Verrat in Triest

Der Pod-Antrieb, eine Schiffsschraube an einer drehbaren Gondel, lässt gigantische Passagierschiffe auf engstem Raum manövrieren. Vergrößern
Der Pod-Antrieb, eine Schiffsschraube an einer drehbaren Gondel, lässt gigantische Passagierschiffe auf engstem Raum manövrieren.
Fotoquelle: ZDF/INDAV
Report, Wissenschaft
Verrat in Triest

Infos
Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2008
ZDFinfo
So., 16.09.
20:15 - 21:00
Auf den Spuren genialer Forscher und Erfinder


Sie waren besessen von ihren Ideen, setzten oft ihr ganzes Vermögen ein und riskierten Kopf und Kragen: geniale Forscher und Erfinder, denen Bahnbrechendes in der Geschichte gelang. Sie suchten nach Lösungen großer Menschheitsrätsel, führten wissenschaftliche und technische Durchbrüche herbei, verschrieben sich ihren Visionen mit Haut und Haaren. "Verrat in Triest" enthüllt die abenteuerliche Entwicklung der Schiffsschraube und das Schicksal des Österreichers Josef Ressel, der sich schon um 1812 als junger Ingenieurstudent mit einer Schraube zur Fortbewegung von Schiffen beschäftigte. Doch er stieß auf den Widerstand von Schiffseignern und Reedern, die mit Macht an den gängigen Segeln und Schaufelrädern zum Antrieb ihrer Schiffe festhielten. Intrigen brachten ihn an den Rand seiner Existenz. Schließlich machten ihm sogar andere seine Erfindung der Schiffsschraube streitig, die die Schifffahrt revolutioniert hat - und ohne die selbst modernste Antriebssysteme nicht denkbar sind. Oktober 1829. Darauf hat Josef Ressel seit Jahren gewartet: Im Hafen von Triest löst das Dampfschiff "Civetta" die Leinen. Das Publikum staunt ungläubig. Wie von Geisterhand geschoben, pflügt das Schiff mit sechs Knoten durch die Wellen. Nirgends sind Schaufelräder zu sehen, ohne die man bisher kein Schiff fortbewegen konnte. An Bord sind die Admirale der österreichischen Marine. Es ist die erste Versuchsfahrt eines Dampfschiffs mit Schraubenantrieb, und Josef Ressel, der Erfinder, wähnt sich schon am Ziel. Da passiert es: Qualm dringt aus dem Maschinenraum, die Schraube stoppt, die "Civetta" treibt manövrierunfähig auf dem Meer. Ein weichgelötetes Dampfrohr ist gebrochen, die Schraube selbst ist gar nicht die Ursache. Doch Ressel hat mächtige Gegner, darunter der einflussreiche Reeder Morgan, der mit seinen Schaufelraddampfern die lukrative Linie Triest - Venedig bedient und Konkurrenz durch Ressels schnelleren Schraubenantrieb fürchtet. Er bringt den Polizeichef von Triest dazu, die Reparatur der Maschine zu verbieten und neue Versuche aus angeblichen Sicherheitsgründen zu untersagen. Der schwerste Rückschlag für Ressel, dem schon seit Jahren übel mitgespielt worden ist, seit er als Ingenieurstudent in Wien begonnen hatte, mit der "Schraube ohne Ende zur Fortbewegung von Schiffen" zu experimentieren. Doch Ressel, der aus armen Verhältnissen stammt, konnte die Studiengebühren nicht lange aufbringen und musste sein Studium abbrechen. Als Waldinspektor fand er eine Anstellung zur Aufforstung der österreichischen Marinewälder. Jahre später wurde er nach Triest versetzt. Nahe dem Meer nahm er in der Freizeit seine Erforschung der Schiffsschraube wieder auf. Doch als er Schiffseigner und Reeder von dem Vorteil des neuartigen Antriebs überzeugen wollte, stieß er auf eine Mauer der Ablehnung. Sie wollten an den gängigen Segeln und Schaufelrädern zum Antrieb ihrer Schiffe festhalten. Ressel wird bald sogar zum Gespött der Leute auf der Straße. Erst nach langer, verzweifelter Suche findet er Finanziers. Doch wenig geschäftstüchtig, versäumt er, Verträge zu machen. Die Geschäftsleute booten ihn aus, Intrigen bringen ihn an den Rand seiner Existenz - bis ihm schließlich doch sein letzter großer Anlauf gelingt: die Probefahrt mit der "Civetta" im Hafen von Triest, die unverschuldet im Fiasko endet. Gegen das intrigante Verbot des Polizeichefs, die Arbeit an der Schiffsschraube weiterzuführen, geht Ressel vor Gericht. Der Prozess zieht sich über Jahre, die Gerichtskosten ruinieren ihn endgültig. Auf geheimen Wegen sind seine Unterlagen und Zeichnungen über Paris auch nach London gelangt, wo sich ein gewisser Cummerow daraufhin die Schiffsschraube patentieren lässt. Enttäuscht zieht sich Josef Ressel zurück. Er arbeitet weiter als Forstbeamter, macht zahlreiche Erfindungen wie das Kugellager oder die Rohrpost, doch nie verdient er auch nur einen einzigen Kreuzer mit seinem Talent. Schließlich stirbt er auf einer Dienstreise im Laibacher Moor an Typhus. Als man ihn am Morgen des 10. Oktober 1857 tot in seinem Bett auffindet, halten seine erstarrten Finger krampfhaft ein Rezeptformular fest, auf dessen Rückseite er kaum leserliche Abschiedsworte an seine Familie und die Bitte geschrieben hat, seine Erfindung nicht zugrunde gehen zu lassen und für seine Rechte an der Schiffsschraube zu kämpfen.


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