Weltreisen

Estlands stiller Peipussee. Vergrößern
Estlands stiller Peipussee.
Fotoquelle: NDR/Karina Schwerdtfeger
Natur+Reisen, Landschaftsbild
Weltreisen

Infos
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2012
NDR
Sa., 26.05.
12:15 - 12:45


Der Peipussee in Estland ist einer der größten Seen Europas. Achtmal größer als der Bodensee wirkt er wie ein kleines Meer. Die östliche Hälfte gehört zu Russland, die westliche zu Estland. Bei den Menschen in Estland spielt der See eine besondere Rolle. ARD-Korrespondent Clas Oliver Richter und sein Team reisen am Ufer des Peipussees durch den estnischen Sommer. Besonders das Nordufer hat es den wenigen Touristen angetan. Hier liegen kilometerlange Sandstrände, gesäumt von knorrigen, windgebeugten Kiefernwäldern. Der berühmte "singende Sand" entsteht in den Dünen des Nordufers, wenn der Wind den Sand zum Schwingen und Fließen bringt. Fischer Margus Narusing achtet nicht auf das Naturphänomen. Seine Aufgabe erfordert Konzentration, sein Auge gilt dem Fang von Hechten und Lachs. Die Ausbeute für die teuren Lokale in der Hauptstadt wird immer geringer. Und natürlich muss er darauf achten, dass er der Grenze zu Russland nicht zu nahe kommt. Das könnte gefährlich werden. Der Reiz des ruhigen Westufers erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Ein weiter Schilfgürtel schützt das Gewässer und die dort lebenden Tiere. Gelegentlich unterbrechen steile rote Sandkliffs die sanfte Küstenlinie. Hier liegen die vielen traditionellen Dörfer, deren Bewohner sich immer noch vom Zwiebelanbau und Fischfang ernähren. Früher haben die Erträge aus den Gärten am Peipussee das Gebiet von Helsinki und Petersburg bis hin nach Riga mit Zwiebeln versorgt. Immer noch säumen bunte Fischerhäuschen das Ufer, am Straßenrand türmen sich große Haufen Brennholz. An die Wände der Holzhäuser sind Fische zum Trocknen angenagelt. Grob mit Salz eingerieben sind sie eine Delikatesse, aber sehr geruchsintensiv. Bis vor wenigen Jahren war diese Gegend von Fremden noch nicht entdeckt. Jetzt entwickelt sich der Tourismus. Klawdya Baljaba ist die Gemeindeälteste im Dorf. In dieser Gegend leben seit Jahrhunderten die russischstämmigen orthodoxen Altgläubigen. Vor 350 Jahren flohen sie vor einem reformwilligen Patriarchen aus Russland und ließen sich auf der Nord - und Westseite des Peipussees nieder. Heutzutage leben 15.000 Altgläubige in Estland. Das ARD-Team wurde nicht nur in die Kirche eingeladen, sondern durfte auch das russische Mittsommerfest mitfeiern, das bei den Altorthodoxen erst im Juli begangen wird. Eine ganz andere Welt. Es ist ein ruhiges Leben am Peipussee. Der See liegt meist still und glänzend. Die Ruhe hat sich hier noch bewahren können, vielleicht auch, weil sie für die Touristen so wichtig ist. Wer hierher kommt, sucht nicht den Trubel. Am schönsten lässt sich sich die Gegend mit dem Fahrrad erkunden. Das weiß auch Hans aus Holland, der mit Radtouren, holländischen Pfannkuchen und viel Begeisterung versucht, sich im idyllischen Ort Nina eine Existenz aufzubauen. Aber die Ruhe trügt: So nah an der Grenze zum großen russischen Nachbarn trainieren auch Bürgerwehren in Tarnkleidung, um ihre Heimat im Ernstfall schützen zu können. Denn seit den Ereignissen in der Ukraine sind die Menschen hier wachsam.

Thema:

Estlands stiller Peipussee

Der Peipussee in Estland ist einer der größten Seen Europas. Achtmal größer als der Bodensee wirkt er wie ein kleines Meer. Die östliche Hälfte gehört zu Russland, die westliche zu Estland. Bei den Menschen in Estland spielt der See eine besondere Rolle. ARD-Korrespondent Clas Oliver Richter und sein Team reisen am Ufer des Peipussees durch den estnischen Sommer. Besonders das Nordufer hat es den wenigen Touristen angetan. Hier liegen kilometerlange Sandstrände, gesäumt von knorrigen, windgebeugten Kiefernwäldern. Der berühmte "singende Sand" entsteht in den Dünen des Nordufers, wenn der Wind den Sand zum Schwingen und Fließen bringt. Fischer Margus Narusing achtet nicht auf das Naturphänomen. Seine Aufgabe erfordert Konzentration, sein Auge gilt dem Fang von Hechten und Lachs. Die Ausbeute für die teuren Lokale in der Hauptstadt wird immer geringer. Und natürlich muss er darauf achten, dass er der Grenze zu Russland nicht zu nahe kommt. Das könnte gefährlich werden. Der Reiz des ruhigen Westufers erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Ein weiter Schilfgürtel schützt das Gewässer und die dort lebenden Tiere. Gelegentlich unterbrechen steile rote Sandkliffs die sanfte Küstenlinie. Hier liegen die vielen traditionellen Dörfer, deren Bewohner sich immer noch vom Zwiebelanbau und Fischfang ernähren. Früher haben die Erträge aus den Gärten am Peipussee das Gebiet von Helsinki und Petersburg bis hin nach Riga mit Zwiebeln versorgt. Immer noch säumen bunte Fischerhäuschen das Ufer, am Straßenrand türmen sich große Haufen Brennholz. An die Wände der Holzhäuser sind Fische zum Trocknen angenagelt. Grob mit Salz eingerieben sind sie eine Delikatesse, aber sehr geruchsintensiv. Bis vor wenigen Jahren war diese Gegend von Fremden noch nicht entdeckt. Jetzt entwickelt sich der Tourismus. Klawdya Baljaba ist die Gemeindeälteste im Dorf. In dieser Gegend leben seit Jahrhunderten die russischstämmigen orthodoxen Altgläubigen. Vor 350 Jahren flohen sie vor einem reformwilligen Patriarchen aus Russland und ließen sich auf der Nord - und Westseite des Peipussees nieder. Heutzutage leben 15.000 Altgläubige in Estland. Das ARD-Team wurde nicht nur in die Kirche eingeladen, sondern durfte auch das russische Mittsommerfest mitfeiern, das bei den Altorthodoxen erst im Juli begangen wird. Eine ganz andere Welt. Es ist ein ruhiges Leben am Peipussee. Der See liegt meist still und glänzend. Die Ruhe hat sich hier noch bewahren können, vielleicht auch, weil sie für die Touristen so wichtig ist. Wer hierher kommt, sucht nicht den Trubel. Am schönsten lässt sich sich die Gegend mit dem Fahrrad erkunden. Das weiß auch Hans aus Holland, der mit Radtouren, holländischen Pfannkuchen und viel Begeisterung versucht, sich im idyllischen Ort Nina eine Existenz aufzubauen. Aber die Ruhe trügt: So nah an der Grenze zum großen russischen Nachbarn trainieren auch Bürgerwehren in Tarnkleidung, um ihre Heimat im Ernstfall schützen zu können. Denn seit den Ereignissen in der Ukraine sind die Menschen hier wachsam.



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