Eduard und Kawas, ein Seerobben-Jäger und ein Rentiernomade, sind Kinder der Tundra. Sie leben mit ihren Familien mit ihren eigenen Traditionen wie vor 100 Jahren. Weder die Sowjetmacht noch ihr Sturz vermochten bisher die archaischen Sitten ihres kleinen Tschuktschen-Volks zu zerstören. Dennoch - heute ist dieses Volk mit seinen rund 50 000 Angehörigen zunehmend bedroht. Die Tschuktschen führen einen harten Überlebenskampf. Das Meer ist vereist. Die Luft durchsichtig und klar. Keine Menschenseele weit und breit. Nur der Polarwind zwischen den Eisblöcken, den einsamen Wächtern der Nacht. Um vier Uhr morgens muss Eduard los, zur Seerobbenjagd. Der 50-jährige Inuit ist in der "Schlucht am Walfischrachen" im Land der Tschuktschen geboren, im äußersten Nordostsibirien, der zu Russland gehört. Eduard ist ein "Mensch des Wassers" - wie alle Robbenjäger hier. Rentierzüchter dagegen sind "Menschen der Erde". Sie leben tief in der Tundra, in verschneiten Bergen der Tschuktschen-Halbinsel, zwischen dem Eismeer und dem Pazifik. Keine Eisenbahn führt dorthin und keine Straße. Nur die Schlittenhunde kennen den Weg. Am "Berg des alten Hirsches" besucht der Jäger seinen Freund Kawas mit Familie, um mit ihm seine Beute zu teilen. Wo man hinsieht - nichts als Rentiere. Mittendrin das einsame Nomadenzelt. Drinnen beginnen die Vorbereitungen zum Neujahrsfest. Der Tran bringt den Tee zum Kochen, die verrostete Dynamomaschine den Strom zum Funken. Die Kinder in bunten Pelzkleidern üben das Lasso-Werfen. Alles hier wirkt mit der Natur im Einklang. Ein Rentier wird geopfert - zu Ehren des Gasts und zur Feier des Tages. Durch Wodka und Armut, die Einflüsse der "Zivilisation" und durch russische Zuwanderung ist das kleine Volk zunehmend bedroht. Wie können die Tschuktschen auch in Zukunft ihre eigenen Traditionen bewahren?