Tatort

  • Von links: Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind bei ihren Ermittlungen an der Eisbach-Welle nicht immer einer Meinung. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de. Vergrößern
    Von links: Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind bei ihren Ermittlungen an der Eisbach-Welle nicht immer einer Meinung. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de.
    Fotoquelle: BR/Hendrik Heiden/Wiedemann & Berg
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    Tatort
    Fotoquelle: WDR-Pressestelle/Fotoredaktion
Serie, Krimireihe
Gefährliche Münchner Brandung
Von Eric Leimann

Infos
Audiodeskription
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2019
Altersfreigabe
12+
ARD
So., 26.05.
20:25 - 21:55
Die ewige Welle


In der legendären Wellenreiter-Szene am Münchner Eisbach spielt ein bittersüßer, nostalgischer Krimi, der die Jugend von Kommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) erforscht. Dazu gibt es einen Episoden-Hauptdarsteller, der 2019 schon in einem anderen "Tatort" in gleicher Funktion glänzte.

"Warst du etwa auch Surfer?", fragt Kommissar Batic (Miroslav Nemec) seinen Ewig-Kollegen Leitmayr (Udo Wachtveitl). Im Krankenhaus hat der einen alten Freund wiedergetroffen, den Wellenreit-Veteranen Mikesch (Andreas Lust). "Sagen wir so, ich hab's versucht", laviert sich der grau gelockte Ermittler aus der Affäre. Auch, weil er nicht gern über seinen Aussteiger-Sommer im portugiesischen Nazaré während der 80-er reden will. Mikesch, den Leitmayr seit 35 Jahren nicht gesehen hat, lebt heute noch so wie damals: ohne feste Bindungen, von der Hand in den Mund – und immer auf der Suche nach der nächsten Welle, auf der jener ganz große Kick und dahinter die große Freiheit wartet. Auf dem nächtlichen Heimweg von der "stehenden Welle" am Münchner Eisbach, wo sich die Isarsurferszene trifft, wurde jener Mikesch nun Opfer eines Messer-Attentats. Doch anstatt die Beamten, samt Ex-Freund Franz Leitmayr, den er noch als Gedichte schreibenden "Francesco" kennt, zu unterstützen, flieht Mikesch bei nächster Gelegenheit aus dem Krankenhausfenster. Dabei ist der Freiheits-Prophet lebensgefährlich verletzt. Der Münchner "Tatort: Die ewige Welle" findet einen wunderbar bittersüßen Ton, um das Leben zweier Männer tief in den 50-ern zu beschreiben, deren Träume sich vor langen Jahren entzweiten. Nun sind sie gezwungen, auf ihr Leben zurückzublicken.

Alternative Lebensentwürfe auf der "Tatort"-Schippe

Nein, die sechs bewegungslosen Beine im Sand, die den poetischen Beginn dieses "Tatorts" markieren, sind nicht die Gliedmaßen von Mordopfern. Stattdessen gehören sie Liebenden. In einem "Jules und Jim"-artigen Verhältnis verbrachten zwei junge Männer und eine Frau 1984 einen unbeschwerten Sommer am wilden Atlantik-Strand Portugals. Einer der jungen Männer (Sören Wunderlich) stellt sich als der junge Franz Leitmayer heraus, der den Dreier über Nacht verließ und später bei der Polizei anheuerte. Die beiden anderen, Klasse-Surfer Mikesch und die Holländerin Frida (Ellen ten Damme), blieben dem alternativen Lebensstil treu, suchten aber unterschiedliche Wege, um mit dem erwachsenen Leben klarzukommen. Mikesch, den neben dem Genuss der Freiheit mit nach wie vor wechselnden Partnerinnen auch arge finanzielle Probleme plagen, scheint sich nun auf einer gefährlichen Mission zu befinden. Dicht verfolgt von Batic und Leitmayr schleppt sich der Angeschlagene durch die Münchner Alternativszene und absurde, aber hochgefährliche kriminelle Halbwelten, um das Geld für seine Surfrente in Asien zusammenzubekommen.

Dass man nicht auf Klamauk und klassische Comedy-Elemente setzen muss, um einen "Tatort" mit Humor zu erzeugen, bewiesen die Autoren Alex Buresch und Matthias Pacht bereits mit ihrer Münchner Folge "Der Wüstensohn" im Jahr 2013. Ihr neuer Krimi über einen sympathischen Loser mit Charisma, der sich beharrlich weigert, erwachsen und vernünftig zu werden, hat noch viel mehr Farben als nur die eines Krimis mit satirischem Unterton, der in die Jahre gekommene, alternative Lebensentwürfe auf die Schippe nimmt. "Die ewige Welle" ist auch das wunderschöne Porträt eines "man on the run", dessen Möglichkeiten zusehends schwinden, was den Zuschauer im Sinne des klassischen Dramas an die Nieren geht. Der Humor ist also bitter nötig, um diese an sich bittere Geschichte verpasster Lieben, Chancen und Vaterschaften überhaupt noch im Unterhaltungsmodus zu ertragen.

Eine Surf-Tube ins Nirwana

Wem der grandiose Schauspieler des Mikesch bekannt vorkommt: Es ist der Österreicher Andreas Lust, der im ebenso bärenstarken Schwarzwald-"Tatort: Für immer und dich" erst im März 2019 einen Mann spielte, der mit einer sehr jungen Geliebten ebenfalls "on the run" war, nur eben im Auto. Mikesch dagegen greift neben dem alten Bully-Bus, der natürlich nur geliehen ist, stattdessen aufs Surfbrett, die eigenen Füße und diverse öffentliche Verkehrsmittel zurück, um seinen Häschern, die in diesem Krimi gefühlt immer mehr werden, zu entkommen.

Wie einst Patrick Swayze in Kathryn Bigelows Surfer-Kultfilm "Gefährliche Brandung" von 1991 scheint auch jener Mikesch den grandiosen Abgang in der perfekten Welle zu suchen, die eben neben der Verheißung auch die Gefahr in sich birgt, eine "Tube" direkt ins Nirwana zu fahren. Auch, wenn es etwas absurd ist, dass der gleiche Schauspieler innerhalb von zehn Wochen zweimal eine sehr ähnliche Hauptrolle im gleichen Format spielt: Gegenwärtig gibt es kaum einen deutschsprachigen Schauspieler, der psychisch und physisch so brillant die Rolle eines Mannes verkörpert, der sich mit aller Macht gegen das Erwachsensein stemmt, ohne dass es nach klassischer Comedy aussieht. Dem "Tatort"-Publikum, bekannterweise selbst nicht rein jugendlich, hält Lust damit auch einen Spiegel vor: Seht mal, so kann es gehen, wenn man als junger Wilder die Abzweigung ins bürgerliche Leben bewusst vorbeiziehen hat lassen. Man schaut fasziniert zu – ist amüsiert, traurig und auf irgendwie "Tatort"-untypische Art ziemlich angefasst.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Mehr zum "Tatort" und anderen Verbrechen in unserem Blog "Mord & Totschlag"

Weitere Infos, Sendetermine und Neuigkeiten zu "Tatort" finden Sie hier

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