Tatort
07.07.2024 • 20:20 - 21:50 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Die Dresdener "Tatort"-Ermittelnden (von links:  Cornelia Gröschel, Martin Brambach und Karin Hanczewski) bekommen es in der Folge "Das kalte Haus" aus dem Jahr 2022 mit gerade mal einem Verdächtigen zu tun. War er's oder war er's nicht?
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Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach, links) spricht mit dem einflussreichen und wohlhabenden Simon Fischer (Christian Bayer), dessen Frau verschwunden ist. Vieles weit auf eine grausame Bluttat hin - und Fischer scheint mehr als nur verdächtig.
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In Visionen sieht der Verdächtige Simon Fischer (Christian Bayer) seine verschwundene Frau Kathrin (Amelie Kiefer) und erlebt mit ihr traute Harmonie.
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Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski, links) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) machen eine ziemlich gruselige Tour durch das titelgebende "kalte Haus".
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Der Verdächtige Simon Fischer (Christian Bayer, links) will eine SD-Karte nicht herausgeben und greift Leonie Winkler (Cornelia Gröschel, zweite von rechts) kräftig in den Arm. Ihre Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Chef Schnabel (Martin Brambach, dritter von links) versuchen zu beschwichtigen.
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Ermittlerin Winkler (Cornelia Gröschel) stößt im Haus der Fischers auf ein eingerichtetes, aber offenbar unbenutztes Kinderzimmer.
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Kommissarin Gorniak (Karin Hanczewski) findet eine Blutlache im Haus der Fischers.
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Auch Simon Fischer (Christian Bayer) schaut entsetzt auf das viele Blut im Schlafzimmer. Und doch weisen viele Indizien auf ihn als Täter hin.
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Martin Brambach im Dresdner "Tatort"
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Karin Gorniak (Karin Hanczewski, rechts) befragt Beate Lindweg (Katharina Behrens), die beste Freundin der Verschwundenen.
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Der seltsame Verdächtige

Von Eric Leimann

Wie schon in ihrem meisterhaften Charlotte Lindholm-Krimi "Der Fall Holdt" (2017) erzählte Regisseurin Anne Zohra Berrached auch im "Tatort: Das kalte Haus" 2022 eine Geschichte mit lediglich einem Verdächtigen: Hat ein zu Gewaltausbrüchen neigender Unternehmer seine Frau verschwinden lassen?

Mit gruseligen Häusern kennt sich das Dresdener "Tatort"-Team aus. Der Fall "Parasomnia" vom November 2020, damals nominiert für einen Grimmepreis, ist – bis heute – einer der ganz wenigen gelungenen Ausflüge deutscher Fernsehkunst ins Grusel- oder genauer gesagt ins "Haunted House"-Genre. Auch das titelgebende "Kalte Haus" in diesem 2022er-Fall von Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und deren Chef Schnabel (Martin Brambach) ist definitiv furchteinflößend. Am späten Abend werden die Kommissarinnen trotz des anstehenden Geburtstages von Gorniak, für den schon Alkohol und Party-Utensilien zum Schichtende eingekauft wurden, zur düsteren Villa eines einflussreichen Unternehmers gerufen. Simon Fischer (Christian Bayer) vermisst seine Frau Kathrin (Amelie Kiefer). Die ist verschwunden, viel Blut im Haus weist auf schreckliche Geschehnisse hin. Zudem ist auch der Hund sowie das Auto des Paares nicht mehr da, dabei hat Kathrin gar keinen Führerschein.

Indizien weisen darauf hin, dass der seltsam wirkende und zu aufbrausendem Verhalten neigende Simon Fischer seine Frau selbst hat verschwinden lassen hat. Andererseits wirkt der Mann so, als würde er Kathrin über alles lieben. Und warum sollte er die Polizei zu einem Zeitpunkt informieren, da auf dem weitläufigen Anwesen überall Spuren zu finden sind, die Fischer belasten?

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Im Haus finden die Ermittelnden nicht nur ein Kinderzimmer, das zwar fertig eingerichtet, aber unbenutzt ist, sondern auch ein verstecktes TV-Studio, von dem aus Kathrin Fischer, studierte Psychologin, als Influencerin wirkte. Unter dem Namen "Glückssucherin" nahm sie erfolgreiche YouTube-Videos auf, die sogar Kommissariatsleiter Schnabel abonniert hat. In welch seltsames Ambiente mit privater Golf-Driving Range, moderner Konzeptkunst und einem allgegenwärtigen Sprachassistenten sind die Ermittelnden hier bloß hineingeraten?

Altdeutsche Gruselversion der Neverland-Ranch

Anne Zohra Berrached, die diesen "Tatort" inszenierte und mit Christoph Busche ("Tatort: Rettung so nah", ebenfalls aus Dresden) das Drehbuch verfasste, ist eine der spannendsten jüngeren Filmemacherinnen Deutschlands. Ihr fantastisches Schwangerschaftsdrama "24 Wochen" mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel lief bei der Berlinale und war 2017 für vier deutsche Filmpreise nominiert. Auch ihr "Tatort: Das kalte Haus" wurde ausgezeichnet. In der Kategorie "Beste Regie" von der Deutschen Akademie für Fernsehen. Übrigens: Bei der frühsommerlichen Premiere des Films am 6. Juni 2022, schauten 8,2 Millionen zu.

Schon zuvor hatte die Thüringerin mit algerischen Wurzeln beim "Tatort" Spuren hinterlassen. "Der Fall Holdt" (2017) ist der wohl beste Charlotte Lindholm-"Tatort" überhaupt, und auch da ging es – nach einem wahren Fall – um einen Mann, der des Mordes an seiner verschwundenen Frau verdächtigt wurde.

Trotz dieser offensichtlichen Parallelen ist "Das kalte Haus" keine Wiederholung des "Holdt"-Stoffes. War der Krimi von 2017, in dem Aljoscha Stadelmann den Verdächtigen spielte, ein fast schon dokumentarisch angelegtes Psychospiel und das bewegende Porträt eines verzweifelten Mannes, ist "Das kalte Haus" sehr viel verspielter und auf dunkle Weise "bunter".

Der von Theatermime Christian Bayer verkörperte Verdächtige wirkt im "Tatort" manchmal wie ein Schauspieler, der einen seltsamen Verdächtigen spielt – dies aber sehr bewusst. Die Theatralik seines Handelns, seiner Liebe und Worte wird von eigenen Kommentaren aus dem Off begleitet, so als würde man einer ambitionierten Bühnenvorstellung folgen. Die Art der Inszenierung führt zu einer bisweilen seltsamen Stimmung rund um die Hauptfigur. Hinzukommt ein seltsamer Schauplatz, der an eine altdeutsche Gruselversion von Michael Jacksons Neverland-Ranch erinnert. Auch im Spielparadies des "King of Pop" soll es ja, wie die Geschichte hervorbrachte, durchaus gruselige Ereignisse gegeben zu haben.

Tourismus-Idee: Dresden und seine gruseligsten "Tatort"-Häuser

Als verstiegenes Spannungsstück, das in Erzählung und Inszenierung das Faible des Dresdener Krimis für "larger than live"-Stoffe unterstreicht, funktioniert "Das kalte Haus" schon recht gut. Zumal hier und da ein wenig Humor einfließt und die Ermittelnden eher nüchtern bleiben, um sich vom großen, bisweilen irritierenden Drama der Bewohner des "kalten Hauses" abzugrenzen.

Mit "Das Nest", damals der erste Fall von Cornelia Gröschel als Kommissarin Leo Winkler, gab es übrigens noch einen weiteren Dresdener Krimi, der mit einem fast kinematografischen Horrorhaus aufmachte. Offenbar hat man beim produzierenden MDR ein Faible für düstere Gebäude und ihre Geschichte. Vielleicht kann der Sender, der bislang 13 Folgen mit Gorniak, Schnabel und Winkler beziehungsweise deren von Alwara Höfels gespielten Vorgängerin Henni Sieland produzierte, demnächst eine Fan-Stadtrundfahrt anbieten. Der Titel: Dresden und seine gruseligsten "Tatort"-Häuser. In Hollywood hat man mit derlei touristischen Angeboten gute Erfahrungen gemacht.

Im Anschluss an den Dresdener Fall folgt die Schweizer Folge "Tatort: Zwei Leben" von 2016 mit den Ermittelnden Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer). Wann es nach der mit Weiderholungen bestückten Sommerpause des "Tatorts" weitergeht, steht noch nicht fest. Frühestens am 11. August, wenn in Paris die Olympischen Spiele enden, eher aber noch ein wenig später, ist wieder sonntägliche Krimi-Neuware um 20.15 Uhr zu erwarten. Laut Gerüchten könnte am 18. August ein neuer "Polizeiruf 110" auf dem Programm stehen.

Tatort: Das kalte Haus – So. 07.07. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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