Nach Gold und Erdöl ist nun die Zeit des Wasserrauschs angebrochen. Eine investigative Reportage zeigt auf, wie vor allem Finanzriesen aus einer schwindenden, aber überlebenswichtigen Ressource Profit schlagen wollen. Der Film "Wasser – Im Visier der Finanzhaie" ist Schwerpunkt eines Themenabends über das wertvolle Nass bei ARTE.

Jeder benötigt es, es gibt dazu keine Alternative. Es ist begrenzt. Die Nachfrage wächst mit der Weltbevölkerung. Unter anderem mit diesen Argumenten bieten Banken, Investment- und Hedgefonds eine besondere Ressource an: Wasser. Das "blaue Gold" gilt derzeit als einer der Mega-Trends bei der Geldanlage. Angepriesen wird ein Invest in einem als gigantischen Wachstumsmarkt – rein finanziell gesehen. Dabei wirkt die Begründung denkbar einfach: Während die Menge an verfügbarem Trinkwasser gleich bleibt, muss sie auf immer mehr Menschen verteilt werden. Das sorgt für eine Verknappung der Ressource dafür, dass das überlebenswichtige Nass als eine der Investitionsmöglichkeiten mit den größten Wachstumschancen angesehen wird.

Doch wie ist es überhaupt moralisch vertretbar, dass das für jeden Menschen überlebenswichtige Wasser zu einem reinen Handelsgut "verkommt"? Dieser Frage geht der französische Regisseur Jérôme Fritel in seiner investigativen Reportage "Wasser – Im Visier der Finanzhaie" nach. Bei ARTE ist sie im Rahmen des Schwerpunktthemas "Wasser – Jeder Tropfen zählt" nun zu sehen.

Fritel führt zunächst an, wie die steigenden Bevölkerungszahlen, die sich ausbreitende Landwirtschaft und zuletzt auch die Klimaerwärmung den Wasserbedarf weltweit in die Höhe schnellen lassen. Die Konsequenzen daraus erscheinen fatal. Laut Studien werde bis 2050 mindestens jeder Vierte weltweit gesehen mit chronischem Wassermangel leben.

Vor dem Hintergrund, dass heute schon, je nach Quellenangabe, zwischen 600 Millionen und drei Milliarden Menschen von einem Zugang zu sauberem Trinkwasser abgeschnitten sind, erscheint der Handel mit der wichtigsten Ressource der Menschen überhaupt wie die Ausgeburt eines ungebremsten Turbo-Kapitalismus. Schon jetzt kommt es immer wieder zu einem Kampf zwischen den Verfechtern der "Finanzialisierung" des Wassers und den Verteidigern des Wassers als Menschenrecht. Dieser Frontalzusammenstoß spielt sich auf mehreren Ebenen ab: in Ideologie, Politik, Umweltfragen und natürlich in der Wirtschaft. Letztendlich aber gilt eine Prognose als besonders bedrohlich. Laut US-Außenministerium soll die Gefahr von Wasserkriegen mittelfristig deutlich steigen.

Düstere Aussichten

Dass eine Knappheit des Wassers nicht nur in der Dritten Welt oder den sogenannten Schwellenländern droht, zeigt ab 21. 45 Uhr die Reportage "Bis zum letzten Tropfen" Der Regisseur Yorgos Avgeropoulos rückt ausgerechnet Europa in den Mittelpunkt seines Films. Der Autor klagt auf der Grundlage seiner Recherchen, die bereits 2013 begannen, über eine besorgniserregende Wasserversorgungssituation vor allem im Süden Europas und zeigt anhand von Kapitalströmen in Richtung Norden den Verfall einer vielfach gepriesenen Wertegemeinschaft innerhalb eines Konstrukts Europäische Union.

Wie sehr fehlendes Wasser ganze Nationen an den Rand des Zusammenbruchs bringen kann, ist am Beispiel des Iran zu sehen. Der Film "Dürre-Alarm" von Komeil Sohani und Laurent Cibien zitiert ab 22.45 Uhr unter anderem Isa Kalantari. Der ehemalige Landwirtschaftsminister und heutige Umweltminister der Rohani-Regierung wagt eine düstere Voraussicht. Er sagt: "Der Iran mit seiner 7.000-jährigen Geschichte wird in 20 Jahren nicht mehr bewohnbar sein, wenn die Wasservorkommen weiter so rasant zerstört werden. Wasserknappheit muss der Iran stärker fürchten als einen Atomkrieg, Israel oder die Vereinigten Staaten."

Bleibt zum Abschluss eines besorgniserregenden Abends bei ARTE ab 23.45 Uhr noch die erschütternde Lage in einer "Stadt ohne Wasser". Als eine solche gilt Südafrikas Metropole Kapstadt. Der notorische Wassermangel dort nach lange anhaltender Dürre bringt die gesellschaftliche Spaltung des Landes deutlich zutage: Reiche Südafrikaner können sich Wasser kaufen, während ärmere Bürger sich das kostbare Lebenselixier nicht leisten können.


Quelle: teleschau – der Mediendienst