Hans Jürgen Syberbergs Dokumentarfilm bietet einen faszinierenden Blick auf die 27-jährige Romy Schneider, die sich damals auf der Suche nach ihrem künstlerischen Selbstverständnis befand. Der Film stellt Romys damalige seelische Stimmung dar und vertraut dabei ganz auf ihr sprechendes Gesicht. Und auf ihre eigenen Kommentare und Beurteilungen ihrer Erfahrungen, Erlebnisse, Hoffnungen und Ängste. Zur Entstehungszeit des Films hatte die 27-jährige Romy Schneider das Sissi-Image zwar halbwegs abgelegt, die eigentliche Weltkarriere aber hatte trotz eines Hollywood-Aufenthaltes und der Zusammenarbeit mit berühmten Regisseuren noch nicht richtig begonnen. Trotzdem waren bis dahin bereits 26 Filme mit Romy Schneider in den Kinos gelaufen, Luchino Visconti hatte sie 1961 in dem Theaterstück "Schade, dass sie eine Dirne ist" in Paris zu einem Triumph auf der Bühne geführt und mit ihr seine Episode in "Boccaccio 70" (1962) inszeniert. Otto Preminger war ihr Regisseur in "Der Kardinal" (1963) gewesen, der große Orson Welles hatte sie für seine Kafka-Verfilmung "Der Prozess" (1962) geholt: Ein Erlebnis, das sie tief geprägt hat. Das Melodrama "Schornstein Nr. 4" (1966) mit Michel Piccoli, ihrem späteren Partner in Welterfolgen wie "Die Dinge des Lebens" (1979) oder "Das Mädchen und der Kommissar" (1971), war gerade abgedreht. Doch die junge Schauspielerin zweifelte an sich selbst, sie litt unter der Publicity, die sich mehr mit ihrem Privatleben oder mit ihrem Welterfolg "Sissi" beschäftigte als mit der ernst zu nehmenden Künstlerin Romy Schneider. Otto Preminger hatte ihr bestätigt, dass sie das Zeug zum Weltstar besaß, doch sie lehnte viele Angebote ab, weil sie sich mit Selbstzweifeln quälte. Für Hans Jürgen Syberberg sind die Erinnerungen an diese Arbeit, an die drei Drehtage im Februar 1966 in Kitzbühel, zwiespältig, denn das "Porträt" ist der einzige Film, den er kürzen musste. Romy Schneiders Ehemann Harry Meyen - sie hatte ihn im Juli 1966 geheiratet und im Dezember den gemeinsamen Sohn David geboren - verlangte bei der Mustervorführung etliche Schnitte, Romy ließ ihn gewähren, ohne sich selbst einzubringen, so Syberberg. Inzwischen sind die Schnitte wieder zurückgenommen. Die von den Deutschen überschwänglich über alles geliebte "Sissi" der 50er-Jahre wurde einer der interessantesten und aufregendsten weiblichen Stars der internationalen Kinoszene. Der Weg, der aus dem beliebten Teenager den strahlenden Stern am Kinohimmel machte, war mit Schwierigkeiten und schmerzlichen Abnabelungen verbunden. Die neue Romy, die sich wagemutig verweigert und die Schiene der "Sissi"-Filme trotz aller Anfeindungen verlassen hatte, fing, allein auf sich gestellt, in Paris neu an und stellt sich größten Herausforderungen - in Werken von Meisterregisseuren wie Luchino Visconti, Orson Welles oder René Clement. Romy Schneiders früher Tod - sie starb am 29. Mai 1982 im Alter von nur 43 Jahren - war ein Schock, "von allen Leinwandgrößen in den letzten Jahren ist sie unbestreitbar jene, deren plötzliches Ableben uns am heftigsten erschüttert", schrieb "Le Matin". "Syberberg hatte die Gespräche mit der in Kitzbühel Ski laufenden Romy im Frühjahr 1965 geführt. Die Bruchstückhaftigkeit des Dialogs, der fast nur Monolog ist, macht das eigentlich Anrührende aus. Selten hatte bis dahin jemand so offen über sich gesprochen. Aber mit was für einem persönlichen Stil. Das später unter Regisseuren berühmte total nackte Gesicht gab es ganz privat auch schon. Warum die Schauspielerin dann Änderungen am fertigen Porträt verlangte, ist am Schluss kurz eingeblendet, mit Baby Daniel im Arm der strahlenden Mama ... Ein Stück bürgerlicher Tragödie hub an unter dem Mythos Romy Schneider, wie wir heute wissen" (Augsburger Allgemeine, 1.6.1992)