Unsere Geschichte

Unsere Geschichte - Meine Kindheit in der Schule: Ein stramm organisierter Alltag in der Nonnenschule. Vergrößern
Unsere Geschichte - Meine Kindheit in der Schule: Ein stramm organisierter Alltag in der Nonnenschule.
Fotoquelle: NDR/taglicht media
Report, Dokumentation
Unsere Geschichte

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2017
NDR
Sa., 02.06.
11:30 - 12:15


Die Dokumentationsreihe berichtet über Ereignisse und Menschen, die den Norden Deutschlands bewegten. Dabei taucht sie in die vergangenen Jahrzehnte ein.

Thema:

Meine Kindheit in der Schule

Eine Kindheit in der Schulzeit: Damals schwänzte man als Schüler den Matheunterricht und ging stattdessen im nahe gelegenen Wäldchen spielen. Die Tage vor den Sommerferien waren die längsten im ganzen Jahr. Der Spickzettel fiel aus dem Ärmel und der Tischnachbar vom Stuhl. "Unsere Geschichte - Meine Kindheit in der Schule" erzählt von großen und kleinen Erinnerungen an die Schulzeit, die das Leben eines jeden von uns so sehr geprägt hat. Aber sie hat nicht nur mit Biografie und kollektivem Erinnern zu tun. Die Schule ist und war auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen. Kaum eine andere Institution verrät mehr über unsere Werte und Moralvorstellungen als die Schule. Und kaum einer kommt an ihr vorbei. Die meisten lassen kein gutes Haar an ihr. Aber fast alle blicken irgendwann mit Wehmut auf sie zurück. Und in welchem Fotoalbum fehlt schon das Bild vom ersten Schultag? "Tut, tut! Da kommt ein Auto", das war der erste Satz, den der frühere Postschiffer Fiede Nissen gleich am ersten Tag lernen musste. "So etwas vergisst man sein Leben lang nicht." Für ihn, der auf der Hallig Langeneß aufgewachsen ist, war Heimatkunde das schönste Fach. Mit 14 anderen Kindern besuchte Fiede Nissen eine Zwergenschule, die unmittelbar neben der Kirche untergebracht war. "Ich war gerade fünf Jahre alt", erinnert sich Dorothea Voigtländer aus Bonn, "aber ich kam mir schon sehr erwachsen vor." Es erstaunt wenig, dass ihr Lieblingsfach Geschichte sein würde. Denn als der erste Deutsche Bundestag am 7. September 1949 in Bonn in der Pädagogischen Akademie tagte, fand die Schulstunde gleich nebenan statt. Die Mädchen knicksten vor Konrad Adenauer, dem freundlichen älteren Herrn, der einem auch schon mal im Park begegnen konnte. Dem Schauspieler Jan-Gregor Kremp genügte es bei Mathearbeiten nicht, einzelne Zahlen abzuschreiben. Es mussten gleich ganze Zahlenreihen sein, weil die Wissenslücken zu groß waren. Zeugnisse konnten allein durch die Mathenote "verunziert" werden. Die schlimmsten Momente an der Tafel fanden auch bei Rebecca Siemoneit-Barum und Gerda Laufenberg während des Mathematikunterrichts statt. In den Nachkriegsjahren und oft bis in die 1960er-Jahre hinein wurden kleine und größere Vergehen in der Schule hart bestraft, meistens mit dem gefürchteten Rohrstock. Der uneingeschränkte Respekt vor dem Lehrer, der damals in den Augen der meisten Menschen noch mindestens dieselbe Autorität wie der Pfarrer hatte, war selbstverständlich. Dass Kinder auch Spaß an der Schule haben können, kam erst in den Reformbemühungen der 1960er-Jahre auf die Tagesordnung. Lehrer durften geduzt werden, neue Lehrmittel wie Overheadprojektoren zogen in den Unterricht ein. "Für Schüler meiner Couleur", glaubt Jan-Gregor Kremp, seien diese Bemühungen eher kontraproduktiv gewesen. Die Lehrer wurden nicht mehr ernst genommen und stattdessen verspottet. Vor allem im Sexualkundeunterricht mussten junge Lehrer erfahren, was es heißt mit "Anschauungsunterricht" zu scheitern. Auch wenn sich die Unterrichtsmethoden über die Jahrzehnte grundlegend geändert haben, so haben die ehemaligen Schulkinder doch oft dieselben Erinnerungen. Das Schönste an der Schule, davon sind die meisten überzeugt, sei der Schulweg gewesen, denn dort habe die große "Freiheit" begonnen. "Wenn wir Klassenkameraden zusammen sitzen, dann kommt irgendwann immer die eine Frage: "Weißt du noch, weißt du noch?", sagt Paul Wascinski, der nach dem Krieg im Ruhrgebiet zur Schule ging.



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