Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

  • Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe.
Von Weitem sind die großen Leuchtbuchstaben zu sehen. Vergrößern
    Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe. Von Weitem sind die großen Leuchtbuchstaben zu sehen.
    Fotoquelle: ZDF/SWR/Holger Schüppel
  • Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe.
Cafteria in den Räumen der ehemaligen Kaffeerösterei. Vergrößern
    Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe. Cafteria in den Räumen der ehemaligen Kaffeerösterei.
    Fotoquelle: ZDF/SWR/Holger Schüppel
  • Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe.
Zur Schau gestellte Technik im Kraftwerk demonstriert Fortschritt und Modernität. Vergrößern
    Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe. Zur Schau gestellte Technik im Kraftwerk demonstriert Fortschritt und Modernität.
    Fotoquelle: ZDF/SWR/Holger Schüppel
  • Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe.
Die Sanitäranlagen wurden von den Tabakschiffen aus den USA mitgebracht. Vergrößern
    Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe. Die Sanitäranlagen wurden von den Tabakschiffen aus den USA mitgebracht.
    Fotoquelle: ZDF/SWR/Holger Schüppel
  • Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe.
An dem Betonskelett ist eine dünne Vorhangfassade mit Glasfenstern angehängt. Vergrößern
    Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe. An dem Betonskelett ist eine dünne Vorhangfassade mit Glasfenstern angehängt.
    Fotoquelle: ZDF/SWR/Holger Schüppel
Report, Dokumentation
Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
1991
3sat
So., 14.04.
19:40 - 20:00
Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam, Niederlande - Monumente aus Stahl und Glas


Die Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam, 1926 bis 1931 erbaut, verkörpert wie das deutsche Bauhaus die architektonische Avantgarde der Klassischen Moderne. Seit 2014 ist sie UNESCO-Welterbe. Funktionalität und Ästhetik gehen eine Symbiose ein. Der Industriebau wurde nach dem amerikanischen Vorbild der Daylight Factory konzipiert. Dabei fanden ganz neue Techniken ihre Anwendung. Le Corbusier sprach 1931 vom "schönsten Anblick der modernen Zeit". Rotterdam, der größte Seehafen Europas, wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig durch deutsche Bomben zerstört. Heute präsentiert sich die Hafenstadt mit spektakulären Bauten, entworfen von Stars der zeitgenössischen Architekturszene. Doch avantgardistische Architektur-Highlights bietet die Seemetropole nicht nur an der Nieuwe Maas: In Schiedam, einem westlichen Vorort, steht die Van-Nelle-Fabrik. Bis 1995 werden hier Tabak, Kaffee und Tee verarbeitet. Dann schließt die Fabrik. 60 000 Quadratmeter müssen neu genutzt werden. Nachdem die Stadt Rotterdam den Kauf - und damit die Verantwortung - für die Van-Nelle-Fabrik abgelehnt hat, kann ihre Zukunft nur durch die Transformation zu einem Ort der Kreativindustrie gesichert werden. Design-Ateliers, Architekturbüros, Kanzleien, Werbe- und Filmproduktionen ziehen in den Industriebau ein. Hier zu arbeiten ist Teil ihrer Corporate Identity. Der Name "Van Nelle" geht auf ein Kolonialwarengeschäft zurück, das 1782 in Rotterdam eröffnet wird. Als die Familie Van der Leeuw das Ruder übernimmt, beginnt mit Plantagen-Gründungen in Niederländisch-Ostindien, mit dem Handel und der Verarbeitung von Tee, Kaffee und Tabak, der Aufstieg zu einem global operierenden Unternehmen. Die Rohstoffe aus Übersee werden nach Rotterdam verschifft und dort in der Van-Nelle-Fabrik im alten Leuvehafen weiterverarbeitet. Das Geschäft floriert, die Kapazitäten reichen bald nicht mehr aus. Der neue Standort liegt an einem großen Kanal, in Nachbarschaft zur Bahnstrecke Paris - Amsterdam. Jedes Produkt - ob Tabak, Kaffee oder Tee - erhält einen eigenen Bereich. Mit der Planung des Industriebaus profiliert sich Chefarchitekt Leendert van der Vlugt als vielversprechender Protagonist des Neuen Bauens. Doch die Van-Nelle-Fabrik ist eigentlich das Projekt des jungen Cees van der Leeuw, der von der Eigentümerfamilie bestimmt wird, die Verwirklichung in die Hand zu nehmen. Den Jungunternehmer interessieren amerikanische Produktionsmethoden. Er begeistert sich für moderne Architektur und abstrakte Malerei, ist Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und Anhänger des spirituellen Lehrers Jiddu Krishnamurti. Mit der Van-Nelle-Fabrik verfolgt Cees van der Leeuw nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk, das die Rationalität industrieller Produktion, die Kunst des Neues Bauens sowie die Suche nach einem ganzheitlichen Menschenbild in sich vereinen soll. Der Bau selbst ist eine Pionierleistung der Ingenieurskunst. Um in dem schwammigen Boden ein sicheres Fundament zu gründen, werden Tausende über 20 Meter lange Stahlbetonnägel an Ort und Stelle gegossen und dann mithilfe der aus den USA eingeführten Thomson-Dampframme in den Untergrund gestoßen. Auch Pilzstützen aus Stahlbeton, die das Skelett des Industriebaus bilden, waren bis dahin in Europa nicht bekannt. Sie sind mit dem Fußboden vergossen und bilden so eine belastbare Einheit, die Träger für die Decken überflüssig macht. Vorhangfassaden auf beiden Seiten des 17 Meter breiten Industriebaus sorgen für optimalen Einfall des Tageslichts. Die Form folgt der Funktion. In den Treppenhäusern schaffen Chrom und Keramik Eleganz. Die Fabrik soll schön sein, die Arbeit darin Freude bereiten. Dies zeigt sich auch bei der Ausstattung der Toiletten und Duschen. Die Sanitäranlagen kommen mit den Tabakschiffen aus den USA. Für die Direktoren der Van-Nelle-Fabrik entwirft Hausarchitekt Leendert van der Vlugt auch Villen in der Stadt. Das Sonneveld House, eine "Machine à Habiter", ist heute Museum. Es ist komplett im Stil der Neuen Kunst gestaltet und befindet sich wieder in dem Zustand, wie es Direktor Bertus Sonneveld mit seiner Familie bezogen hat. Ausgestattet ist es mit Möbeln des Designers Willem Hendrik Gispen, der auch für die Interieurs der Van-Nelle-Fabrik verantwortlich war.
Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam, 1926 bis 1931 erbaut, verkörpert wie das deutsche Bauhaus die architektonische Avantgarde der Klassischen Moderne.
Funktionalität und Ästhetik gehen eine Symbiose ein. Der Industriebau wurde nach dem amerikanischen Vorbild der Daylight Factory konzipiert. Dabei fanden ganz neue Techniken ihre Anwendung.
Das veranlasste den Architekturvisionär Le Corbusier im Jahr 1931 vom "schönsten Anblick der modernen Zeit" zu sprechen.
Rotterdam, der größte Seehafen Europas, wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig durch deutsche Bomben zerstört. Heute zeigt es sich mit spektakulären Bauten, entworfen von Stars der zeitgenössischen Architekturszene. Doch Architektur-Avantgarde bietet die Seemetropole nicht nur an der Nieuwe Maas. In Schiedam, einem westlichen Vorort, steht die Van Nelle Fabrik.
Bis 1995 werden hier Tabak, Kaffee und Tee verarbeitet. Dann schließt die Fabrik. 60 000 Quadratmeter müssen neu genutzt werden. Nachdem die Stadt Rotterdam den Kauf - und damit die Verantwortung für die Van Nelle Fabrik abgelehnt hat, kann ihre Zukunft nur durch die Transformation zu einem Ort der Kreativindustrie gesichert werden. Designateliers, Architekturbüros, Kanzleien, Werbe- und Filmproduktionen ziehen in den Industriebau ein. Hier zu arbeiten ist Teil ihrer Corporate Identity.
Der Name Van Nelle geht auf ein Kolonialwarengeschäft zurück, das 1782 in Rotterdam eröffnet wird. Als die Familie Van der Leeuw das Ruder übernimmt, beginnt mit Plantagengründungen in Niederländisch-Ostindien, dem Handel und der Verarbeitung von Tee, Kaffee und Tabak der Aufstieg zu einem global operierenden Unternehmen. Die Rohstoffe aus Übersee werden nach Rotterdam verschifft. Und dort in der Van Nelle Fabrik im alten Leuvehafen weiterverarbeitet. Das Geschäft floriert, die Kapazitäten reichen bald nicht mehr aus.
Der neue Standort liegt an einem großen Kanal, in Nachbarschaft zur Bahnstrecke Paris-Amsterdam. Jedes Produkt - ob Tabak, Kaffee oder Tee - erhält einen eigenen Bereich. Mit der Verwirklichung des Industriebaus profiliert sich Chefarchitekt Leendert van der Vlugt als vielversprechender Protagonist des Neuen Bauens. Doch die Van Nelle Fabrik ist eigentlich das Projekt des jungen Kees van der Leeuw, der von der Eigentümerfamilie bestimmt wird, die Verwirklichung in die Hand zu nehmen. Den Jungunternehmer interessieren amerikanische Produktionsmethoden. Er begeistert sich für moderne Architektur und abstrakte Malerei, ist Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und Anhänger des spirituellen Lehrers Jiddu Krishnamurti. Mit der Van Nelle Fabrik verfolgt Kees van der Leeuw nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk, das die Rationalität industrieller Produktion, die Kunst des Neues Bauens sowie die Suche nach einem ganzheitlichen Menschenbild in sich vereinen soll.
Der Bau selbst ist eine Pionierleistung der Ingenieurskunst. Um in dem schwammigen Boden ein sicheres Fundament zu gründen, werden Tausende über 20 Meter lange Stahlbetonnägel an Ort und Stelle gegossen und dann mithilfe der aus den USA eingeführten Thomson-Dampframme in den Untergrund gestoßen. Auch Pilzstützen aus Stahlbeton, die das Skelett des Industriebaus bilden, waren bis dahin in Europa nicht bekannt. Sie sind mit dem Fußboden vergossen und bilden so eine belastbare Einheit, die Träger für die Decken überflüssig macht. Vorhangfassaden auf beiden Seiten des 17 Meter breiten Industriebaus sorgen für optimalen Einfall des Tageslichts.
Die Form folgt der Funktion. In den Treppenhäusern schaffen Chrom und Keramik Eleganz. Die Fabrik soll schön sein, die Arbeit darin Freude bereiten. Dies zeigt sich auch bei der Ausstattung der Toiletten und Duschen. Die Sanitäranlagen kommen mit den Tabakschiffen aus den USA.
Für die Direktoren der Van Nelle Fabrik entwirft Hausarchitekt Leendert van der Vlugt auch Villen in der Stadt. Das Sonneveld House, eine Machine à Habiter, ist heute Museum. Es ist komplett im Stil der Neuen Kunst gestaltetet und befindet sich wieder in dem Zustand, wie es Direktor Bertus Sonneveld mit seiner Familie bezogen hat. Mit Möbeln des Designers Willem Hendrik Gispen, der auch für die Interieurs der Van Nelle Fabrik verantwortlich war.


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