"Manchmal glaube ich, in dieser Stadt denkt jeder nur ans Laufen", sagt Biruk, ein äthiopischer Teenager in Bekoji, der "Stadt der Läufer". Auch er selbst trainiert hart, hat aber nur wenig Zeit. Die meiste Zeit arbeitet er im Kiosk seiner Großmutter. Dort bekommt er alles mit, auch die Erfolge und Misserfolge der Athleten. Aus der äthiopischen Stadt Bekoji stammen zahlreiche Olympiasieger, darunter auch Tirunesh Dibaba, die beim Zehn-Kilometer-Lauf in London 2012 Gold gewann, und Kenenisa Bekele, der vier Jahre zuvor in Peking über die Fünf- und Zehn-Kilometer-Distanz ebenfalls die Goldmedaille holte.Lange Zeit wurde Äthiopien nur mit Armut, Hunger und Krieg in Verbindung gebracht. Doch nun sind die Athleten die neuen Helden der Titelseiten und der ganze Stolz des Landes. Überall eifern Jugendliche ihren sportlichen Vorbildern nach und hoffen auf den Erfolg, der ihnen ein besseres Leben verspricht. So auch die 14-jährige Hawii Megersa und ihre ein Jahr ältere Freundin Alemi Tsegaye. Beide bekommen Stipendien für ein Trainingslager.Diese Chance bedeutet gleichzeitig den Abschied von der geliebten Familie, der vertrauten Umgebung und dem hilfreichen Trainer. In ihren unterschiedlichen Trainingslagern klingen ihnen die Worte ihres Trainers Sentayehu Eshetu in den Ohren: "Um weiter zu kommen, müsst ihr fest an euch glauben und durchhalten". Der ehemalige Sportlehrer hat auch die erste afrikanische Goldmedaillen-Gewinnerin Derartu Tulu und andere Olympiasieger trainiert.Biruk träumt ebenfalls von einem anderen Leben. Er will später einmal Arzt werden. Zwischen der Arbeit im Kiosk seiner Großmutter und dem Lauftraining versucht der junge Äthiopier, gute Schulnoten zu erzielen, um seinem Wunsch vom Medizinstudium näher zu kommen. Aus seiner Sicht erzählt der Dokumentarfilm die Geschichte dieser ambitionierten Teenager, die nicht immer nur Erfolge feiern können, denn auch Rückschläge gehören zur Sportlerkarriere und zum Erwachsenwerden dazu.