Troja ist überall - Der Siegeszug der Archäologie

Die Nachfahren der Inka leben noch immer in den Anden. Vergrößern
Die Nachfahren der Inka leben noch immer in den Anden.
Fotoquelle: ZDF/Thomas Bianga
Report, Archäologie
Troja ist überall - Der Siegeszug der Archäologie

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2008
ZDFneo
So., 03.06.
09:10 - 09:55
Das Rätsel von Machu Picchu


Der Morgen des 24. Juli 1911: Nebel verschlechtert die Sicht, und nur wenig Licht scheint durch das dichte Gebüsch. Ein junger Amerikaner kämpft sich einen unwegsamen Andenpass hinauf. Immer wieder rutscht der Mann ab, Blattwerk peitscht ihm ins Gesicht. Seine Gesichtszüge sind verzerrt vor Anstrengung und Schmerz. Als er endlich oben ankommt, macht er die spektakulärste Entdeckung in der Geschichte der Inkaforschung. Vergessen im nahezu unzugänglichen Gebirge Perus und dem dichten Nebel des Regenwaldes thront die atemberaubende Festung Machu Picchu auf einem Felssporn hoch über dem Urubambatal. Es soll der wichtigste Tag im Leben des amerikanischen Forschers Hiram Bingham werden. Er selbst misst dem Fund zunächst allerdings nur wenig Bedeutung bei, da er in den Schriften spanischer Chronisten keinen Hinweis auf den Ort findet. Der junge Wissenschaftler läutete mit der Yale Peruvian Expedition im Jahr 1911 eine neue Ära in der Geschichte der Archäologie ein. Zum ersten Mal bricht ein interdisziplinäres und mit modernster Technik ausgestattetes Team auf, um eine bisher unbekannte Region Perus zu erkunden. Für seine Expedition hat sich Bingham das größte und in vielen Teilen unzugänglichste Reich in der Geschichte Amerikas ausgesucht. Die Inka selbst nannten es Tahuantinsuyu, Land der vier Teile. Ihre Herrschaft schwankte zwischen perfekter Ordnung und grausamer Despotie. Die Ordnung des Reiches spiegelt sich in seiner planvollen Architektur wider, einem mehr als 20 000 Kilometer umfassenden, fantastisch ausgebauten Straßensystem und einer wirtschaftlichen Verwaltung, die die Versorgung der Bevölkerung auch bei Katastrophen und in Dürrejahren sicherte. 1532 eroberten 168 spanische Soldaten unter dem Kommando von Francisco Pizarro, einem ehemaligen Schweinehirten, das heutige Peru. Ein Teil der Inka floh an einen Ort namens Vilcabamba und leistete von dort aus noch bis 1572 Widerstand. Der Rückzugsort wurde in der Folgezeit zu einem Mythos. Das Wissen um seine Lage ging verloren, nicht aber die Gerüchte über sagenhafte Gold- und Silberschätze, die in Vilcabamba vor den Konquistadoren versteckt worden sein sollen. Unzählige Abenteurer und Archäologen durchstreiften seither die peruanischen Anden, auf den Spuren der letzten Inka. Hiram Binghams erste Expedition war überaus erfolgreich. Seinem Team gelangen zahlreiche Funde, und die Mitglieder der Yale Peruvian Expedition konnten wertvolle wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichen. Sie lieferten der Welt mit ihrer ausführlichen Fotodokumentation ein konkretes Bild von der untergegangenen Kultur der Inka. Doch ein Rätsel blieb bis heute bestehen: Machu Picchu sicherte Hiram Bingham zwar einen Platz in den Annalen der großen Entdecker, doch eine schlüssige Erklärung für die mysteriöse Stadt in den Wolken konnte er nicht liefern, obwohl er beharrlich nach dem Sinn der verborgenen Festung in den Anden suchte, wie sein Sohn Alfred in seiner Biografie des Vaters berichtet. "Obwohl er auf den ersten Blick die Bedeutung von Machu Picchu unterschätzt hatte, hat ihr Reiz ihn schließlich ergriffen, und als ihr Ruhm wuchs, versuchte er verzweifelt, ihr eine historische Bedeutung zu geben." Bingham hinterließ ein wissenschaftliches Erbe, das die Forscher noch immer beschäftigt. Fast 100 Jahre nach der Entdeckung ist der ursprüngliche Zweck Machu Picchus, dieser archäologischen Stätte der Superlative, noch immer nicht geklärt. Im Jahr 2007 wurde der Ort, den die Quechua-Indianer "Alter Gipfel" nannten, zu einem der sieben neuen Weltwunder gekürt. Die "Gralsburg der Inka" gilt als ein Symbol der Macht. Auf einer künstlich angelegten Plattform in 2360 Metern Höhe, nur über beschwerliche Dschungelpfade zu erreichen, errichteten die Inka aus schweren Granitsteinen eine Vielzahl von Gebäuden. Mosaikartig tragen Wissenschaftler aus aller Welt jedes Jahr neue Erkenntnisse zusammen, die das Rätsel von Machu Picchu allmählich lüften. Der Anthropologe John Verano untersuchte vor wenigen Jahren erneut Skelette, die bereits während Binghams Expedition im Jahr 1911 ausgegraben wurden. Er kommt zu sensationellen Resultaten. Der Archäologe Alfredo Valencia Zegarra und der Ingenieur Kenneth Wright versuchen die letzten Geheimnisse der einzigartigen Architektur der Stadt zu lüften. Richard Burger von der Yale Universität hat sich jahrelang mit seinem wissenschaftlichen Vorgänger Hiram Bingham beschäftigt. Er gibt Aufschluss über die facettenreiche Persönlichkeit des ehrgeizigen Amerikaners. Es ist die Geschichte eines Mannes, der den Traum eines jeden Abenteurers und Forschers lebte. Denn ob Wissenschaftler von 1911 oder Archäologen von heute, eines haben sie alle gemeinsam: den Traum, dass ihr Name für immer mit einer großen Entdeckung verbunden ist.


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