Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Kultur, Kunst + Kultur
Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Infos
Originaltitel
Schätze der Welt - Erbe der Menschheit spezial
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2010
SWR
So., 18.10.
06:00 - 06:30


Gomulen, Erdgeister, lauern in den Kraterhöhlen der rauchenden Vulkane. Sind sie hungrig, jagen sie Wale im Pazifischen Ozean, greifen mit ihren riesigen Lanzenfingern nach den Tieren und rösten sie auf mächtigen Feuern in den Kratern der Vulkankegel. Wolken von Rauch und Dunst steigen zum Himmel auf, kochend heißes Walfett ergießt sich die Abhänge hinunter. Die Erde bebt und Walknochen wirbeln durch die Lüfte. Dann folgt dampfendes Schweigen. Eine Legende, ein Mythos und dennoch: Bis vor 200 Jahren konnten sich die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner Kamtschatkas ihren unsicheren Lebensraum rational nicht erklären. Die säbelförmige Halbinsel gleicht einem gigantischen Pulverfass am östlichen Ende der Welt. 11 Zeitzonen liegen zwischen Moskau und dem letzten Außenposten des russischen Riesenreiches. Auf dem Eiland zwischen der Bering-See im Westen und dem Ochotskischen Meer im Osten markieren über 160 Vulkane, unzählige Geysir-Täler und Schwefelseen auf knapp 370.000 Quadratkilometern den sichtbaren Rahmen für ein Phänomen, das Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler als Herz des "Pazifischen Ring des Feuers" bezeichnen. Seit über zwei Millionen Jahren schieben hier tektonische Urkräfte die Pazifische Platte jedes Jahr um zehn Zentimeter auf breiter Front unter den Rand Eurasiens. Die Folge: Erdbeben und Vulkaneruptionen erschüttern die 1.200 Kilometer lange Halbinsel nahezu täglich. Zu den 29 aktiven Vulkanen gehören die unberechenbarsten Schlote der Welt: Graugelber Schwefelschlamm, giftige Dämpfe und schwarze Asche - es brodelt im Tyrrhenischen Meer. Wo sich die Kontinentalplatte Afrikas unter die eurasische schiebt, entstand Vulkanismus. Nach und nach erhoben sich Feuerberge aus dem Meer und bildeten Inseln, die heute wie ein Siebengestirn vor der Nordküste Siziliens liegen: Lipari, Vulcano, Stromboli, Salina, Panarea, Alicudi und Filicudi. Vulkanismus prägt die einzigartige Landschaft dieser äolischen Inselgruppe, Feuerberge bestimmen das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner. Manche sind stumm und erloschen, andere immer noch aktiv wie der Stromboli oder Vulcano. Früh schon kamen die ersten Siedler und Siedlerinnen, angelockt von den fruchtbaren Böden. Griechen und Römer lebten auf den äolischen Inseln, handelten weltweit mit Obsidian, dem wertvollen vulkanischen Glasgestein. Bis ins 19. Jahrhundert blühte der Wohlstand, dann kam der Niedergang. Über ein Drittel der Bevölkerung wanderte zwischen 1900 und 1950 nach Amerika und Australien aus. Wo der Windgott Aeolus seinen Wohnsitz hatte und Vulcanus, der Gott des Feuers, hauste, forschen heute Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler, Archäologinnen und Archäologen sowie Biologinnen und Biologen. Die Region am Rande Europas, die von alters her als besonders schön, fruchtbar und gefährlich gilt, wird von Touristinnen und Touristen immer wieder neu entdeckt.

Thema:

Heute: Vom Feuer der Erde - Kamtschatka und die Äolischen Inseln (Russland/Italien)



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