Von Wechselstimmung ist in Hamburg wenig zu spüren. Dennoch könnte nach der Bürgerschaftswahl am 23. Februar aus Rot-Grün ein Grün-Rot und zum ersten Mal eine Frau Stadtoberhaupt werden. Zwei Hauptdarsteller, vier Nebenrollen - so sieht der Wahlkampf bisher aus. Auf der einen Seite die Koalitionäre SPD und Grüne, die sich ein enges Rennen liefern. Auf der anderen CDU, Linke, FDP und AfD, die sich anstrengen müssen, nicht bloß Statisten zu sein. Hamburg, das war einst ein sicheres Terrain für die SPD. Bei der letzten Bürgerschaftswahl vor fünf Jahren, damals noch unter Olaf Scholz, verpasste sie nur knapp die absolute Mehrheit. Doch die Erinnerung daran verblasst so langsam. Denn obwohl die Hamburger laut Umfragen mehrheitlich mit der Arbeit des Scholz-Nachfolgers Peter Tschentscher zufrieden sind, bangen die Sozialdemokraten nun auch an der Elbe um ihre rote Hochburg. Schuld daran ist auch der Koalitionspartner, die Grünen, mit denen man die letzten fünf Jahre durchaus erfolgreich regierte. Doch jetzt wollen die Grünen mehr als Juniorpartner sein und Spitzenkandidatin Katharina Fegebank zur ersten Bürgermeisterin der Hansestadt machen. Die Umfragen zeigen, dass dies durchaus möglich ist. Prozentpunkt um Prozentpunkt hat die Partei zur schwächelnden SPD aufgeholt. Deren Spitzenkandidat kann sich nicht vorstellen, unter einer grüngeführten Koalition weiter im Rathaus zu arbeiten. Ein Dreierbündnis mit CDU und FDP sei dagegen denkbar, so Tschentscher. Für die CDU geht der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg ins Rennen. Er strebt 20 Prozent und eine Regierungsbeteiligung an. Egal in welcher Farbkonstellation, man renne weder Rot noch Grün hinterher. Auch die FDP vermeidet bisher jede Koalitionsfestlegung. Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein versucht, im von Umweltthemen geprägten Wahlkampf mit eigenen Themen zu punkten, wie Wohnen und Wirtschaft. Die Linke dagegen hat sich bereits festgelegt: auf die Oppositionsrolle. Spitzenkandidatin Cansu Özdemir sieht im Moment keine Option für ihre Partei auf eine Regierungsbeteiligung. Man wolle aus der Opposition heraus, den Druck von links erhöhen. Mit rechten Forderungen zieht Dirk Nockemann für seinen Landesverband der AfD in den Wahlkampf. Innere Sicherheit und Migration sind die Schwerpunkte. Nach den starken Ergebnissen bei den Wahlen im Osten 2019, sehen Umfragen die AfD in Hamburg zurzeit deutlich unter 10 Prozent. Die Hamburger Bürgerschaftswahl wird voraussichtlich die einzige Landtagswahl im Jahr 2020 sein. Damit ist sie auch ein wichtiges Stimmungsbarometer für das Wahljahr 2021. Der Druck insbesondere auf Rot und Grün ist enorm. Die einen müssen beweisen, dass sie noch gewinnen können, die anderen, dass sie für größere Aufgaben bereit sind. Durch diesen Wahlabend am 23. Februar führt die stellvertretende Chefredakteurin Bettina Schausten, an ihrer Seite Parteienforscher Karl-Rudolf Korte. Immer die aktuellsten Zahlen und Hochrechnungen liefern ZDF-Politikchef Matthias Fornoff und die Forschungsgruppe Wahlen. Alles jederzeit abrufbar auf heute.de, ergänzt um Kurzanalysen der wichtigsten Wahlthemen und aktuell die interessantesten Stimmen der Gewinner und Verlierer ebenfalls auf facebook.com/ZDFheute/. Der gesamte Wahlabend ist live zu verfolgen in der ZDFmediathek. Der Ausgang der Bürgerschaftswahl ist auch Thema in den "heute"-Nachrichten um 19.00 Uhr. Und im Hamburger Wahlstudio stellen sich die Spitzenkandidaten einer ersten Fragerunde.