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So., 23.09.
23:35 - 00:05
Der Ben Johnson-Skandal - Als der Sport seine Unschuld verlor


9,79 Sekunden über die 100-Meter-Distanz! Zuschauer, Reporter und Fernsehkommentatoren aus aller Welt trauten ihren Augen nicht, als der muskelbepackte Kanadier Ben Johnson am 24. September 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul in Weltrekordzeit zum Olympiasieg gesprintet ist. Johnsons großer Rivale Carl Lewis aus den USA hatte das Nachsehen. Bis zwei Tage später die Bombe platzte: Johnson war gedopt! Nach diesem "Urknall des Dopings" musste der damals 26- Jährige seine Goldmedaille wieder abgeben und verließ fluchtartig die südkoreanische Hauptstadt. Verfolgt von Reportern und Kamerateams! Johnson stritt zunächst alles ab, gab im Untersuchungsausschuss unter dem Vorsitz des Richters Charles Dubin aber später zu, sich auf Anregung seines Trainers Charlie Francis und mithilfe des Arztes Dr. Jamie Astaphan systematisch mit Anabolika gedopt zu haben. "Charlie der Chemiker" und der karibische "Voodoo-Arzt" Dr. Astaphan hatten dabei auf deutsches Know-how gesetzt! Das Motto lautete: Wer nichts nimmt, gewinnt nichts! 25 Jahre später ist klar: Ben Johnson ist definitiv schuldig, war aber bei Weitem nicht der einzige Sprinter aus dem 100-Meter- Finale von Seoul, der in seiner Laufbahn mit verbotenen Mitteln gearbeitet hat. Was bis heute nur absolute Insider wissen: Sechs der acht Finalisten von Seoul wurden in ihrer Karriere entweder positiv getestet oder wegen der Beschaffung und Weitergabe von Dopingsubstanzen gesperrt. Auch "King Carl" Lewis! Der US-Amerikaner spielt eine weitere, spannende Rolle in diesem realen Sportthriller: Ben Johnson glaubt bis heute an Sabotage: Seine positive Dopingprobe soll in Seoul von einem Handlanger aus dem Lewis-Clan herbeigeführt worden sein! Zwar habe er gedopt, aber das Mittel, das in seinem Urin nachgewiesen wurde, habe er nie genommen. Was extrem abwegig klingt, scheint aber tatsächlich möglich zu sein! Ben Johnson ist es mit 51 Jahren leid, immer noch als quasi einziger Sünder in einem dreckigen Geschäft dazustehen und kritisiert die Verlogenheit der Sportwelt und der Gesellschaft insgesamt: "Es gibt viele Menschen die Dinge tun, die nicht öffentlich werden. Niemand sagt vor einer Kamera: 'Ich betrüge bei den Steuern oder ich betrüge meine Frau'. Das alles passiert, aber diese Menschen sieht man nicht. Mich sollte also niemand verurteilen für das, was ich getan habe oder tue."


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