Report München

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    Fotoquelle: © ARD/Bayerischer Rundfunk 2013
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    Fotoquelle: BR/Judith Häusler
Info, Zeitgeschehen
Report München

Infos
Originaltitel
Report München
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
ARD
Di., 14.01.
21:45 - 22:15


Ärzte, Suchtexperten und Drogenfahnder schlagen Alarm. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Cannabis-Konsumenten, die mit gesundheitlichen oder psychischen Störungen stationär in Kliniken aufgenommen werden müssen, verdoppelt. Ursache ist aber nicht etwa eine Zunahme des Konsums von Haschisch und Marihuana in der Gesellschaft. Vielmehr sorgen Turbozüchtungen aus Marokko oder Gewächshäusern in den Niederlanden dafür, dass sich der Wirkstoffgehalt seit der ersten Drogenwelle in Deutschland vor dreißig Jahren zum Teil verzehnfacht hat. Nach Recherchen des ARD-Politmagazins "report München" finden Chemiker der Polizei in sichergestellten Drogenlieferungen bei Marihuana den berauschenden Wirkstoff THC mit einem Anteil von bis zu 40 Prozent – als normal galten früher ein bis zwei Prozent. Hier noch von einer "weichen Droge" zu sprechen, halten Rauschgiftfahnder für unverantwortlich. Vor allem bei Dauerkonsumenten, die zum Teil mehrmals täglich Haschisch oder Marihuana rauchen, sind die Risiken nach Angaben der Experten immens – besonders bei Jugendlichen. Im Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf müssen teilweise bereits 13-Jährige behandelt werden. Nach Aussagen von Professor Rainer Thomasius haben Haschisch und Marihuana, was die Klinikaufenthalte angeht, inzwischen Opiate wie Heroin abgelöst. Über 60 Prozent der Drogenpatienten, die sich erstmals ambulant wegen Drogenproblemen behandeln lassen, sind Cannabis-Konsumenten. Paranoia und anhaltende Angstzustände seien häufige Krankheitsbilder. Außerdem – so Experten – würden die Drogenpatienten in deutschen Kliniken immer jünger. Eine 15-Jährige, die dem ARD-Politmagazin "report München" ein Interview gegeben hat, berichtet von ihrem Weg in die Sucht. Als sie täglich Cannabis zu rauchen begann, habe sie Stimmen gehört und sich aus Angst vor Menschen nur noch in ihrem Zimmer eingesperrt. Und in einer Selbsthilfegruppe in Hessen nennen erwachsene Suchtpatienten auch schlimme körperliche Symptome, die sie fast in den Selbstmord getrieben hätten. Angesichts dieser Entwicklungen nennen Polizeiexperten eine Legalisierung von Cannabis den "Weg in die falsche Richtung". Ein staatlich lizensierter Verkauf von kontrolliert angebautem Cannabis – so Jörg Beyser vom Bayerischen Landeskriminalamt im report-Interview – würde in keiner Weise den illegalen Markt für Haschisch und Marihuana austrocknen. Der Leiter der LKA-Drogenfahndung verweist auf die Erfahrungen in einigen US-Bundesstaaten nach der Freigabe des Verkaufs in lizensierten Geschäften. Dort sei die Zahl der Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss ebenso gestiegen wie die Anzahl der Selbstmorde von Cannabiskonsumenten. Der Leiter der Rauschgiftfahndung zitiert Untersuchungen, denen zufolge im US-Bundesstaat Colorado weiter Cannabis auf dem Schwarzmarkt gekauft werde, weil es dort billiger und stärker sei als in den lizensierten Geschäften. Beyser sieht zudem die Gefahr, dass sich bei einer Legalisierung hierzulande vor allem Jugendliche, die keinen Zugang zu den kontrollierten Läden hätten, weiter auf dem illegalen Drogenmarkt bedienen würden.

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