Der Arzt Lary kommt zurück nach Bukarest, um an der Gedächtnisfeier für seinen Vater teilzunehmen, der vor 40 Tagen gestorben ist. Schon die Fahrt durch die Stadt mit seiner Frau Sandra artet in einer hoch emotionalen Diskussion aus, da Lary seiner Tochter offenbar ein falsches Kleid für eine Schulaufführung gekauft hat. Die Familiensippe versammelt sich in der engen Wohnung der Mutter im Zentrum der Stadt, wo sie gemeinsam auf den Popen warten. Dieser soll gemäss der Tradition einen Anzug des Verstorbenen segnen, welcher dann von einem Familienmitglied getragen wird, um so den Toten symbolisch wiederaufleben zu lassen. In der Zwischenzeit wird geredet, gestritten, diskutiert, getrunken, gelacht und geweint. Die Frauen kochen und decken den Tisch, gegessen wird jedoch nicht. Die Anschläge auf Charlie Hebdo in Paris - die vier Tage zuvor stattfanden - sind ebenso Thema wie männliche Untreue, das frühere kommunistische Regime oder Verschwörungstheorien aller Art. Seit mehr als zehn Jahren begeistern rumänische Filmemacher auf Festivals mit ihren Geschichten, die realistisch und nah an den Figuren die Zustände in ihrer Heimat schildern. Einer der ersten, der für Aufsehen sorgte, war Cristi Puiu mit «The Death of Mr. Lazarescu» im Jahr 2005, mit dem er über 40 Preise gewann. Er gilt als der formal innovativste Filmemacher der neuen Generation von Filmemachern, die manchmal auch als «neue rumänische Welle» bezeichnet werden. Auch seinen neuesten Film «Sieranevada» hat Puiu ohne klare Dramaturgie, offen und assoziativ inszeniert. In dem 170 Minuten langen Kammerspiel, in dem die Kamera als unbeteiligte statische Beobachterin die unzähligen Dialoge beobachtet und aufzeichnet, entfaltet sich ein faszinierendes Sittengemälde des modernen Rumäniens. Vom absichtlich falsch geschriebenen Titel sollte man sich nicht irritieren lassen, Puiu liebt es, das Publikum auf falsche Fährten zu locken und verhinderte damit auch, dass sein Werk an ausländischen Festivals einen anderen Titel bekam. «Sieranevada» lief im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes 2016. «Delikatessen» zeigt den Film in Originalversion mit deutschen Untertiteln.