Polizeiruf 110

  • Ein Gruselfund alarmiert die Rostocker Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau), Alexander Bukow (Charly Hübner, rechts) und Anton Pöschel (Andreas Guenther): Eine junge Frau ist bei lebendigem Leib verbrannt. Vergrößern
    Ein Gruselfund alarmiert die Rostocker Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau), Alexander Bukow (Charly Hübner, rechts) und Anton Pöschel (Andreas Guenther): Eine junge Frau ist bei lebendigem Leib verbrannt.
    Fotoquelle: NDR / Sandra Hoever
  • Bukow (Charly Hübner, links) nimmt den Bauern Erik Meissner (Patrick von Blume) in die Zange. Der Rechtsextreme hat sich mit Gleichgesinnten in einem verlassenen Dorf angesiedelt. Vergrößern
    Bukow (Charly Hübner, links) nimmt den Bauern Erik Meissner (Patrick von Blume) in die Zange. Der Rechtsextreme hat sich mit Gleichgesinnten in einem verlassenen Dorf angesiedelt.
    Fotoquelle: NDR / Christine Schroeder
  • Besonnenheit ist auch diesmal nicht ihre Stärke: Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) sehen allerdings auch mit Sorge einem Disziplinarverfahren entgegen. Vergrößern
    Besonnenheit ist auch diesmal nicht ihre Stärke: Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) sehen allerdings auch mit Sorge einem Disziplinarverfahren entgegen.
    Fotoquelle: NDR / Christine Schroeder
  • Die Rostocker Kripo ermittelt im Umfeld einer rechtspopulistischen Partei, von links: Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner). Vergrößern
    Die Rostocker Kripo ermittelt im Umfeld einer rechtspopulistischen Partei, von links: Anton Pöschel (Andreas Guenther), Henning Röder (Uwe Preuss), Volker Thiesler (Josef Heynert), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner).
    Fotoquelle: NDR / Christine Schroeder
  • Alibiüberprüfung für Fortgeschrittene: Bukow (Charly Hübner, links) gerät mit dem völkischen Siedler Erik Meissner (Patrick von Blume) aneinander. Vergrößern
    Alibiüberprüfung für Fortgeschrittene: Bukow (Charly Hübner, links) gerät mit dem völkischen Siedler Erik Meissner (Patrick von Blume) aneinander.
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  • Bukow (Charly Hübner, links) und König (Anneke Kim Sarnau) bitten Karim Labaneh (Atheer Adel) zur Speichelprobe. Der persönliche Referent der ermordeten Politikerin ist ihr Hauptverdächtiger. Vergrößern
    Bukow (Charly Hübner, links) und König (Anneke Kim Sarnau) bitten Karim Labaneh (Atheer Adel) zur Speichelprobe. Der persönliche Referent der ermordeten Politikerin ist ihr Hauptverdächtiger.
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  • Katrin König (Anneke Kim Sarnau, rechts) sucht das Gespräch mit Lena Schulte (Pauline Rénevier), der Tochter der ermordeten Bürgermeisterkandidatin. Vergrößern
    Katrin König (Anneke Kim Sarnau, rechts) sucht das Gespräch mit Lena Schulte (Pauline Rénevier), der Tochter der ermordeten Bürgermeisterkandidatin.
    Fotoquelle: NDR / Christine Schroeder
  • Alarm auf dem Revier. Unbekannte haben einen Farb-Anschlag auf die Kommissare verübt. Thiesler (Joseph Heynert) kann dem Fluchtwagen nur noch hinterhersehen. Vergrößern
    Alarm auf dem Revier. Unbekannte haben einen Farb-Anschlag auf die Kommissare verübt. Thiesler (Joseph Heynert) kann dem Fluchtwagen nur noch hinterhersehen.
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  • Pöschel (Andreas Guenther, zweiter von links) hört sich in der Parteizentrale der PFS um. Vergrößern
    Pöschel (Andreas Guenther, zweiter von links) hört sich in der Parteizentrale der PFS um.
    Fotoquelle: NDR / Christine Schroeder
  • Auf eine Tasse Tee im braunen Bauernidyll: Bukow (Charly Hübner) befragt Lilli Meissner (Lisa Hagmeister) zum Tod der Ex-Frau ihres Mannes. Vergrößern
    Auf eine Tasse Tee im braunen Bauernidyll: Bukow (Charly Hübner) befragt Lilli Meissner (Lisa Hagmeister) zum Tod der Ex-Frau ihres Mannes.
    Fotoquelle: NDR / Christine Schroeder
Serie, Krimireihe
Oh, wie braun ist Bullerbü!
Von Jens Szameit

Infos
Audiodeskription
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
16+
ARD
So., 10.06.
20:15 - 21:45
In Flammen


Rechtspopulisten, Neonazis, völkische Siedler. Bukow und König waten durch den braunen Rostocker Morast. Ein prägnantes Stück zur Rechtsruckdebatte, das dennoch irritiert.

Das Schöne an den Themenkrimis der ARD: Man kann daheim vorm Fernseher wunderbar eine Art Schlagwort-Bingo veranstalten. "Besorgte Bürger"? Check. "Fake-News"? Check. "Political Correctness"? Bingo! Wie so viele Sonntagsermittler vor ihnen müht sich jetzt also auch das Rostocker "Polizeiruf"-Duo Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) durch einen Krimi gewordenen Debattenbeitrag zum Rechtsruck der Nation. Die kommunale Spitzenkandidatin einer rechtspopulistischen Partei wurde bei lebendigem Leib verbrannt. "In Flammen" titelt der Film von Florian Oeller (Buch) und Lars-Gunnar Lotz (Regie), was ebenso wörtlich wie bildlich zu verstehen ist.

Wenn man so will, fackeln in diesem Land ja gerade ein Stück weit die moralischen Grundfesten ab. Und allenthalben kocht der Hass hoch. Eine, die es meisterhaft versteht, den Volkszorn auf den Siedepunkt zu bringen, ist die Rostocker Bürgermeisterkandidatin Sylvia Schulte (Katrin Bühring) von der fiktiven, aber doch deutlich dem einschlägigen Vorbild nachmodellierten "Partei für Freiheit und Sicherheit". Bei einer leidenschaftlichen Hetzrede in der Mehrzweckhalle lernt man die attraktive junge Frau kennen, sieht sie aber nur wenig später geknebelt auf einem Acker knien. Jemand übergießt sie mit brennbarer Flüssigkeit und entzündet ein Streichholz. Ein ziemlicher Schocker.

Weil keine Anzeichen auf eine politisch motivierte Tat vorliegen, dürfen der Kripo-Mann Bukow und die LKA-Frau König in dem brisanten Fall ermitteln. Besonnenheit ist dabei auch diesmal nicht ihre Kerntugend. Als Haupttatverdächtigen machen sie den persönlichen Referenten und – so zeigt sich – Liebhaber der Ermordeten aus. Der schlau und kultiviert auftretende Karim Labaneh (Atheer Adel) ist ausgerechnet ein ehemaliger syrischer Bürgerkriegsflüchtling, ein wunderbar verwirrender Winkelzug des größtenteils fein gestrickten Drehbuchs.

Noch interessanter wird es, als die sich hassliebenden Polizisten raus aufs Land fahren, auf der Suche nach dem Ex-Mann der ermordeten Politikerin. In einem von Gott und der Welt verlassenen Kuhdorf hat sich der Neonazi Erik Meissner (Patrick von Blume) mit Gleichgesinnten ein "braunes Bullerbü" erschaffen. Völkische Siedler also wieder, wie neulich im "Tatort" aus dem Schwarzwald. Bloß dass die Meckpomm-Ermittler jederzeit Sorge haben müssen, von den stramm rechten Bio-Bauern eine Heugabel in den Rücken gerammt zu bekommen.

Auf der Rückfahrt, vorbei an blühenden, aber auch entvölkerten Landschaften, tun Bukow und König das, was Sonntagskrimi-Ermittler in solchen Fällen immer tun. Sie zeichnen die gesellschaftliche Debatte nach, entlang plakativ konträrer Standpunkte. Das allerdings auf einem selten prägnanten Niveau. Während sich König über den "Blut-und-Boden-Dreck" der "besorgen Bürger" mokiert, gibt Bukow den Einfache-Leute-Versteher. Der Skandal in seinen Augen: "dass so schlaue Leute wie Sie sich auf nen Gaul setzen und von da oben mit einer Moralgrütze über alles und jeden herziehen, der unter Ihnen sitzt". Da sollte wirklich für jeden die passende Punchline dabei sein.

Wenn schon Polit-Krimi – dann so, möchte man konstatieren. Wäre da nicht wieder so eine eigenartige thematische Ballung auf engstem Raum. Mal ungeachtet dessen, dass der "Tatort"-Koordinator derzeit aus fachfremden Gründen außer Dienst gestellt ist – wozu gibt es diese Planstelle, wenn man als Zuschauer binnen fünf Programmwochen zweimal am Sonntagabend mit völkischen Siedlern (Schwarzwald, Rostock) und einmal mit Reichsbürgern (München) konfrontiert ist? Ganz zu schweigen davon, dass es auch im jüngsten Franken-"Tatort" Mitte April um die rechstrextreme Unterwanderung der bürgerlichen Gesellschaft ging.

Dieser "Polizeiruf 110", der die letzte Erstsendung vor der vielwöchigen Sonntagskrimi-Sommerpause ist, war jedenfalls schon seit Mitte 2017 abgedreht und harrte lange der Ausstrahlung. Man kann den fragwürdigen Reflex vieler Krimi-Gucker, sich volkspädagogisch zwangsbelehrt zu fühlen, auch unnötig forcieren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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