Terra X: Geschichte der Tiere: Der Hund

  • Der Kynologe Dr. Marc Nussbaumer erforscht die Veränderungen in der Physiognomie von Hunden im Lauf der Domestikationsgeschichte. Vergrößern
    Der Kynologe Dr. Marc Nussbaumer erforscht die Veränderungen in der Physiognomie von Hunden im Lauf der Domestikationsgeschichte.
    Fotoquelle: ZDF/Nanje Teuscher, Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Nanje Teuscher
  • Der Archäologe Prof. Dr. Norbert Benecke erforscht frühzeitliche Hundeknochen. Vergrößern
    Der Archäologe Prof. Dr. Norbert Benecke erforscht frühzeitliche Hundeknochen.
    Fotoquelle: ZDF/Nanje Teuscher, Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Nanje Teuscher
  • Der direkte Vorfahre des Hundes ist der Grauwolf. Vergrößern
    Der direkte Vorfahre des Hundes ist der Grauwolf.
    Fotoquelle: © ZDF/Jürgen Staiger
  • Kate Kitchenham weiß so ziemlich alles über Hunde. Sie ist nicht nur Verhaltensforscherin, sondern auch Kulturanthropologin. Vergrößern
    Kate Kitchenham weiß so ziemlich alles über Hunde. Sie ist nicht nur Verhaltensforscherin, sondern auch Kulturanthropologin.
    Fotoquelle: © ZDF/Robert Engelke
Info, Wissen
Terra X: Geschichte der Tiere: Der Hund

Infos
Originaltitel
Terra X
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2015
ZDFneo
Sa., 22.02.
05:50 - 06:35


Hund und Katze sind die beliebtesten und treuesten Wegbegleiter des Menschen. Die zweiteilige "Terra X"-Reihe erzählt alles Wissenswerte dieser einzigartigen Erfolgsstory. Im Mittelpunkt der ersten Folge steht die Kulturgeschichte des Hundes. Sie beginnt mit dem Lagerwolf. In grauer Vorzeit geht er mit dem Menschen eine Zweckbeziehung ein. Aus anfänglichem Misstrauen entstehen Zuneigung und enge Bindung. "Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos." Eine Erkenntnis, die zuerst der deutsche Schauspieler Heinz Rühmann formuliert hat, bevor Loriot sie später ein wenig präzisierte. Für den deutschen Humoristen war ein Leben ohne Mops unter keinen Umständen vorstellbar. Rund sieben Millionen Hundehalter in Deutschland geben beiden prominenten Künstlern recht. Der Hund ist nicht nur das erste Haustier, sondern auch der beste Freund des Menschen. Liebe auf den ersten Blick ist es nicht, als sich Grauwolf und Mensch zum ersten Mal begegnen. "Canis lupus" ist vom Hunger getrieben und stöbert in der Müllhalde einer Steinzeitsiedlung. Mit der Großen Eiszeit ist das friedlich grasende Großwild abgewandert. Die neuen Beutetiere sind kleiner, schreckhafter und flinker. Die Jagd im Rudel kostet mehr Kraft, erfordert anderes Vorgehen und bringt längst nicht immer den gewünschten Erfolg. Die schwierigen Verhältnisse in der Umwelt zwingen Mensch und Wolf zu einer bis dahin nie dagewesenen Kooperation, sagen Forscher. Der Mensch folgt der Fährte der Wölfe, die mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn selbst drei Tage alte Spuren wittern können. Im Gegenzug duldet er, wenn die scheuen Tiere in ihre Siedlungen eindringen und sich über die Essensreste hermachen. Aus gegenseitiger Duldung wird allmählich Zutrauen - die Evolution bringt den Lagerwolf hervor. Er ist dem Wolf zwar genetisch noch näher als dem Hund, aber im Verhalten zeigt er sich bereits deutlich zutraulicher und lebt im losen Verbund mit der Gemeinschaft. Der Lagerwolf gilt als direkter Vorfahr des Hundes, der seinen Siegeszug als treuer Wegbegleiter des Menschen vermutlich in der Zeit antritt, als aus Jägern und Sammlern Bauern und Viehzüchter werden. Schon damals übernimmt der Hund Aufgaben als Wach- und Hütehund. Und er stellt seine hohe soziale Anpassungsfähigkeit unter Beweis. Eigenschaften, die ihm Jahrtausende später gottgleichen Status bescheren. Dass der Hund eines Thrones wert ist, haben viele Hochkulturen gewusst. Die Ägypter ernennen den schakalköpfigen Anubis zum obersten Richter ihres Totenreichs. Die Griechen suchen eher nach rationalen Erklärungen für das außergewöhnliche Wesen des Hundes. Der Philosoph Xenophon liefert die erste wissenschaftliche Abhandlung über Erziehung, Fährtenarbeit und Verhalten. Die Römer gehen noch einen Schritt weiter: Sie züchten unterschiedliche Jagdhund-Rassen, führen aus dem Ausland Luxushündchen ein, schicken Kampfhunde in die Arena und halten Hunde, die vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Mit der Christianisierung ändert sich die gesellschaftliche Wertschätzung der Vierbeiner. Die Kirche entdeckt ihre vermeintlich dunkle Seite als Begleiter von Hexen und Dämonen. Als die Bestiarien im 10. Jahrhundert aufkommen, hat sich die Lage schon wieder etwas entspannt. Der Hund wird zur Symbolfigur menschlicher Tugenden wie Treue, Wachsamkeit und Mut. Kaiser, Könige und Adlige präsentieren sich stolz mit ihren Lieblingen. Der Hund avanciert zum Prestigeobjekt. Welche Rasse zu wem passt, ist über Jahrhunderte aber nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern vor allem der eigenen gesellschaftlichen Stellung. Daran hat sich womöglich bis heute nicht viel geändert, aber inzwischen hat der Hund vor allem das Herz des Menschen erobert. Er ist sein bester Freund, sein Kind- oder Partnerersatz. Er versteht auch ohne Worte, er liebt bedingungslos. Die Moderne verhilft ihm vielleicht zur größten Wertschätzung in der jahrtausendealten Geschichte zwischen Mensch und Hund.

Thema:

Heute: Geschichte der Tiere (1/2): Der Hund


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