11:30 - 12:15


Im Mai 1946 wurde in Potsdam-Babelsberg die Deutsche Film AG gegründet. Die DEFA erhielt von der sowjetischen Besatzungsmacht die Lizenz für die Herstellung von Filmen aller Kategorien und war fortan im Kinogeschäft Monopolist auf ostdeutschem Boden. Mit ihren zeitweise über 2.200 festangestellten Mitarbeitern produzierte die DEFA in den viereinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens mehr als 700 Kino-und über 500 Fernsehfilme. In den Filmen spiegelt sich die widersprüchliche Geschichte der DDR und damit das Auf und Ab politischer Einflussnahme und bürokratischer Gängelung ebenso wie der allgemeine Wandel von Moral-, Rollen- und Wertevorstellungen. Frauen wurden von den Drehbuchautoren und Regisseuren der DEFA schon frühzeitig in den Mittelpunkt ihrer Geschichten gestellt. Die SED sah das gerne, war doch die Gleichstellung von Mann und Frau eines der von ihr beherzt vorangetriebenen politischen Ziele. Frauen wurden als Arbeitskräfte dringend benötigt. In der bis zum Mauerbau von permanenter Abwanderung geplagten DDR sollten sie auch in bislang spezifisch männliche Berufe vordringen. So verwundert es nicht, dass die Frau im DEFA-Film berufstätig war und ein Großteil der von ihr zu bewältigenden Probleme in unmittelbarem Zusammenhang mit Schule, Studium, Arbeit oder Betrieb standen. Natürlich ging es auch im ostdeutschen Kinofilm für die Heldin um die Suche nach dem privaten Glück, dem idealen Partner. Nur geschah das nie losgelöst von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Im Gegenteil, Arbeit, Liebe und politische Selbstfindung wurden immer wieder gerne miteinander verknüpft. Exemplarisch kann dafür die DEFA-Verfilmung (1964) des Romans von Christa Wolf "Der geteilte Himmel" stehen. Hier entscheidet sich die Heldin nach langem Ringen gegen ihre große, in den Westen geflohene Liebe und für die DDR und ihre Arbeit im sozialistischen Großbetrieb. Anfang der 1970er-Jahre war die Gleichberechtigung gesetzgeberisch durchgesetzt, die Abtreibung legalisiert und die Pille zum Standardverhütungsmittel der DDR-Frau geworden. Scheidungen waren an der Tagesordnung, alleinerziehende Mütter eine Normalität. Für die DEFA-Heldinnen schien nun die Zeit reif für die private Sinnsuche. Offensiv begannen sie, ihr Glück einzufordern: in der Gesellschaft, in der Familie, im Bett. Es waren starke, selbstbewusste Frauen, die nun auf die Leinwand kamen und den Ostmann in der Regel "alt aussehen ließen". Schauspielerinnen wie Jutta Hoffmann in "Der Dritte", Angelica Domröse in "Die Legende von Paul und Paula" oder Renate Krößner in "Solo Sunny". Viele bekannte Schauspieler, Regisseure und Kritiker kommen in dieser Dokumentation zu Wort und schildern ihre Sicht auf die DEFA, ihre Filme und Rollen. So unter anderem Eva-Maria Hagen, Annekathrin Bürger, Katrin Sass, Christel Bodenstein und Jutta Wachowiak.


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