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Produktionsdatum
2018
NDR
Di., 16.10.
23:30 - 00:00


Bereits seit 1991 sind die Korrespondenten im Ausland unterwegs und berichten vor Ort vom Geschehen. Die Reportagen informieren detailliert über Hintergründe und decken nicht selten Missstände auf.

Thema:

Polen: Impfgegner machen mobil

Autor: Stephan Stuchlik
Was in Deutschland nur Streitthema von Eltern ist, geht in Polen jetzt ins Parlament: die Abschaffung der Impfpflicht. Die Bürgerinitiative gegen das Impfen brachte das Projekt mit 120.000 Unterschriften im Juli im Sejm ein, nun folgen die Lesungen im Parlament und die Ausschusssitzungen. Die Argumente, die lautstark ausgetauscht werden, sind altbekannt, jedoch ist in Polen die Zahl der Impfverweigerer drastisch gestiegen: Seit 2010 hat sie sich nach offiziellen Zahlen verzehnfacht, die Dunkelziffer wird noch höher geschätzt. Das Gesetz hat Aussichten auf Verabschiedung, obwohl Ärzte und die obersten Gesundheitsbehörden des Landes heftig protestieren.

Türkei: Mütter-Proteste verboten

Autorin: Katharina Willinger
Zum 700. Mal wollte sich die Gruppe der "Samstagsmütter" am Galatasaray-Platz in Istanbul treffen. Sie demonstrieren hier wöchentlich gegen das Verschwinden ihrer Angehörigen in Polizei- oder Untersuchungshaft und fordern Aufklärung. Doch an diesem Tag wird das Treffen plötzlich verboten. Die Frauen kommen dennoch, zusammen mit Hunderten Unterstützern, darunter auch Abgeordnete der Oppositionsparteien HDP und CHP. Unter den Demonstrantinnen ist auch die 82-jährige Emine Ocak. Ihr Sohn Hasan, ein linker Aktivist, wurde 1995 bei schweren Auseinandersetzungen im Istanbuler Stadtviertel Gazi festgenommen. Wochen später wurde bekannt, dass er tot ist, vermutlich war er gefoltert worden. Die Hintergründe wurden nie aufgeklärt, wie in vielen Fällen, die die "Samstagsmütter" bewegen. Dass ihr Protest jetzt verboten wurde und Polizei mit Tränengas auf sie losging, hinterlässt die Frauen ratlos und wütend.

Nepal: soll Sextourismus gefördert werden?

Autor: Peter Gerhardt
Prostitution soll legalisiert werden. Mit dieser Forderung trat der Ministerpräsident der Provinz Pokhara eine hitzige Diskussion los. Wie fast alle südasiatischen Länder ist auch Nepal in gesellschaftlicher Hinsicht ein konservatives Land und war bislang eher nicht für seine lockere Sexualmoral bekannt. Doch mit dem Anstieg des Tourismus im Himalaya nimmt auch der Sextourismus zu. In der Touristenhochburg Pokhara arbeiten geschätzt etwa 10.000 Frauen als Prostituierte, die mit ihrem Einkommen oft ganze Familien finanzieren. Sie werden von der Polizei schikaniert und würden es daher begrüßen, wenn ihre Arbeit legal würde. Unterstützt wird diese Forderung von den Geschäftsleuten der Stadt, die sich einen Anschub für den Tourismus erhoffen. Genau davor graut es konservativen Politikern, die im Vorstoß des Ministerpräsidenten nichts anderes sehen als ein staatliches Förderprogramm für Sextourismus.

Malta: der Fall Daphne Caruana Galizia

Autorin: Ellen Trapp
Sie war eine einsame Kämpferin gegen Korruption, Betrug und Geldwäsche: Daphne Caruana Galizia. Von vielen auf Malta wurde die resolute Investigativjournalistin gehasst und bekämpft. Vor einem Jahr wurde sie durch eine Autobombe getötet. Doch bislang ist nicht klar, wer den Auftrag zur Ermordung der Journalistin gab. Es gab Vermutungen, dass maltesische Regierungsvertreter in den Fall verwickelt seien, da Caruana Galizia mit ihren Recherchen zu den "PanamaPapers" auch Premierminister Muscat und seine Ehefrau Michelle belastet hatte. Wie steht es um die Aufklärung des Verbrechens?

Indonesien: Totenkult auf Sulawesi

Autorin: Sandra Ratzow
Es ist eine geheimnisvolle Welt hoch oben in den Bergen der Insel Sulawesi. Hier lebt das Volk der Toraja. Ihre Traditionen sind jahrhundertealt, ihre Totenrituale legendär. Maria Ranti war 95 Jahre alt, als sie 2015 starb. Heute wird ihr Sarg erstmals wieder geöffnet, denn es ist Zeit für "Ma'nene", die Reinigung der Toten. Nichts für empfindliche Nasen. Mit Lieblingshandtasche und Hut soll die Tote nun ein paar Stunden mit ihrer Familie verbringen. Hier gilt das als ein Zeichen der Nächstenliebe. Im Dorf Lempo Poton ist im März mit 91 Jahren der Lehrer Elias Tande gestorben. Seine Frau Ester bewahrt den Leichnam zu Hause auf. Gut einbalsamiert. Bis zur Trauerfeier kann es noch Monate dauern. Bis dahin gilt er nicht als tot sondern als makula, krank. Der Tod ist bei den Toraja kein abruptes Ende, sagt Ester Butu, sondern der Beginn eines langen Prozesses, Lebewohl zu sagen. "Wenn ich in den Sarg schaue, habe ich das Gefühl, dass er irgendwie immer noch da ist. Die ganze Familie hat Zeit, langsam Abschied zu nehmen. Die Kinder und die Enkel kommen oft vorbei und dann sitzen wir bei ihm, bis wir irgendwann bereit sind, ganz loszulassen."



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