ARD
Tatort
Serie, Krimireihe • 27.09.2020 • 20:15 - 21:45
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Motiv aus dem Vorspann.
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Die Ballade dreier trauriger Gestalten

Von Eric Leimann

Im neuen Fall der Schwarzwald-Kommissare Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) gilt es, einen Vergewaltiger zu finden. Drei Männer könnten es gewesen sein. Ein zunehmend intensiver "Tatort" erzählt davon, wie der Verdacht mit den alten Leben der potenziellen Täter kurzen Prozess macht.

Es ist der erste Fall von Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) seit ihrem wüsten Fastnacht-"Tatort: Ich hab im Traum geweinet" unter der Regie von Extrem-Filmer Jan Bonny. Dessen jüngster Seelen-Schocker "Wir wären andere Menschen" mit Matthias Brandt wurde übrigens Anfang August vom ZDF ins Nachtprogramm beordert, weil er für die Primetime zu verstörend schien. Nun, ganz so krass und erzählerisch disparat geht es im Nachfolgefall von Tobler und Brandt zu ihrem Feier- und Sexgelage vom Februar nicht zu. Im Gegenteil: Am Kaiserstuhl leuchten die Weinreben, der Fall ist in satte, spätsommerliche Farben getaucht. Dennoch findet auch in diesem Kriminalfilm Gewalt statt, selbst wenn von einem Mord zunächst nur erzählt wird.

Doch der Reihe nach: Radiomoderatorin Beate Schmidbauer (Victoria Trauttmansdorff), eine Freundin von Kripochefin Cornelia Harms (Steffi Kühnert), verlässt ein Weinfest angetrunken und zu Fuß in Richtung ihres Zuhauses. Der Weg durch die terrassenförmige Reblandschaft endet mit einem Schlag auf den Kopf und anschließender Vergewaltigung. Die Zuschauer bekommen sie nicht zu sehen. Ein kluger erzählerischer Schnitt verbindet jene Szene, in der das Opfer Geräusche im Dunkeln hört mit einer, in der es mit Schrammen und Scham am Körper bei einer Untersuchung im Krankenhaus sitzt.

Die DNA, welche der Täter am Opfers hinterlassen hat, passt auf keinen der üblichen Sexualstraftäter aus der Kartei der Kriminaler. Allerdings kommt aus dem nahen Elsass die Nachricht, dass dort ein Mann mit identischer DNA seit Jahren wegen Vergewaltigung und Totschlags gesucht wird. Wider das damals noch geltende deutsche Gesetz – seit 2020 wurde es dem französischen angepasst – besorgen sich Tobler und Berg aus Frankreich genetische Daten des Täters. Nun wissen sie in etwa über dessen Alter, aber auch Haut-, Augen- und Haarfarbe Bescheid. Noch weiter reduziert sich der Kreis Verdächtiger, als viele von ihnen freiwillig eine DNA-Probe abliefern. Doch drei Männer, die in Sachen Sexualstrafverdacht mehr oder weniger vorbelastet sind, weigern sich, an dem Test teilzunehmen.

Ein Gift namens Verdacht

Fortan fokussieren sich die Ermittlungen auf den skurrilen Einzelgänger-Polizisten Mario Lewandowsky (Marek Harloff), den krankhaft eifersüchtigen Friseur Victor Baumann (Roman Knizka) sowie den alleinerziehenden Vater und Kummertrinker Klaus Kleinert (Fabian Busch). Während das Opfer die "toughe" Powerfrau gibt, welche sich von einer Vergewaltigung nicht aus der Bahn werfen lässt, scheint sich das Leben der drei Verdächtigen immer mehr zu demontieren. Wie ein Gift dringt der Verdacht in die Seelen und das Umfeld der Männer hinein. Eine Collage dreier Leben, die dem Abgrund entgegentaumeln, ist Grundidee und Besonderheit dieses im Prinzip konventionellen Whudunit-"Tatorts".

Vor allem in Hälfte zwei kommt er psychologisch wuchtig auf Touren. Der mögliche Vorwurf, dass selbst nach der Vergewaltigung nur das Leben der potenziellen Täter interessiert, lässt sich nach Ansicht des Films nicht halten. Victoria Trauttmansdorff, ebenso altgediente wie bärenstarke Charakterdarstellerin des deutschen Film- und Fernsehgeschäfts, legt ihre Figur wunderbar mehrdeutig zwischen "geht schon" und "da ist doch noch was" an. Auch Drehbuch (Nicole Armbruster, "Freistatt") und Regie (Barnara Kulcsar, "Tödliche Geheimnisse – Das Versprechen") lagen in der Hand von Frauen. Dass ihr psychologisches Schaulaufen dreier Verdächtiger über 90 Minuten spannend und sehenswert bleibt, dafür sorgen Marek Harloff ("Klassentreffen"), Roman Knizka ("Echte Bauern singen besser") und Fabian Busch ("Der Sommer nach dem Abitur").

Am Ende der Tour der Force dreier tragischer Gestalten fragt man sich fast, ob es den Männern selbst nicht egal sein kann, wer von ihnen der Täter war. Ihr Leben, ob nun vom lieblichen Licht des Reblandes in Freiheit beschienen oder nicht, können alle drei irgendwie vergessen.

Tatort: Rebland – So. 27.09. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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