Die neue komödiantische Filmreihe im Ersten stellt eine männliche Hebamme in der Mittelpunkt. Was nach schlimmster Klamotte klingt, ist eigentlich sehr charmant.

Der Münchener Enddreißiger Toni (Leo Reisinger) ist als Hebamme ein Naturtalent. Für sensibel kompetente Höchstleistungen im Job bekommt er von jungen Müttern viel Lob. Trotzdem wird er als Mann im weiblich dominierten Beruf kritisch beäugt. Als Toni, Vater zweier Kinder, seinen Job im Krankenhaus verliert, muss er sich selbstständig machen. Frauenärztin Luise (Wolke Hegenbarth) geht mit ihm eine Praxisgemeinschaft ein. Bald rollen erste Fälle auf das Duo zu: Die herzkranke Ida (Anja Antonowicz) bemerkt ihre Schwangerschaft erst, als die Geburtswehen einsetzen. Ein Baby, so die Angst der Alleinstehenden, könnte sie völlig überfordern. Die schwangere Gina (Rosetta Pedone) hingegen lässt gleich drei Männer glauben, sie seien der Vater. Was nach einer Klamotte aus dem letzten Komödien-Jahrhundert klingt, ist dank ordentlicher Drehbücher und dem Charme von Hauptdarsteller Leo Reisinger durchaus sehenswert. Ein zweiter Film der Reihe läuft am Freitag, 15. Februar, um 20.15 Uhr.

Hört man nur die grundsätzliche Plot-Idee (eine männliche Hebamme, haha!) und liest ihre Ausformungen im Debütfilm der geplanten ARD-Degeto-Reihe, ahnt man das Schlimmste. Eine erwachsene Frau bemerkt ihre Schwangerschaft bis zu den Geburtswehen nicht! Dagegen schafft es die verpeilt lebenslustige Gina, gleich drei Typen davon zu überzeugen, sie seien ihre einzige große Liebe und logischerweise der Vater ihres baldigen Nachwuchses.

In Sebastian Stojetz' und Sibylle Tafels (auch Regie) Drehbuch kommt noch eine weitere, heikle Konstruktion dazu: Ausgerechnet Tonis Praxiskollegin Luise ist der Grund, warum sich Noch-Ehefrau Hanna (Kathrin von Steinburg) von der männlichen Hebamme trennte. Ihr Mann hatte – unerkannt im Hasenkostüm – während des Karnevals Sex mit der Ärztin. Was Toni natürlich, um den neuen Job nicht zu gefährden, tunlichst im Geheimen halten will.

Trotz konstruiert und abgenutzt wirkender Twists schnurren die Münchener Geschichten rund um Hebamme Toni angenehm durch. Das liegt zum einen an vielen kleinen Szenen und Dialogen, die der gerade mal 30-jährige Nachwuchsautor Sebastian Stojetz ("Der Lack ist ab") – übrigens ein gebürtiger Münchener – und die erfahrene Autorin/Regisseurin Sybille Tafel ("Zwei Bauern und kein Land") schrieben. Im Detail wirkt das Miteinander der Figuren nämlich erstaunlich realistisch und von feinem Humor durchzogen, der auch ein wenig Geist und Atmosphäre des Handlungsortes München einfängt.

Der Zuschauer dringt in Biografien zwischen Größenwahn und augenzwinkernder Satire ein – in manchen Szenen scheint eine Bartspitze Helmut Dietls um die Ecke zu lugen. Auch der noch weitgehend unbekannte Hauptdarsteller Leo Reisinger erweist sich als prima Wahl. Mit großer Lockerheit, authentischer Sprache und Gestus, nimmt man dem Vater dreier kleiner Kinder die Rolle zu einhundert Prozent ab.

Schon in Filme zwei, "Toni, männlich, Hebamme – Daddy Blues" (Freitag, 15. Februar, 20.15 Uhr, ARD) entfernt sich die federleicht zu konsumierende Reihe ein wenig von allzu naheliegenden Plot-Klischees. Männliche Hebammen, das dürfte erstaunen, gibt es übrigens wirklich. Seit 1985, so ist es im Gesetz verankert, dürfen auch nicht-weibliche Bewerber die dreijährige Ausbildung zur Hebamme absolvieren. Entbindungspfleger lautet dann deren offizielle Berufsbezeichnung. Bundesweit gab es 2018 gerade einmal vier Männer, die den Beruf tatsächlich praktizieren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst