In Bernard-Henri Lévys Bühnenmonolog «Hotel Europe» bereitet sich ein Mann in einem Hotelzimmer in Sarajevo auf eine Rede vor, die er am 28. Juni 2014 zum 100-jährigen Jubiläum des Attentats von Gavrilo Princip auf Erzherzog Franz Ferdinand in der heutigen bosnischen Hauptstadt halten soll. Hier setzt «Death In Sarajevo» ein. Den Redenhalter gibt es auch hier, aber Regisseur Tanovic (Oscarpreisträger 2002 für «Non Man's Land») hat das Hotel mit zusätzlichen Figuren bevölkert. Sie stehen stellvertretend für die verwirrend vielen Facetten des heutigen Sarajevo. Da sind die Hotelangestellten, die seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten haben und nun mit Streik drohen. Ein Streik, der dem noch immer den Olympischen Spielen von 1984 nachtrauernden Hotelmanager , in den Ruin zu treiben droht. Dann die finsteren Gangstertypen, die im Keller des Hotels einen Nachtklub betreiben, sowie eine TV-Crew, die auf dem Dach Interviews mit Experten und Historikern anlässlich der anstehenden Feierlichkeiten aufzeichnet. Bei dieser Gelegenheit zofft sich die bosnische Fernsehmoderatorin Vedrana mit ihrem serbischen Gast darüber, ob Gavrilo Princip nun ein Freiheitskämpfer oder ein Terrorist gewesen sei. Regisseur Tanovic legt die Verworrenheit der Situation schonungslos offen und zeigt in «Tod in Sarajevo»: Auch ein Jahrhundert nach dem welterschütternden Attentat bleibt Sarajevo eine offene Wunde, ein Brennpunkt, wo sich regionale Konflikte jederzeit wieder zum Flächenbrand ausweiten könnten.