Vom Glück, ein Frankfurter zu sein

Report, Dokumentation
Vom Glück, ein Frankfurter zu sein

HR
Sa., 29.09.
16:30 - 17:15
Folge 2, Die aufsässige Stadt


Frankfurt am Main macht an, haut um, stößt ab. Nirgends ist es so hässlich und zugleich so schön, so verdreckt und so blank poliert, so dörflich und so großstädtisch. Auf kleinstem Raum existieren Fachwerkhäuschen neben Wolkenkratzern, abgerissene Bettler neben beschlipsten Bankangestellten, Straßenkämpfer neben Spekulanten und 180 verschiedene Nationalitäten neben stoffelig knorzigen Frankfurtern. All dies hat auch noch Tradition. Die Filmautorin Simone Jung hat grandiose Bilder dieser Stadt versammelt. Sie mischt Heutiges mit überraschenden Funden aus Archiven und zeigt, wie die kleine Metropole über die Jahrzehnte unablässig ihr Gesicht wandelt. Vor siebzig Jahren war die Innenstadt nur Schutt und Asche. Wie sollte Frankfurt aus den Trümmern neu entstehen? Sollte das bisschen, was noch da war, erhalten werden? Oder baut man eine völlig neue Stadt auf? Eine schwere Aufgabe, aber auch eine ungeheure Chance zu gestalten. Simone Jung lässt Menschen erzählen, die diese Chance genutzt und ihr Frankfurt geprägt haben. Der ehemalige Stadtkämmerer Ernst Gerhardt erinnert sich noch gut an den Streit um die Restauration der Altstadt. Die meisten wollten nach vorn blicken - etwas ganz Neues, Modernes sollte entstehen. Als könnte man mit dem Abriss alter Häuser auch die lästige Vergangenheit loswerden. Erst die nächste Generation, darunter der heutige "Tigerpalast"-Direktor Johnny Klinke, revoltierte gegen Schweigen und Vergessen. Die Revolte wirkte nach - und rettete viele vom Abriss bedrohte Bürgerhäuser im Frankfurter Westend. Auch die waschechte Frankfurterin Gisela Paul, deren heutiges Geschäft die Grüne Soße auf dem Kaisermarkt ist, demonstrierte damals mit. Stadtplaner Albert Speer empörte sich ebenfalls, und er berichtet von den Lehren, die man aus Siedlungsprojekten wie der Nordweststadt zog. Den ideologischen Streit darum, wie historische Orte gestaltet werden sollen, gibt es bis heute. "Knusperhäuschen" nennt süffisant lächelnd der ehemalige Kulturdezernent und Erfinder des Museumsufers Hilmar Hoffmann den gegenwärtigen Altstadtnachbau. Der Film führt auch ins Ostend, einst eher die Schmuddelecke der Stadt und heute zu einer der teuersten Wohngegenden Frankfurts geworden durch das neue Hochhaus der Europäischen Zentralbank. Viel früher schon hatte den Immobilien-Unternehmer Ardi Goldmann das Ostend fasziniert. Es sei "wie ein hässliches Entlein", dessen Schönheit erst entdeckt werden müsse. Simone Jung erzählt 70 Jahre Frankfurter Geschichte höchst lebendig aus der Perspektive jener, die hier geboren und aufgewachsen sind, die hier zugezogen sind und arbeiten. Sie alle haben an den vielen verschiedenen Facetten Frankfurts mitgeplant und mitgebaut. Ein Porträt von Häusern und Menschen im Wandel der Stadt.


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