Durch die Strassen von Teheran fährt ein Taxi, wie in der iranischen Grossstadt üblich teilen sich mehrere Fahrgäste das Auto. Unter zwei von ihnen bricht ein Streit aus über die richtige Bestrafung von Dieben. Der Fahrer scheint sich in der Stadt nicht besonders gut auszukennen, und bald wird auch klar, weshalb: Ein filminteressierter Fahrgast erkennt im Fahrer den iranischen Filmemacher Jafar Panahi . Über diesen wurde ein Berufsverbot verhängt, weil er bei den Präsidentschaftswahlen 2009 die Opposition unterstützt hatte. Panahi chauffiert die unterschiedlichsten Fahrgäste, einen Verunfallten, der sofort ins Krankenhaus muss und dem Fahrer für den Fall der Fälle sein Testament diktiert, oder zwei Frauen, die ein Goldfischglas transportieren, welches sie bei einer ganz bestimmten Quelle ausleeren wollen. Diese allerdings lässt Panahi in ein anderes Taxi umsteigen, denn er muss seine Nichte Hana von der Schule abholen. Auch sie hat Sorgen, sollte sie doch demnächst einen «zeigbaren» Kurzfilm in der Schule präsentieren. Jafar Panahi ist in «Taxi» zwar eine Filmfigur, die verschiedenen Begegnungen mit seinen Fahrgästen sind inszeniert. Doch der iranische Filmemacher spielt natürlich dennoch sich selbst. Sein achter Spielfilm ist ein eleganter Weg, sein Berufsverbot zum Thema zu machen, genauso wie eine Reihe anderer Themen, welche die Bewohner Teherans umtreiben: Rechtsprechung, Zensur, das Verhältnis der Geschlechter, Aberglauben, Armut. Dietmar Dath formulierte Panahis Vorgehen in der «FAZ» so: «In »Taxi« lädt er sich während knapp achtzig Minuten ausgesucht unlösbare Probleme seiner leidenden Heimat in den Wagen, die nach ein paar Kreuzungen dann stets tatsächlich komplett ungelöst wieder aussteigen müssen, um weiteren Sorgen Platz zu machen.» Seit 2010 darf Jafar Panahi seinen Beruf nicht mehr ausüben und den Iran nicht verlassen. Damals war er wegen Unterstützung der Opposition in Gefangenschaft geraten und erst Monate später wieder freigekommen. Seine Verurteilung sorgte weltweit für Aufsehen und Empörung. 2011 wurde Panahi in die Jury der Berlinale berufen, sein Platz blieb leer. Im gleichen Jahr wurde am Filmfestival Cannes sein Film «This Is Not a Film» uraufgeführt, dessen Kopie den Iran in einem Kuchen versteckt verlassen hatte. Auch «Taxi» wurde ins Ausland geschmuggelt und 2015 an der Berlinale gezeigt. Er gewann dort den Goldenen Bären. Panahis neuester Film «Three Faces» von 2018 wurde auch zum Festivalgewinner. In Cannes wurde er mit dem Preis für das Beste Drehbuch geehrt.