Einmal das "Tor des Jahres" schießen: Wie fühlt sich das an? Was bleibt davon übrig? Dieses eine Tor zu schießen, das die Mehrzahl der deutschen Fußballfans für das beste halten, das schönste, das spektakulärste, das wichtigste? Ulrik le Fevre hat es als Erster überhaupt erlebt. 1971 hob die "Sportschau" diese Rubrik ins Programm. "Es macht mich stolz, und die Leute haben es bis heute nicht vergessen. Wenn sie mich auf der Straße sehen sagen sie: Hey, du bist doch der mit dem ‚Tor des Jahres'!", erzählt Le Fevre. In den Rekordjahren Ende der 1970er-Jahre sendeten bis zu drei Millionen Menschen eine Postkarte nach Köln, um über das "Tor des Jahres" in der "Sportschau" abzustimmen. Allein 1,6 Millionen Stimmen entfielen 1977 auf Klaus Fischers Fallrückzieher, der auch zum "Tor des Jahrhunderts" wurde. "Es hört nicht auf. Inzwischen kommen auch die Jungen und sprechen mich auf meine Fallrückzieher an", sagt Fischer. Das Internet macht's möglich. Gleich dreimal schoss Fischer das "Tor des Jahres". Rekord. Jürgen Wegmann nennt seinen akrobatischen Seitfallzieher aus dem Jahr 1988 das "Tor seines Lebens", weil es perfekt seine Idealvorstellung von einem Tor zeigt. Die Sprungkunst hat er sich von Bruce Lee abgeschaut. Nia Künzer als einzige Frau in der langen Reihe der Preisträger glaubt, dass sie ihren Posten als Fußballexpertin der ARD letztendlich ihrem Tor im FIFA Fußball-WM-Finale 2003 zu verdanken hat. Für Carsten Kammlott, der wohl eines der spektakulärsten Tore überhaupt im Jahr 2015 erzielte, hat sich aber dadurch nicht die Tür zur großen Fußballwelt geöffnet. Er spielt mit Wacker Nordhausen in der Regionalliga. "Es ist einfach eine schöne Erinnerung, und das wird es für immer bleiben." Dazu gehört auch, dass er der Einzige war, der ungeduscht und in Badelatschen seine Medaille im Kölner "Sportschau"-Studio abholte.