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Produktionsdatum
2018
NDR
Di., 22.01.
23:30 - 00:00


Bereits seit 1991 sind die Korrespondenten im Ausland unterwegs und berichten vor Ort vom Geschehen. Die Reportagen informieren detailliert über Hintergründe und decken nicht selten Missstände auf.

Thema:

Australien: Coober Pedy - Wohnungen unter der Erde

Autorin: Sandra Ratzow
Die Sonne brennt unerbittlich im australischen Outback. Im Sommer werden es bis zu 50 Grad. Wer will in Coober Pedy leben? Opalsucher graben die Erde um. Mit der Jagd nach Edelsteinen ist der Ort vor 100 Jahren berühmt geworden. Und zum Lifestyle gehört es hier, dass 60 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner in Höhlenhäusern unter der Erde leben. Abluftrohre ragen aus dem Boden, auch aus der Höhle von Paul und Erika, einem Handwerkerpaar. Paul Kay meint, überirdisch habe man überall diese Neonlichter. Dort unten sei es so schön dunkel und ruhig. Er findet das so friedlich und entspannend. Er weiß, dass manche Leute das nicht aushalten, aber er liebt das. Himmlische Ruhe statt höllischer Hitze. Streit mit den Nachbarn gibt es hier eher selten. Man sieht sich ja kaum.

USA: Justizreform soll Bedingungen für Häftlinge verbessern

Autor: Jan Philipp Burgard
Vieles im politischen Washington gleicht eher einem Marathon als einem Sprint. Umso erstaunlicher ist, dass Republikaner und Demokraten sich in einem seltenen Akt von Überparteilichkeit auf eine Justizreform einigten. Haftbedingungen Gefangener, die sich in Gewahrsam der US-Bundesregierung befinden, sollen verbessert werden. Die Zahl der Häftlinge soll reduziert werden. Dabei geht es um rund zehn Prozent aller Inhaftierten, die restlichen (mehr als zwei Millionen) sitzen in lokalen oder bundesstaatlichen Haftanstalten ein. Die Hoffnung ist, dass nun neue Standards gesetzt werden, denen sich später auch andere Bundesstaaten anschließen, wie zum Beispiel der berühmtberüchtigte Knast in Kalifornien: San Quentin. 1852 nahm man hier die ersten Gefangenen auf. Und heute ist er mit 3.774 Insassen um 690 Häftlinge überbesetzt. Das macht das Leben nicht einfach, weder für die Belegschaft noch für die Knastbrüder. Doch einen Moment im Jahr gibt es, der sich beinahe wie Freiheit anfühlt: der Tag des "Marathon von San Quentin". 105 Runden werden auf dem Knastgelände gedreht, bis die 26.2 Meilen gelaufen sind. Ein einzigartiger Lauf. In einem einzigartigen Knast.

Israel: Richteramt für Sex?

Autorin: Susanne Glass
Ein Justizskandal, aufgedeckt von einem Journalisten, erschüttert Israel. Hat der inzwischen zurückgetretene Vorsitzende der israelischen Anwaltskammer einer Richterin ins Amt geholfen, nachdem sich die Frau im Gegenzug zu "sexuellen Gefälligkeiten" bereit erklärt hat? Hat das Ganze womöglich sogar Methode? Offenbar sind auch weitere ranghohe Persönlichkeiten in den Fall involviert, die Justizministerin zeigt sich bestürzt, verspricht eine schnelle Aufklärung.

Türkei: Kinderarbeit statt Schule

Autor: Oliver Mayer-Rüth
Nurula ist elf Jahre alt. Ein Schulkind wie die meisten seiner neun Geschwister. Doch Nurula und seine schulpflichtigen Schwestern und Brüder dürfen während der Erntezeit keine Schule besuchen. Jedes Jahr versäumen sie mindestens die ersten sechs Wochen Schule, weil sie Baumwolle pflücken müssen. Und auch am Ende des Schuljahres, im Mai, versäumen sie einen Monat den Unterricht, um Aprikosen zu ernten. Nurulas große Schwester Zehra ist 16 Jahre alt. Unter Tränen berichtet sie, dass sie seit der fünften Klasse gar nicht mehr in die Schule gehen durfte: "Mein Traum war es, Ärztin zu werden. Das hatte ich mir sehr gewünscht, zur Schule gehen zu dürfen. Aber ich bin sehr traurig darüber, dass sich dieser Traum für mich nicht verwirklicht hat." Kinderarbeit, so steht es im Arbeitsgesetz Paragraf 71, ist in der Türkei verboten. Gemeint sind Kinder unter 15 Jahren. Doch im Harran Tal sind die Behörden noch nie wirklich gegen Kinderarbeit vorgegangen.

Peru: Behinderte auf sich allein gestellt

Autorin: Marie-Kristin Boese
Lourdes gibt nicht so schnell auf. Ihre Spezialdisziplin sind Sprints, 100 und 200 Meter. Dabei braucht sie sanfte Steuerung. Lourdes ist Leistungssportlerin. Und sie ist blind. "Am Anfang war das echt anstrengend. Ich bin ein Stück gerannt und war müde, hatte keine Kondition. Aber mein Körper hat sich angepasst." Nun trainiert sie mit der Auswahl der besten Behindertensportler in Peru. Quälerei unter strengen Blicken, sechs Mal die Woche, immer vier Stunden. Am Ende sind alle erschöpft, aber glücklich über die eigene Leistung. Das Training schweißt sie zusammen, es ist ein Schutzraum. Ihre Behinderung ist hier nichts Besonderes. Ganz anders als im alltäglichen Lima. Für Blinde fehlen Wegweiser, Signale, Rampen. Blinde bekommen in Peru vom Staat keine direkte Unterstützung.

Brasilien: Bildungsmisere lähmt das Land

Autor: Matthias Ebert
Maria Souza verlässt jeden Nachmittag nach dem Job im Schönheitssalon ihre Favela Salgueiro. Es ist eine dieser vielen Armensiedlungen von Rio de Janeiro, wo der Staat kaum präsent ist. Vor allem nicht, wenn es um Bildung geht. Maria geht auf die Abendschule, will den mittleren Schulabschluss nachholen. "Früher, als ich jung war, auf dem Land, da fehlten Lehrer. Ich habe weit weg von der Stadt gelebt. Dorthin kamen nur wenige Lehrer. Wir hatten miese Bedingungen an der Schule." Der Ingenieur Silvério Moron will Maria helfen, den Abschluss doch noch zu schaffen: Auf einem Platz mitten in Rio bietet er kostenlos Nachhilfe an. Fünf Mal die Woche Mathe, Physik und für Analphabeten das ABC. Ein Nachbarschaftsprojekt, bei dem mittlerweile 25 Lehrer 100 Nachhilfeschüler betreuen, weil die Bedingungen in den öffentlichen Schulen miserabel sind. Der Ingenieur ist überzeugt: "Die Konsequenz von Brasiliens Bildungsmisere ist doch diese hohe Gewaltrate. Und Arbeitslosigkeit für diejenigen, die keine gute Ausbildung haben. Ich will die Bildung und damit die Lebensqualität der Menschen verbessern."



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