Martin Walser ist im besten Sinne ein Jahrhundertschriftsteller. Ein Mann, der die Verwerfungen und Glückfälle des 20. Jahrhunderts erlebt und erfahren hat, aber neugierig geblieben ist auf die Gegenwart. Zeitgenössischer ist kein Schriftsteller, noch immer überrascht Martin Walser seine Leserinnen und Leser und die literarische Öffentlichkeit. Nahezu alljährlich wartet er mit einem neuen Roman auf. Die Fernsehsender haben ihm schon viele Porträts gewidmet - Beiträge, die seine Biographie beleuchten, die die umfassende TV-Geschichte Martin Walsers erzählen, Filme, die an seine Erfolge und Skandale erinnern. Aber will man das nochmals tun? Alle fünf Jahre das Gleiche? Wieder Rückblende 1998: "Moralkeule", 2002: "Tod eines Kritikers", 1976: "Ein belangloser, ein schlechter, ein miserabler Roman" Und, und, und...? In diesem Film spricht SWR Moderator Denis Scheck mit Martin Walser, nicht über ihn. Er hört ihm zu, widerspricht auch und das alles an einem besonderen Ort : im Auto. Martin Walser vertraut Denis Scheck, er öffnet sich. Die beiden sind on the road im Walser-Land. Das Walser-Land ist der Bodensee. Es findet sich in Deutschland kein zweiter Dichter, der so sehr mit einer Landschaft verbunden ist. Nicht nur, dass Martin Walser immer dort gelebt hat, viele seiner Romane verwandeln den "nördlichsten See Italiens", wie Rudolf Borchardt ihn genannt hat, in einen literarischen Kosmos. Die Zürns, Halms, Horns, sie alle leben am See oder in seinem Umfeld. Auch so mancher Held in Walser Spätwerk. Der Bodensee ist die Projektionsfläche der Walserschen Fantasie, so sehr sind die Orte von Überlingen bis nach Wasserburg und Lindau in seinem Werk präsent. Darum er-fahren Literaturkritiker Denis Scheck und Schriftsteller Martin Walser eine dreifache "tour d'horizon": Sie durchqueren eine Landschaft, ein Werk und eine Biografie. Sie fahren, fahren, fahren, reden darüber, was sie sehen, was ihnen in den Sinn kommt und vollziehen eine Lebensreise.