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Thyssen Krupp - Ende Legende
Info, Geschichte • 19.10.2020 • 23:35 - 00:20
Lesermeinung
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet sitzt im Kuratorium der Krupp-Stiftung, die größter Einzelaktionär von Thyssenkrupp ist.
Die Konzernzentrale von Thyssenkrupp in Essen – auf Wunsch von Berthold Beitz kehrte das fusionierte Unternehmen an den Stammsitz von Krupp zurück.
Die Stahlproduktion belastet die Umwelt – sie ist für rund fünf Prozent des EU-weiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Ohne die Hilfe der Politik wird Thyssenkrupp die Umstellung auf „grünen Stahl“ nicht gelingen.
Auf der Hauptversammlung 2013 stärkt der 99 Jahre alte Firmenpatriarch Berthold Beitz (Mitte) Aufsichtsratschef Gerhard Cromme (links) den Rücken. Hintergrund ist der Unmut vieler Aktionäre über Milliardenverluste und Kartellverstöße bei ThyssenKrupp.
Originaltitel
Geschichte im Ersten
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Info, Geschichte

Thyssen Krupp - Ende Legende

Wie konnte es soweit kommen? Der Niedergang des einstigen Vorzeigekonzerns liegt nicht nur im Auf und Ab der Konjunktur. Die Geschichte von Thyssenkrupp ist auch eine Geschichte von Größenwahn, internen Machtkämpfen, Korruption und Missmanagement. Es war eine spektakuläre Übernahmeschlacht. 1997 versucht Krupp seinen Erzrivalen Thyssen zu übernehmen. Das Pikante: Krupp selbst ist da eigentlich schon ein Sanierungsfall und viel kleiner als Thyssen. Mit einem auf Pump finanzierten Kauf von Thyssen will Krupp sich retten. Thyssen ist überrumpelt. Empört spricht man von "Wildwest-Manieren". Zehntausende Stahlarbeiter gehen gegen die feindliche Übernahme auf die Straße. Schließlich einigen sich die beiden Konzerne auf eine friedliche Fusion. Es ist das Ende einer fast hundertjährigen Rivalität. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wird Krupp durch seine Stahl- und Kanonenproduktion zum Mythos. Aber auch die betriebliche Sozialpolitik und der Glanz der Familiendynastie prägen das Ruhrgebiet bis heute. Dennoch steht Krupp auch nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder vor der Pleite. Ganz anders Thyssen: Weniger glamourös, aber dafür dezentraler und moderner geführt, kommt der Konzern besser durch die Stahlkrisen der 70er und 80er Jahre. Mit der Fusion 1999 will man gemeinsam auf dem Weltmarkt bestehen. Doch intern gehen die Machtkämpfe weiter. Viele Konzern-Teile arbeiten nur nebeneinander, manche sogar gegeneinander. Eine echte Integration findet nicht statt. Dennoch geht es nach der Jahrtausendwende aufwärts. Ein globaler Stahlboom lässt die Manager träumen. Ein neues Stahlwerk in Brasilien und ein Walzwerk in den USA sollen Thyssenkrupp zurück in die Weltspitze führen. Doch die Projekte in Übersee entwickeln sich zum Desaster. Unter anderem wählt man in Brasilien einen Standort in einem Sumpfgebiet und muss mit Pfählen den Untergrund aufwendig stützen. Die Mehrkosten gehen in die Milliarden. Doch eine starre, hierarchische Unternehmenskultur, Seilschaften und Rivalitäten um die Konzernspitze verhindern offensichtlich ein Umdenken - bis es irgendwann zu spät ist. Am Ende kosten die Projekte mehr als zehn Milliarden Euro. Geld das Thyssenkrupp bis heute für Investitionen in andere Konzernsparten fehlt. Es ist eine der größten Fehlinvestitionen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Und der Anfang vom Ende. Nach dem Tod des alten Konzernpatriarchen Berthold Beitz 2013 spitzen sich die Konflikte weiter zu. Führungschaos, ständige Strategiewechsel und eine anhaltende Konjunkturkrise bringen den Konzern immer tiefer in die roten Zahlen. Inzwischen wird sogar ein Komplettverkauf der Stahlsparte nicht mehr ausgeschlossen. Damit verlöre der Traditionskonzern endgültig seine Wurzeln. Es wäre das Ende einer über 200-jährigen Firmengeschichte, die Industrie und Wirtschaft hierzulande geprägt hat.
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