Troja ist überall - Der Siegeszug der Archäologie

Die Ruinen von Palenque: Die Stadt wird auch als "Paris der Maya" bezeichnet. Vergrößern
Die Ruinen von Palenque: Die Stadt wird auch als "Paris der Maya" bezeichnet.
Fotoquelle: ZDF/David Kammerer
Report, Archäologie
Troja ist überall - Der Siegeszug der Archäologie

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2007
ZDFneo
So., 14.10.
11:05 - 11:50
Rivalen im Maya-Reich


Die Archäologie hat durch ihre Fähigkeit, Träume zu produzieren und Triumphe zu ermöglichen, ihr Aschenputtel-Dasein schnell hinter sich gelassen und einen Siegeszug angetreten. Die beiden Rivalen Teobert Maler und Edward Thompson nehmen die Zuschauer mit nach Mittelamerika. Sie waren besessen von dem Wunsch, als Maya-Forscher Geschichte zu schreiben - jeder auf seine Art. In den Regenwäldern von Mexiko und Guatemala entwickelte sich ein Wettlauf um Ruhm, Geld und Anerkennung. Ihr Ringen miteinander spiegelt die beiden Philosophien wider, die die Archäologie des 19. Jahrhunderts bestimmten: Erkenntnisgewinn und Erhaltung contra Raub im Namen der Wissenschaft. Maler war Dokumentarist, Archivar und vor allem ein hervorragender Fotograf. Seine Bilder sind für moderne Wissenschaftler noch immer oft der erste und einzige Anhaltspunkt für das Verstehen und Interpretieren versunkener Tempel und Paläste der ebenso rätselhaften wie faszinierenden Kultur der Maya. Seine Expeditionen führten den Deutschen kreuz und quer durch das gesamte Maya-Reich. Tausende Kilometer legte er im Dschungel zurück. Monatelang war er ohne Unterbrechung unterwegs - um zu zeichnen und zu fotografieren und so die Kultur der Maya zu bewahren. Je mehr Teobert Maler über die alte Zivilisation lernte, desto mehr tauchte er in ihre Welt ein. Er wollte sie vor den immer zahlreicheren Forschern schützen, die er als Eindringlinge betrachtete. Dabei hatte er den amerikanischen Forscher Edward Thompson besonders im Visier. Thompson war der Gegenentwurf eines verantwortungsvollen Wissenschaftlers. Um bei seinen Raubzügen durch das mexikanische Yucatán ungestört walten zu können, beantragte er beim amerikanischen Außenministerium einen diplomatischen Status. Fortan suchte Thompson als Konsul die Stätten der Maya nach gewinnbringenden Funden ab. Dabei war er äußerst erfolgreich und lieferte so viele Artefakte an die amerikanischen Museen, dass er dort als Held galt. Als Thompson auch noch als erster Unterwasser-Archäologe Amerikas in die geisterhaften Opferbrunnen der Maya hinabtauchte, wurde er zu einer lebenden Legende. Teobert Maler versuchte seinen Kontrahenten mit allen Mitteln zu bekämpfen. Als er sich sicher war, genügend Beweise für die Überführung Thompsons in der Hand zu haben, überraschte er den Konsul auf dessen Hazienda. Einen Inspektor, der Thompson verhaften sollte, hatte Maler gleich mitgebracht. Maler war auf dem Höhepunkt seines Triumphes - doch Thompson hatte noch einen Trumpf im Ärmel. Obwohl die Rivalität ihre Arbeit bestimmte, legten Teobert Maler und Edward Thompson entscheidende Grundsteine für die Archäologen des 21. Jahrhunderts. Die Wissenschaftler von heute führen mit modernen Methoden die Arbeit fort und versuchen genau wie ihre Vorgänger, die noch immer bestehenden Geheimnisse der Maya in Mexiko, Guatemala und Honduras zu lüften. Seine wohl bekanntesten Fotos machte Teobert Maler in Tikal, dem sogenannten Manhattan der Maya. Der Aufstieg des Ortes zu einer mächtigen Metropole ist noch immer rätselhaft. Der amerikanische Archäologe Tim Murtha von der Penn State Universität vermutet, dass Tikal eine Art Speckgürtel aus Vorstädten hatte, der die rund 100 000 Einwohner mit Nahrung und Wasser versorgte. Mithilfe von Infrarotbildern aus dem All versucht Murtha, diese Vororte Tikals als Erster zu finden. In Palenque, "Paris der Maya" genannt, verbrachte Teobert Maler mehrere Wochen mit der Dokumentation der vielleicht elegantesten Stadt der Maya. Das weitverzweigte Kanalsystem unter der Stadt blieb ihm jedoch verborgen. Der Archäologe Kirk French untersucht, aus welchen Gründen und mit welchen Mitteln diese vermutlich erste Kanalisation Mittelamerikas erbaut wurde. Chichén Itzá - die Opferstadt der Maya: Die einst von Edward Thompson als Tauchpionier untersuchten Opferbrunnen sind für moderne Unterwasser-Archäologen eine wissenschaftliche Schatzkammer. Denn nirgends sind Artefakte vor Räubern so sicher wie in den verzweigten Kanalsystemen der so genannten "Cenotes". Die neuen Knochenfunde landen auf den Labortischen der deutschen Archäologin Vera Tiesler und verraten Opferpraktiken, von denen man bis vor kurzer Zeit noch nichts ahnte. In Copán ("Athen der Maya") wurde eine Pyramide entdeckt, deren Stufen mit 2200 zusammenhängenden Hieroglyphen bedeckt sind: der längste Text, der bisher im Maya-Reich gefunden wurde. Weder Thompson noch Maler konnten die Zeichen verstehen. Inzwischen hat der weltweit führende Experte für Hieroglyphen, Dr. David Stuart, den Inhalt mithilfe moderner Computer-Software zur Bildbearbeitung entschlüsselt.


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