Es sollte ein großes Finale zum Saisonabschluss sein, dieses letzte Konzert mit Marcus Creed als Chefdirigent. Höhepunkte aus dem reichen und breitgefächerten Repertoire standen auf dem Programm, das Marcus Creed in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten mit dem SWR Vokalensemble erschlossen hatte, dazu zwei Uraufführungen. Diese anspruchsvolle Chormusik ist unter den derzeit gebotenen Abstandsregeln für Sängern*innen von drei Metern zur Seite und sechs Metern nach vorne nicht aufführbar. Stattdessen hat Marcus Creed ein Programm für ein solistisches Kammerkonzert zusammengestellt: Madrigale und Motetten des Frühbarock von Heinrich Schütz, Hermann Schein, Thomas Tomkins, Thomas Weelkes, Johann Michael Bach und John Wilbye spiegeln Welt- und Selbsterfahrungen aus der Zeit des 30-jährigen Krieges in Deutschland und dem elisabethanischen und jakobinischen England des 17. Jahrhunderts. Es ist eine Musik, die in Zeiten von Pest und Cholera, Krieg, Hungersnot und politischer Willkür entstanden ist und darin Halt gab. Cicero sagt: "Philosophieren heißt sterben lernen." Es weht ein melancholischer Zug durch diese Motetten und Madrigale, aber ihre Botschaft ist von großer Weisheit, denn die Menschen damals hatten verinnerlicht, was heute gerne verdrängt wird: Der Tod ist Teil des Lebens. Und gerade weil das Leben endlich ist, ist es so kostbar. Programm: Henry Purcell: Hear my prayer, O Lord Remember not, Lord, our offences Heinrich Schütz: Die mit Tränen säen Johann Hermann Schein: Da Jakob vollendet hat Heinrich Schütz: Selig sind die Toten Thomas Tomkins: When David heard, that Absalon was slain Thomas Weelkes: When David heard, that Absalon was slain Johann Michael Bach: Unser Leben währet siebzig Jahr / O Herr lass Dein lieb Engelein Halt was du hast / Jesu meine Freude John Wilbye: O wretched man Draw on, sweet night