Sie umrunden sich und die Tanzfläche, sie kommen ins Schwitzen, sie scherzen, lästern und flirten. Immer wieder samstags treffen sich rund 200 Menschen aus dem norddeutschen Raum zum Singletanz. Theo Meisters gibt hier den DJ für alle, die trotz höheren Alters die große Liebe suchen. Seine Gäste sind zwischen 40 und 80 Jahre alt. Sie hoffen, hier ihr neues Glück zu finden, oft nachdem die erste Ehe gescheitert oder der Partner verstorben ist. In der Radio-Bremen-Dokumentationsreihe "Unter deutschen Dächern" begleitet die Folge "Späte Liebe" von Autorin Marianne Strauch Theo und seine Gäste auf der Tanzfläche, aber auch Zuhause. Der Film stellt die Frage nach der Liebe im Alter. Warum ist es so schwer, sich nochmal neu zu verlieben? Wie begegnet man der Einsamkeit nach dem Verlust seines Partners und woher kommt die Hoffnung auf die dritte oder vierte große Liebe im Leben? Karin Ripking aus Walsrode ist 62 und als ihr Mann starb, dachte sie: "Und nun? Soll das alles gewesen sein?" Irgendwann nahm sie jemand mit, zu Theos Singletanz, und seitdem ist der Samstag für sie ohne Tanz nicht mehr vorstellbar. Eine neue Liebe hat sie zwar noch nicht gefunden, dafür bekommt sie an so einem Abend viele Komplimente und Berührungen. Zwangsläufig, beim Paartanz. Für Karin Ripking ist klar: "Das Singleleben hat viele Vorteile. Nur morgens fühle ich mich manchmal unendlich allein." Horst Steppat aus Ganderkesee ist 79 und hat mit dem Tanzen angefangen, weil er dabei die Chance sieht, eine Frau kennenzulernen. Ohne Partnerin fühle er sich unvollständig. Für ihn ist die Liebe das Wichtigste im Leben, aber noch sucht er nach ihr, denn es muss die Richtige sein. Nach Jahren der Suche ist ihm klar: "Nur wenn man möglichst viele Gemeinsamkeiten hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man zusammenbleibt." Noch einmal jemanden zu finden, der zu einem passt, diesen Wunsch haben viele, die hierher kommen. Aber beinahe alle haben die Erfahrung gemacht, dass es in ihrem Alter schwierig ist. Weil die Ansprüche steigen, die eigenen Macken, vielleicht auch die Scham. Lange hat Gerold Pluschkat um Gertrud Tonat geworben. Jeden Samstag ist er zu Theos Singletanz gegangen, um sie zu treffen. Nach fünf Jahren hat sie ihn erhört. "Es hat dann einfach gepasst", sagt sie. Ihr Liebesgeheimnis? "Vertrauen und viel Kommunikation", verrät Gerold Pluschkat. Beide sind seit vielen Jahren verwitwet und haben lange gebraucht, um sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Eine Beziehung, die anders ist als ihre zurückliegenden Ehen, weil jeder seine Wohnung behalten hat und auch ein Stück Freiheit. Theos Singletanz ist ein fahrendes Unternehmen. Delmenhorst, Verden, Bassum, Langenhagen. Jeden Samstag wird woanders ein Saal geschmückt, Stimmung gemacht, eine Möglichkeit geschaffen. Seine Stammgäste folgen ihm und beleben die Tanzfläche mit Spaß, Ausdauer und einer Portion Sehnsucht nach dem großen Glück.