Für eine einsame Teenagerin verschwimmen im ARD-Drama "Play" die Grenzen zwischen echter und virtueller Welt. Schnell verliert sich die junge Frau in einem Computerspiel namens "Avalonia". Das Erste zeigt den Film nun am "FilmMittwoch" als Premiere.

Ein wenig wirkt das ARD-Drama "Play" aus der Zeit gefallen. Virtuelle Realitäten, die Auswirkungen von Computerspielen und vereinsamte Gamer – wurde nicht all das schon vor anderthalb Jahrzehnten durchexerziert? Wohlfeil ist es in Zeiten von VR-Spielen und Online-Radikalität natürlich dennoch, sich im Sinne des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags auch heute noch eines Computerspieldramas anzunehmen. "Spielen kann süchtig machen. Nicht nur das Glücksspiel, auch das Computerspiel hat seine Schattenseite", heißt es entsprechend belehrend vonseiten der Programmdirektion zur Veröffentlichung. Und so erzählt der Film von Regisseur und Autor Philip Koch, den das Erste im Rahmen des "FilmMittwoch" zeigt, einmal mehr von der Sogkraft digitaler Spielewelten. Mit dem vielleicht entscheidenden Unterschied, dass der Protagonist diesmal weiblich ist.

Jennifer ist 17, gerade mit ihren Eltern umgezogen und in der neuen Schule unglücklich. Ganz klassisch wird sie natürlich von den Jungs missachtet, lernt kaum Freunde kennen und findet nur schwerlich Anschluss. Ablenkung und Befriedigung findet sie im Virtual-Reality-Spiel "Avalonia", dessen Fantasywelt in der Tat ziemlich eindrucksvoll in den beim diesjährigen Münchner Filmfest erstmals gezeigten Film integriert wird. Schicke Animationen zeigen die von Emma Bading nachvollziehbar jugendlich-depri verkörperte junge Frau als Avatar in einer bunten, detailreichen Game-Umgebung, in der sie bald die meiste Zeit ihres Alltags verbringt.

Die Verbote und Warnungen ihrer Eltern (Oliver Masucci und Victoria Mayer) weiß Jennifer geflissentlich zu ignorieren und zu umgehen. Trotz aller moralischer Implikationen geht es in "Play" dabei auch mit feinem Humor zu: "Mama, das musst du unbedingt probieren, das ist eine krass immersive Erfahrung", versucht Jennifer ihre Mutter für das Spiel zu begeistern. Die antwortet: "Papa hat indisch gekocht – das wird eine krass immersive Erfahrung"

Tief in der Spielesucht

Heimlich zockt die junge Gamerin Stunde um Stunde – auch weil sie sich in der virtuellen Realität einem feschen jungen Mann namens Pierre (Jonas Hämmerle) annähern kann, den sie in der Realität nur ungern anflirten würde. Es kommt, wie es kommen muss: Jennifer verliert sich in der von Monstern und Quests irgendwo zwischen "World of Warcraft" und "Guild Wars" angesiedelten Spielewelt und versinkt tief in der Spielesucht. Schule, Familie und sonstige Verpflichtungen werden vernachlässigt. Getragen wird diese eigentlich ziemlich klischeehaft erzählte Handlung von der faszinierend umgesetzten Spielewelt einerseits – und andererseits vom tollen Spiel der Hauptdarstellerin im "Reallife" und als VR-Game-Character "Sindruin".

"Ich habe mit einem Psychiater gesprochen und selbst viel PlayStation gespielt", erzählt Emma Bading über ihre Vorbereitung. Und weiter: "Hierbei bin ich in unserem kleinen Wohnzimmer mit der VR-Brille über Planeten gesprungen! Ich habe außerdem einen Gamer besucht und ihm zugeschaut, wie er angestrengt Koordinaten über sein Headset weitergegeben hat. Aber das Allerwichtigste: Ich habe die Sucht in mir gefunden und genau damit gespielt." Weil ihr das herausragend gelungen ist, wird man die 21-Jährige in Zukunft wohl des Öfteren zu sehen bekommen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst