Kurz vor der Jahrtausendwende schockieren in Südosteuropa erbitterte Kriege die Weltöffentlichkeit, gefolgt vom Zerfall Jugoslawiens. "Pulverfass Jugoslawien" zeigt diese Zeit der Kriege. Noch immer sind die Gräuel dieser blutigen Nachbarschaftskämpfe in den Ländern der ehemaligen Föderation präsent, und bis heute ist die Region im Herzen des Balkans nicht zur Ruhe gekommen. Der Film versucht, den Ursachen der Konflikte auf den Grund zu gehen. Die Dokumentation zeigt, wie sich über Jahrhunderte hinweg unter dem Einfluss konkurrierender Herrscher und Reiche ein Ländergebilde formte, in dem schließlich fünf Nationalitäten mit drei Sprachen und vier Religionen leben - buchstäblich über die gesamte Region verstreut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brechen die ersten ethnischen Konflikte aus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelingt es dem schillernden Diktator Josip Broz Tito, ein geeintes Land zu schaffen: Seine Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien wird zum Vorzeige-Staat, der unter dem Wahlspruch "Zusammenhalt und Brüderlichkeit" die Utopie eines Vielvölkerstaates wahr werden lässt und in der ganzen Welt Anerkennung findet. Die Konflikte jedoch bleiben hinter der Fassade der heilen Welt verborgen: Tito erfüllt seine Rolle als fürsorgliche Vaterfigur Jugoslawiens mit eiserner Faust, schlägt alle separatistischen Bestrebungen brutal nieder, lässt Kritiker und Andersdenkende in Geheimgefängnissen verschwinden. Auch der unter seiner Führung errungene Fortschritt und Wohlstand ist nicht von langer Dauer. Nach seinem Tod 1980 hinterlässt er eine Republik in der Wirtschaftskrise, geprägt von Armut und Angst um die Zukunft. Die parallel dazu erneut aufkeimenden nationalistischen Strömungen machen sich politische Strategen wie der Serbenführer Slobodan Milosevic und sein kroatischer Gegenspieler Franjo Tudjman für ihre Ziele zunutze. Schließlich wird in allen Staaten Jugoslawiens der Ruf nach Eigenständigkeit laut. Eine politische Lösung scheint spätestens Anfang der 1990er-Jahre ausgeschlossen. Die ersten Teilrepubliken spalten sich ab, praktisch über Nacht werden vielerorts Freunde und Nachbarn zu Todfeinden. Unter Tudjmans Führung beschränkt Kroatien die Rechte der übrigen Ethnien, allen voran der Serben. In Serbien schürt Milosevic die Angst seiner Landsleute vor ethnischen Säuberungen und lenkt die Wut auf die dort lebenden Kosovo-Albaner. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen werden zum Flächenbrand - die Jugoslawienkriege entwickeln sich zu den grausamsten Konflikten in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Genozide wie in Srebrenica und Massenvergewaltigungen in Bosnien bedrohen jahrelang die Bevölkerung. Bosnien-Herzegowina, das Land in der Mitte ohne dominierende Ethnie, ist bis heute politisch und sozial geteilt. Mithilfe internationaler Experten und bewegenden Aussagen vieler Zeitzeugen untersucht der Film die Entstehung des Staatengebildes, die Ära des legendären Diktators Tito, die Jugoslawienkriege in den letzten zehn Jahren des Millenniums - und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart. Welche Zukunft hat die Region in einem kriselnden Europa?