Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt das TV-Drama "Sieben Stunden" eindrücklich von den Folgen einer Vergewaltigung.

Mit einem Trauma und dem Gefühl, in der Opferrolle zu stecken – genau damit muss Hanna Rautenberg (Bibiana Beglau) nach einer brutalen Vergewaltigung kämpfen. Doch Opfer sein will sie nicht. Um jeden Preis kämpft die Sozialtherapeutin dafür, in ihr altes Leben zurückzufinden. Was einfach klingt, wird im Fernsehdrama "Sieben Stunden" zur harten Aufgabe, bei der die Hauptfigur nicht nur sich selbst fast verliert. Grimme-Preisträger Christian Görlitz widmet sich mit seinem Film einem sensiblen und schweren Thema, das auf einer wahren Begebenheit basiert. Die TV-Premiere erfolgte bereits im September auf ARTE. Nun läuft "Sieben Stunden" im Ersten.

Todesangst und unfassbare körperliche Schmerzen quälen sie. Die Kleidung wurde ihr vom Leib gerissen und der Knebel in ihren Mund gedrückt. All das sitzt die sonst so selbstbewusste Hanna aus, lässt es über sich ergehen – und wartet auf das Ende. Auf das Einrücken des SEKs, die Hilfe durch ihren Kollegen oder die Gefängniswärter. Doch sie wartet vergebens. Sieben Stunden lang rührt sich niemand.

Dabei weiß sie ganz genau, dass sich in dem bayerischen Hochsicherheitsgefängnis über 100 Polizisten befinden, die genau wissen, wo sie ist, und vor allem mit wem. Als der Psychopath und Sexualstraftäter Peter Petrowski (Till Firit) dann endlich mit ihr fertig ist, bricht sie zusammen.

Hanna kann es nicht fassen. Sie war dem Häftling hilflos ausgeliefert. Wieso ist keiner eingeschritten? Die Hochzeit mit Stephan (Thomas Loibl) rückt näher, doch sie kann diesen Unfall – "Verbrechen" klingt in ihren Ohren nicht richtig – nicht vergessen. Panikattacken, Halluzinationen und Heulkrämpfe bestimmen ihren Alltag.

Hanna ist sich sicher: Das SEK ist schuld, ihr Arbeitgeber ist schuld, ihr Stellvertreter ist schuld, und besonders das Hochsicherheitsgefängnis ist schuld. Und was meint ihre Therapeutin damit, die Situation hätte vorhergesehen werden können? Gibt sie etwa ihr selbst die Schuld, die Situation falsch eingeschätzt zu haben?

Die Handlung fußt auf Susanne Preuskers Buch "Sieben Stunden im April – Meine Geschichte vom Überleben", in dem die Autorin erzählt, wie sie als Gefängnispsychologin im Jahr 2009 von einem Insassen als Geisel genommen und vergewaltigt wurde. Die Frage, ob Sexualstraftäter überhaupt therapierbar sind, wird durch den Film aufgegriffen. Gibt es außer dem Täter noch andere Schuldige?

Mit fantastischen schauspielerischen Leistungen, besonders von Bibiana Beglau und Till Firit, beleuchtet der Film ebenso sensibel wie schonungslos ein Verbrechen und seine Folgen. Wie viel Kraft kostet es, wieder ins einstige Leben zurückzukehren? Warum sind es die Opfer, die sich schämen?

Mit einem engmaschigen und hochspannenden Drehbuch von Christian Görlitz und Pim G. Richter wird die Geschichte von verschiedenen Seiten beleuchtet. Angesichts mancher sehr absurd erscheinenden Reaktionen der Nicht-Betroffenen bleibt dem Zuschauer dabei oft nur ein Kopfschütteln. Andererseits: Wer kann schon wirklich nachfühlen, was den Betroffenen durch den Kopf geht?


Quelle: teleschau – der Mediendienst