Sturm über Europa

Kampf zwischen Angeln und Sachsen um die Vorherrschaft in Britannien. Die germanischen Krieger waren um 450 auf die Insel gekommen, um die einheimischen Briten gegen nordische Eindringlinge zu unterstützen - bis sie dann selbst die Macht an sich rissen. Vergrößern
Kampf zwischen Angeln und Sachsen um die Vorherrschaft in Britannien. Die germanischen Krieger waren um 450 auf die Insel gekommen, um die einheimischen Briten gegen nordische Eindringlinge zu unterstützen - bis sie dann selbst die Macht an sich rissen.
Fotoquelle: ZDF/Peter Arens
Report, Geschichte
Sturm über Europa

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2002
ZDFinfo
Fr., 07.09.
23:15 - 00:00
Die Erben des Imperiums


Wieder einmal mussten sie auf Wanderschaft gehen: 40 000 Westgoten kamen im Jahre 507 aus Südfrankreich über die Pyrenäen. Sie wurden von den Franken vertrieben, die immer mächtiger wurden. Die Westgoten machten die römischen Provinzen Spaniens zu ihrem Königreich, Toledo zu ihrer Hauptstadt. Nicht nur in Spanien, sondern in der gesamten europäischen Geschichte lassen sich die Spuren der Westgoten finden. Der König der Westgoten, Leovigild, legte den berüchtigten Gotenpelz ab: Mit Krone, dem römischen Purpur und Zepter wurde er zum Urbild eines mittelalterlichen Herrschers. Sein Grundsatz lautete: "Nach Gott ist der König der höchste Herr seiner Untertanen und der Souverän in seinem Land." Dieser galt bis zur Französischen Revolution. Über 100 Gräber einer Ostgotensiedlung in Kärnten ließ der Archäologe Glaser freilegen und machte sensationelle Funde: Skelette mit künstlich verformten Schädeln. In Paris wurde ein Gesicht rekonstruiert, eine germanische "Nofretete" der Völkerwanderungszeit kam zum Vorschein. Sie lebte und starb in Österreich, die Hauptstadt des Ostgotenreiches aber war Ravenna. Hier ließ der legendäre König Theoderich prächtige Kirchen und ein einzigartiges Mausoleum bauen. Für Goten wie Römer war die Herrschaft des "Barbarenkönigs" ein Goldenes Zeitalter, mit ihm entstand im Jahre 497 auf dem Kerngebiet Westroms eine neue kulturelle Blüte. Man sagte ihnen nach, sie seien als raublustige Eroberer in Britannien eingefallen. Doch es waren die Briten selbst, die die Angeln und Sachsen in ihr Land riefen. Die germanischen Krieger sollten als Söldner Britannien verteidigen, nachdem Rom es aufgegeben hatte. "Mit drei Kielen kamen sie über das Meer" - um das Jahr 430 landeten die gefürchteten Barbaren aus dem heutigen Dänemark und Norddeutschland in Kent und schlugen sich für die Briten. Sie blieben und holten ihre Familien nach. Eine weitere Nation wurde aus der Völkerwanderung geboren. Woher kamen die Angelsachsen? Forscher der Universität Reading können heute darüber Auskunft geben. Auf die Spur der angelsächsischen Heere und Gefolgschaften, wie sie für das Mittelalter typisch wurden, führte das berühmte Schiffsgrab von Sutton Hoo mit seiner rätselhaften, eisernen Gesichtsmaske. Sie gehörte König Raedwald. Heide war er, Christ wurde er - wie alle Angelsachsen. "Die Angelsachsen machten viele Germanen zu Christen, die Franken machten sie zu Europäern." Aber auch die Geschichte des Frankenreiches begann mit der Taufe eines Heiden: König Chlodwig. Er hatte auf dem Schlachtfeld gelobt, Christ zu werden, wenn er die Alemannen besiege. Die Taufe Chlodwigs in Reims hat "weltgeschichtliche Bedeutung", sagen die Historiker. Sie verhalf dem Christentum in Europa zum Durchbruch. Chlodwig wurde zu einem "Nationalheiligen" Frankreichs wie später Karl der Große. Die Franken verstanden sich als Erben des Imperiums, sie schufen das größte und beständigste Reich der Völkerwanderung. Schon von seinen Zeitgenossen wurde Karl der Große "pater europae", Vater Europas, genannt.


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