Verstrahlt - Vergiftet - Vergessen

  • Schäfermeister Kalle Reinecke weidete in den 90er Jahren seine Herde im Altmärkischen Erdgas-Fördergebiet. Die Nachbarschaft zu vier Erdgas-Bohrlöchern wurde ihm zum Verhängnis. Er verlor 150 seiner Lämmer durch giftige Abgasfahnen und verließ resigniert die Gegend. Die Tierseuchenkasse entschädigte ihn, aber aufgeklärt wurde der Vorfall nie. Vergrößern
    Schäfermeister Kalle Reinecke weidete in den 90er Jahren seine Herde im Altmärkischen Erdgas-Fördergebiet. Die Nachbarschaft zu vier Erdgas-Bohrlöchern wurde ihm zum Verhängnis. Er verlor 150 seiner Lämmer durch giftige Abgasfahnen und verließ resigniert die Gegend. Die Tierseuchenkasse entschädigte ihn, aber aufgeklärt wurde der Vorfall nie.
    Fotoquelle: MDR/Heidi Mühlenberg
  • Strahlende Gartenzäune gibt es tatsächlich - in der Altmark. Sie stammen aus der Erdgasförderung und wurden zur DDR-Zeit als preiswertes Baumaterial von Privatleuten geschätzt. Doch wer sie heute entsorgen will, hat schlechte Karten. Umweltingenieur Bernd Ebeling und Ulrich Ehlers versuchten vergeblich, radioaktiv verstrahlte Gartenzäune legal in der Altmark zu entsorgen. Schrotthändler und der Erdgasbetrieb Neptune Energy verweigern die Annahme. Die Betroffenen in der Altmark werden mit ihrem Problem von den Behörden im Stich gelassen. Vergrößern
    Strahlende Gartenzäune gibt es tatsächlich - in der Altmark. Sie stammen aus der Erdgasförderung und wurden zur DDR-Zeit als preiswertes Baumaterial von Privatleuten geschätzt. Doch wer sie heute entsorgen will, hat schlechte Karten. Umweltingenieur Bernd Ebeling und Ulrich Ehlers versuchten vergeblich, radioaktiv verstrahlte Gartenzäune legal in der Altmark zu entsorgen. Schrotthändler und der Erdgasbetrieb Neptune Energy verweigern die Annahme. Die Betroffenen in der Altmark werden mit ihrem Problem von den Behörden im Stich gelassen.
    Fotoquelle: MDR/Heidi Mühlenberg
  • Eine von etwa 300 früheren Bohrschlammgruben, die in der Gegend um Salzwedel noch saniert werden müssen. Foto: Heidi Mühlenberg Vergrößern
    Eine von etwa 300 früheren Bohrschlammgruben, die in der Gegend um Salzwedel noch saniert werden müssen. Foto: Heidi Mühlenberg
    Fotoquelle: MDR/Heidi Mühlenberg
  • Mit enormen technschen Aufwand muss das geförderte Roh-Erdgas von giftigen Verunreinigungen gereinigt und getrocknet werden, wobei viele Tonnen giftiges Quecksilber und Blei anfallen. Hier die Zentralstation Steinitz, das Herzstück der Gasförderung in der Altmark. Vergrößern
    Mit enormen technschen Aufwand muss das geförderte Roh-Erdgas von giftigen Verunreinigungen gereinigt und getrocknet werden, wobei viele Tonnen giftiges Quecksilber und Blei anfallen. Hier die Zentralstation Steinitz, das Herzstück der Gasförderung in der Altmark.
    Fotoquelle: MDR/Heidi Mühlenberg
  • Im Erdgas-Fördergebiet um Salzwedel müssen jedes Jahr mindestens 1000 Tonnen Stahlschrott gereinigt werden, der verschmutzt ist mit giftigen Schwermetallen und radioaktiven Stoffen. Vergrößern
    Im Erdgas-Fördergebiet um Salzwedel müssen jedes Jahr mindestens 1000 Tonnen Stahlschrott gereinigt werden, der verschmutzt ist mit giftigen Schwermetallen und radioaktiven Stoffen.
    Fotoquelle: MDR/Heidi Mühlenberg
  • Alte Erdgasrohre aus den Fördergebietes-Bohrlöchern enthalten in den innen abgelagerten Krusten viele gefährliche radioaktive Isotope. Vergrößern
    Alte Erdgasrohre aus den Fördergebietes-Bohrlöchern enthalten in den innen abgelagerten Krusten viele gefährliche radioaktive Isotope.
    Fotoquelle: MDR/Heidi Mühlenberg
Report, Dokumentation
Verstrahlt - Vergiftet - Vergessen

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2018
MDR
Mi., 25.07.
20:45 - 21:15
Das Erbe der DDR Erdgas-Förderung


Wienhold W. hat Quecksilber in seinen Nieren, im Darm und im Gehirn. Das Sprechen und Gehen fällt ihm schwer. Als junger Mann arbeitete der heute 56-Jährige als Erdgaskumpel. "Wir haben dafür gesorgt, dass Millionen in der DDR warme Stuben hatten und jetzt krepieren wir." Wie seine Kollegen arbeitete er damals ohne Atemschutz und atmete giftige Dämpfe ein. Denn beim Erdgasbohren sprudelt immer auch ein Giftgemisch aus den Bohrlöchern: Quecksilber, Blei, Benzol und radioaktive Isotope. Viele Kollegen, mit denen Wienhold W. zusammen gearbeitet hat, erreichten nicht mal das Rentenalter. Obwohl das gut dokumentiert ist, weigert sich seit Jahren die Berufsgenossenschaft Rohstoffe / Chemische Industrie die Erdgasarbeiter als berufskrank anzuerkennen. Ingrid H. bekam gerade postum den Ablehnungsbescheid - anderthalb Jahre nach dem Tod ihres Mannes Rudi. Der frühere Laborleiter des VEB Erdgaskombinats Salzwedel verstarb an Blasenkrebs. Kurz vor seinem Tod traf sich der Laborleiter mit "Exakt"-Autorin Heidi Mühlenberg und führte sie zu den heiklen Hinterlassenschaften aus 50 Jahren Erdgasförderung. Der Chemiker und Familienvater prangerte die Verseuchung des Landstrichs an. Die giftigen Reste lasten schwer auf der Gegend um Salzwedel, die lange ab vom Schuss im Grenzgebiet zum Westen lag. Aus 400 Bohrlöchern holte die DDR hier 170 Milliarden Kubikmeter Erdgas - und dabei zwangsläufig viele hundert Tonnen Quecksilber. Viele davon lagern noch heute in ungesicherten Gruben. Landwirt Uwe B. stieß beim Pflügen plötzlich auf rostige Rohre und entdeckte zwei Schlammgruben mit Bohrabfällen. Sie lagen mitten in seinem Maisfeld. Seit Jahren verschleppen die Behörden die Entsorgung. Am schlimmsten hat es die Einwohner von Brüchau erwischt. Hier entsorgten Erdgasfirmen in einer löchrigen Tongrube bis 2012 hunderte Tonnen Quecksilber und Gifte. Altlasten, die hoch gefährlich sind. Schon 2016 wurden Chlorid, Radium und Quecksilber im Grundwasser nachgewiesen. Ungelöst ist auch das Problem der verstrahlten Erdgasrohre, die zu tausenden aus den Bohrlöchern kamen und noch heute an vielen Orten in der Landschaft zu finden sind, entlang von Flüssen, als Stangen für Zäune und in Viehställen. "Diese Rohre sind ausgebaut und zerschnitten worden und als Konsumgüterproduktion, als Zaunpfähle an die Bevölkerung abgegeben worden", erinnerte sich Rudi H. Viele Pfähle strahlen immer noch. "Exakt - Die Story" erzählt die Geschichten der Betroffenen, die zunehmend verärgert sind über das Totschweigen, Aussitzen oder Ignorieren ihrer Probleme durch die Ämter und das Land und geht den Fragen nach: Warum wurden die Altlasten der DDR Erdgasförderung lange Zeit heruntergespielt? Was ist bis heute ein Riesenproblem und was tun die Behörden dagegen?


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