Schwere Last auf schmalen Schultern

  • Keine Berührungsängste: Joël Fehr (15) übernimmt viel in der Betreuung seiner beiden behinderten Brüder. Vergrößern
    Keine Berührungsängste: Joël Fehr (15) übernimmt viel in der Betreuung seiner beiden behinderten Brüder.
    Fotoquelle: ZDF/SRF
  • Entlastung für Mutter und Tochter - Sarahs Grossmutter Elisabeth Bachmann hilft im Haushalt Vergrößern
    Entlastung für Mutter und Tochter - Sarahs Grossmutter Elisabeth Bachmann hilft im Haushalt
    Fotoquelle: ZDF/SRF
  • «Young Carer» agieren meist im Verborgenen: Sarah Ketterer mit ihrer Mutter Silvia, die an rheumatoider Arthritis erkrankt ist. Vergrößern
    «Young Carer» agieren meist im Verborgenen: Sarah Ketterer mit ihrer Mutter Silvia, die an rheumatoider Arthritis erkrankt ist.
    Fotoquelle: ZDF/SRF
Report, Dokumentation
Schwere Last auf schmalen Schultern

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2008
3sat
Mi., 30.01.
21:05 - 22:00
Wenn Kinder Angehörige pflegen


Sie agieren meist im Verborgenen, doch sie sind mitten unter uns: Kinder und Jugendliche, die kranke Eltern, betagte Großeltern oder beeinträchtigte Geschwister pflegen oder betreuen. Knapp acht Prozent aller Kinder zwischen zehn und 15 Jahren sind "Young Carer", junge Pflegende. Der Film gibt diesen jungen Pflegerinnen und Pflegern ein Gesicht. Darunter die zwölfjährige Sarah Ketterer, deren Mutter unter rheumatoider Arthritis leidet. Rheumatoider Arthritis ist eine Erkrankung der Gelenke, die schubweise verläuft und heftige Schmerzen verursacht. Wenn es ihrer Mutter schlecht geht, besorgt Sarah den Haushalt, richtet Medikamente und hilft bei der Körperpflege. Viel Arbeit für eine Zwölfjährige. Doch viel schwerer trägt Sarah an der Sorge um die Mutter: "Ist Mami noch da oder im Spital, wenn ich aufwache oder von der Schule nach Hause komme?" Dieser Gedanke begleitet Sarah durch den Tag und lässt sie in der Nacht schlecht schlafen. "Young Carer" agieren meist im Verborgenen. Die betroffenen Kinder wollen ihre Familien schützen und erzählen aus Scham oder Angst vor Einmischung Außenstehenden nichts von ihrer belastenden Situation. Auch die Lehrer von Anja, 28, wussten nicht, warum deren schulische Leistungen nach dem Wechsel in die Oberstufe immer schlechter wurden, warum der Teenager sich mehr und mehr zurückzog. Denn Anjas Mutter war an Hepatitis C erkrankt. Nach erfolglosen Therapien verlor die 39-jährige Mutter dreier Kinder ihren Lebensmut und wurde depressiv. Anja versorgte an ihrer Stelle die Familie, kochte, putzte und übernahm, so gut es ging, die Mutterrolle für die kleine Schwester. Diese Erfahrung habe ihr ihre äußersten persönlichen Grenzen aufgezeigt - "Grenzen, die man eigentlich gar nicht kennenlernen möchte", erzählt Anja. "'Young Carers' wollen nicht als Opfer gesehen werden. Sie wollen unsere Wertschätzung und unser Verständnis", sagt Agnes Leu, Leiterin des Forschungsprogramms "Young Carers". Um den betroffenen Kindern und Jugendlichen den Rücken stärken zu können, müssen Lehrpersonen, Lehrmeister, Ärzte und Pflegende erst einmal für die Thematik sensibilisiert sein. Denn nur so können diese Fachpersonen das Gespräch mit den jungen Pflegenden suchen, die oftmals negativ auffallen, indem sie zu spät kommen, übermüdet und unkonzentriert sind. "Es braucht dringend politische und gesellschaftliche Maßnahmen, damit 'Young Carers' in Schule, Ausbildung und Beruf unterstützt werden können", sagt Agnes Leu, deren oberstes Ziel die Chancengleichheit für "Young Carers" ist. Mit einer großen Online-Befragung, die erstmals verlässliche Daten über pflegende Kinder und Jugendliche liefert, ist ein erster Schritt in diese Richtung getan. Auch Joël Fehr, 15, aus Flamatt ist "Young Carer", seit er denken kann: Sein älterer Bruder Alain, 17, und sein jüngerer Bruder Olivier, zehn, haben beide das Down-Syndrom. "Ich will, dass meine beiden behinderten Brüder genauso auf ihre Kosten kommen wie ich", sagt Joël. Darum nimmt er seinen älteren Bruder Alain mit in den Schwimmclub und spielt mit ihm Klavier. Er betreut die Brüder, wann immer seine Eltern Unterstützung brauchen. Dass er dabei auch Windeln wechselt, Essen eingibt und bei der Körperpflege hilft, ist für "Young Carer" Joël eine Selbstverständlichkeit.


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