Unser blauer Planet

  • Ein Austernfischer sucht im Watt nach Nahrung. Vergrößern
    Ein Austernfischer sucht im Watt nach Nahrung.
    Fotoquelle: ZDF/WDR/Ben Osborne
  • Die Riesen-Pferdeschnecke lässt sich gern im ablaufenden Wasser treiben, um Nahrung zu finden. Vergrößern
    Die Riesen-Pferdeschnecke lässt sich gern im ablaufenden Wasser treiben, um Nahrung zu finden.
    Fotoquelle: ZDF/WDR/Michael Pitts
  • Delfine verstehen es meisterhaft, in Wasserstellen, die bei Ebbe zurückgeblieben sind, nach Fischen zu jagen. Vergrößern
    Delfine verstehen es meisterhaft, in Wasserstellen, die bei Ebbe zurückgeblieben sind, nach Fischen zu jagen.
    Fotoquelle: ZDF/WDR/Peter Scoones
  • Buckelwale schaufeln Krill ins Maul. Vergrößern
    Buckelwale schaufeln Krill ins Maul.
    Fotoquelle: ZDF/WDR/Rick Rosenthal
  • Ein großer Tümmler durchwühlt den Meeresboden nach Kleintieren. Vergrößern
    Ein großer Tümmler durchwühlt den Meeresboden nach Kleintieren.
    Fotoquelle: ZDF/WDR/Hugh Pearson
Natur+Reisen, Natur und Umwelt
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Infos
Produktionsland
GB
Produktionsdatum
2001
3sat
Fr., 21.12.
17:00 - 17:45
Folge 7, Im Bann von Ebbe und Flut


Mehr noch als Tag und Nacht diktieren Ebbe und Flut den Lebensrhythmus der Gezeitenzone, und nirgendwo sonst offenbart sich die Kraft der Gezeiten stärker als an Flussmündungen. Die Flut bezwingt das Flusswasser, und das Meerwasser schießt in einer Flutwelle oft zig Kilometer stromaufwärts. Der Film zeigt eine sechs Meter hohe Flutwelle, die sich ihren Weg gegen den Lauf des Amazonas bahnt und selbst riesige Bäume an den Ufern mit sich reißt. Der Tidenhub, der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser, ist im offenen Ozean gering, doch in Buchten ist er deutlich spürbar. In der Bay of Fundy in Kanada etwa hebt und senkt sich der Meeresspiegel täglich um 16 Meter. Die Leben spendende Flut überschwemmt nicht nur Hunderte Quadratkilometer schlammigen Grunds, der Gezeitenstrom konzentriert auch dichte Planktonmassen vor der Küste, die ein Magnet für hungrige Mäuler sind. Jeden Sommer versammeln sich ungeheure Mengen von Meerestieren in der Bucht - Heringe, Delfine, Glatt- und Buckelwale drängen sich unter Wasser, Tölpel gesellen sich aus der Luft dazu. Wattflächen gehören zu den produktivsten Revieren des Meeres. Vor allem während der Ebbe finden sich Massen von Räubern ein und zwingen die Bewohner des Meeresbodens - Krabben, Schnecken, Muscheln, Würmer und viele andere -, im schlammigen Grund Schutz zu suchen, bis die Flut sie wieder erlöst. Waschbären und sogar Riesen wie Grizzlys pflügen den Strand um und befördern Muscheln, Krabben und andere Kleintiere zutage. Für manche aber bringt die Flut nicht Erlösung, sondern den Tod. Große Tümmler starten dann und wann einen außergewöhnlichen Jagdzug. Bei Ebbe sind Fische, die im Flachwassertümpeln geblieben sind, vor ihnen sicher, doch wenn der Meeresspiegel steigt, geraten sie in Reichweite der Delfine. Ein Tümmler hat dabei die Aufgabe, den Schlamm aufzuwühlen und die Fische den wartenden Artgenossen zuzutreiben. Die Teamarbeit der Delfine ist nicht nur erstaunlich - sie ist auch überaus effektiv. Sie können sich so lange vollfressen, bis die Ebbe ihnen den Zugang zum Flachwasser wieder versperrt. Eine Reihe von Tieren stimmt ihren Fortpflanzungszyklus auf die Mondphasen und den Stand der Gezeiten ab. In bestimmten Nächten entlassen Seesterne, Seeigel, Muscheln und andere ihre Eier und Samen in unvorstellbaren Mengen ins Wasser, um eine neue Generation zu zeugen. Der Einfluss der Gezeiten ist so groß, dass sie selbst an Land den Startschuss für eine riesige Wanderung geben. Auf der Weihnachtsinsel nördlich von Australien erfüllt sich der Wald mit Leben, wenn Millionen Rote Landkrabben sich aufmachen und zur Fortpflanzung Richtung Küste marschieren. An die nassen Klippen geklammert, warten sie oft tagelang, bis der Gezeitenstand perfekt dafür ist, ihre Eier in den offenen Ozean zu tragen. Dann, bei Nippflut, wenn der Wasserstand am niedrigsten ist, drängen sie sich im Flachwasser, schütteln ihre Eier in der Brandung ab und flüchten so schnell wie möglich wieder an Land. Denn - und das ist das außergewöhnlichste daran - schwimmen können die erwachsenen Tiere nicht. Sie ertrinken jährlich zu Tausenden in demselben Wasser, das ihre Larven erst leben lässt.


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