Typisch!

Report, Dokumentation
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NDR
Di., 05.06.
11:30 - 12:00
Konrad, der Fliesenkönig


Konrad Schittek ist in einem der historischen Kapitänshäuser in Oevelgönne geboren. Vor 40 Jahren hat er das Elbufer gewechselt und lebt seither in Moorende im Alten Land. Privat ist er passionierter Wassersportler und Naturkundler. Aus Spaß hat er mal ein wenig Elbschlick vom Grund geholt, getrocknet, glasiert und Fliesen daraus gebrannt. Es hat funktioniert. Und das ist nun Konrad Schitteks Beruf: Ursprünglich wollte er in die Fußstapfen der Eltern treten und Maler werden. Nach dem Studium dann die bittere Erkenntnis, dass man damit keine Familie ernähren kann. Freunde freuen sich zwar über selbst gemalte Grußkarten, aber das trägt auch nichts zum Lebensunterhalt bei. Bis Konrad Schittek eines Tages die Anfrage bekam, ob er nicht für eine alte Wohnküche in Hamburg-Eppendorf ein paar brüchige Fliesen ersetzen könnte, neu gebrannt und mit den alten Motiven bemalt. Das war anfangs nicht ganz einfach, aber das war die Geburtsstunde des Fliesenhandels Schittek in Hamburg-Sinstorf. Bis heute ist die Firma auf die Wiederherstellung alter Fliesen spezialisiert, egal ob für einen einzelnen Kachelofen, Bad, Küche oder ein ganzes Friesenhaus. Die großen Aufträge kommen von der Freien und Hansestadt, wenn zum Beispiel Schulgebäude oder Behörden saniert werden, die unter Denkmalschutz stehen. Auch Krankenhäuser brauchen hin und wieder große Mengen neuer "alter" Fliesen. Schon dreimal musste das Unternehmen umziehen. Und auch der jetzige Firmensitz ist eigentlich schon wieder zu klein. Bundesweit gibt es keine vergleichbare Firma. Daher gehen täglich mehr als 100 Pakete voller "alter" Fliesen auf die Reise, sei es für ein Friesenhaus auf Sylt oder eine Bauernstube auf der Alm. Fliesenhersteller veranstalten Kundenevents bei Schittek. Und ständig stehen Gruppen vor der Tür, die eine Führung durchs Museum wollen. Bei jedem neuen Auftrag ist es Sisyphusarbeit, Farben und Glasuren exakt nach Vorbild zu treffen. Vor dem Brand bei 1.000 Grad sieht eine Fliese grundsätzlich ganz anders aus als hinterher. Jedes Motiv muss exakt von Hand gemalt werden. Korrekturen wie bei einem Bild sind unmöglich. Seine Mitarbeiterinnen sind so perfekt, dass sie ebenso gut Meissner Porzellan bemalen könnten. An seinem Firmensitz unterhält Konrad Schittek auch ein Fliesenmuseum. Dort begibt man sich unter anderem auf Zeitreise durch die Bäderkultur vom 19. Jahrhundert bis heute. Amüsiert kann man dort emaillierte Kloschüsseln, alte Zinkwannen und monströse Badeöfen betrachten. Je nach Generation finden sich viele vertraute Dinge, sei es das himmelbau gekachelte Bad aus den 1950er-Jahren oder die Variante in grün-orange mit Blumendekor aus den 1970er-Jahren. Für sein Museum ist Konrad Schittek Jäger und Sammler. Wo immer in Hamburg ein Altbau den Besitzer wechselt und saniert werden soll, ist er zur Stelle und versucht, ganze Bäder und Küchen vor dem Bauschuttcontainer zu retten. Hinweise dazu bekommt er von seinen zahlreichen Kunden. Als Dankeschön lädt er sie gern zu Events in seine Firmenräume ein. Da darf sich dann jeder selbst am Bemalen, Glasieren und Brennen von Fliesen versuchen. Konrad Schitteks Wunsch für die Zukunft: echte Hamburger Fliesen und Ziegel, gebrannt aus dem Hafenschlick, der jedes Jahr tonnenweise aus der Elbe gebaggert wird. Entsprechende Ziegeleien gab es bis vor 25 Jahren. Konrad Schittek ist verheiratet und hat drei Kinder. 2018 wird ein besonderes Jahr für die Familie. Ein Generationenwechsel steht an. Konrads Söhne Jan (35) und Felix (36) sollen das Geschäft übernehmen. Sie sind mit dem Unternehmen groß geworden und kennen sich auch ganz gut mit den 50.000 verschiedenen historischen Fliesen aus, die sie auf Lager haben. Aber wenn es darum geht, alte Fliesen, die nicht mehr lieferbar sind, nachzubrennen, brauchen sie ihren Vater. Bis Juli will Konrad all sein Wissen um Grundmassen, Farben, Glasuren, Muster und Brenngeheimnisse weitergeben. Anlass ist die Hochzeit von Jan. Parallel dazu will Konrad Schittek seinen Söhnen auch endlich den Schlüssel für die Werkstatt überreichen. Er will sich dann ganz den Reisen mit seiner Frau und dem Wassersport widmen. Bis dahin wird er sich aber mehrfach in seiner Werkstatt einschließen. Als Hochzeitsgeschenk plant er ein großes Fliesenbild mit dem Porträt von Jan und seiner künftigen Frau Sandra. Keine leichte Aufgabe, es soll ihnen möglichst ähnlich sehen, und wer auf Fliesen malt, hat keine Chance, einen Fehler zu korrigieren.


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