"Schrotten" – ein knackiger Titel. Dahinter verbirgt sich eine Familiengeschichte um ein aussterbendes Geschäft.

Ein neues Thema. Im alten Stil inszeniert. Autor und Regisseur Max Zähle kennt fahrende Schrotthändler aus seiner Jugend in Niedersachsen. Ganze Sommer habe er früher auf dem Schrottplatz verbracht, erinnert er sich. Und so weiß er um diese winzig kleine, rüde Parallelwelt, in der die Polizei immer noch "Polente" heißt und der familiäre Zusammenhalt über allem steht. Es war eine charmante Idee, daraus einen Film zu zimmern. "Schrotten!" (2016) heißt der ganz schlicht, und natürlich spielt der Mikrokosmos des Milieus eine große Rolle. Eingebettet ist er jedoch in eine reichlich konventionelle Gaunergeschichte. Das Erste zeigt die Komödie nun in der renommierten Debütfilm-Reihe.

Seit der Staat den Wert von Altmetall erkannt hat und es an jeder Ecke Wertstoffhöfe gibt, haben sie es schwer – die Schrotthändler, die einst in vielen Bundesländern durchaus zum Straßenbild gehörten. Nun aber kämpfen die Familienbetriebe um ihre Existenz. So auch der von den Talhammers. Mirko (Lucas Gregorowicz) hat das schon früh erkannt und sich aus dem Staub gemacht. Er arbeitet in einem Hamburger Versicherungsbüro. Doch er hat Probleme: Sein obskures Schneeballsystem droht aufzufliegen. Mirko braucht Geld – und zwar schnell.

Plötzlich stehen auch noch Träumchen (Lars Rudolph) und Schmied (Heiko Pinkowski) in seiner Tür. Sie arbeiten für seinen alten Familienclan und haben den Auftrag, Mirko mal kurz nach Hause zu holen. Freundlich wird er dort nicht empfangen. Mirkos Bruder Letscho (Frederick Lau) hat es ihm nicht verziehen, dass er sich so einfach aus dem Staub gemacht hat und den Betrieb im Stich ließ. Doch: Nun ist der Vater der beiden gestorben, und seine Erbregelung stellt die Brüder vor Probleme. Papa vermacht den Schottplatz zu gleichen Teilen an die zerstrittenen Söhne.

Es ist früh klar, wo das alles hingehen wird: Aber zunächst einmal findet Mirko seine Familie einigermaßen fürchterlich und reichlich proletarisch. Gut, die taffe Luzi (Anna Bederke), die als Hilfe von außen inzwischen so eine Art Bildungselite des Unternehmens darstellt, hat es ihm schon angetan. Der Rest jedoch geht ihm hinten vorbei. Da passt es bestens, dass plötzlich der schmierige Recyclingunternehmer Wolfgang Kercher (Jan-Gregor Kemp) auftaucht und Interesse am Kauf des Schrottplatzes anmeldet. Mirko unterschreibt einen Vorvertrag und muss nun nur noch seinen Bruder überreden, dass auch er seinen Teil abgibt. Aber für den ist klar: "Ein Talhammer, der wird nicht geschubst. Ein Talhammer, der schubst!"

Max Zähle hat seine Komödie exzellent besetzt. Ob Frederick Lau, Jan-Gregor Kemp oder Lucas Gregorowicz – sie alle lieben spürbar ihre Rolle, die zwar tief in Klischees verhaftet sind, nichtsdestotrotz aber Spaß machen. Auch weil das Proletarische zunehmend selten wird in Kino und Fernsehen. Schade nur, dass die überraschungsarme Story sehr berechenbaren Regeln folgt. Am Ende hat diese merkwürdige Form der Political Correctness etwas Störendes. Mehr Mut wäre schön gewesen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst