Das meditative Porträt «San Siro» zeigt mit visuell bestechenden Bildern und ohne Dialog die Vorbereitungen, die vor einem Fussballspiel im gleichnamigen Stadion getroffen werden. Das imposante Stadion ist Heimat der Clubs AC Mailand und Inter. Kabel werden aus dem Boden gezerrt und Tauben vom Rasen verscheucht, jede Ecke wird von Wachpersonal inspiziert und - sehr wichtig, der Penalty-Kreis muss frisch gemalt werden. Erst dann strömen die Zuschauerinnen und Zuschauer ameisengleich in den Fussballtempel, um ihrer Mannschaft zu huldigen. Der italienische Künstler und Filmemacher Yuri Ancaranai erklärt in einem Interview seine Inspiration zu San Siro folgendermassen: Als er in Dubai an einem anderen Projekt arbeitete, fiel ihm auf, dass an jeder Ecke im Fernsehen ein Still der Kaaba zu sehen war. Rundherum ein Strudel von Pilgern, die um die Kaaba herumgehen. Das habe ihn an die sonntäglichen Kameraeinstellungen auf die Fussballstadien erinnert. So begann er, das Stadion als Anziehungspunkt für die Masse, als eine Art heidnischer Tempel, zu betrachten.