Weltreisen

Rodrigo Mundaca ist Gründer von Modatima, einer Organisation, die für das Recht auf Wasser kämpft und gegen den ungebremsten Anbau von Avocados in Petorca. Seit er sich den einflussreichen Avocado-Bossen in den Weg stellt, bekommt er Morddrohungen. Vergrößern
Rodrigo Mundaca ist Gründer von Modatima, einer Organisation, die für das Recht auf Wasser kämpft und gegen den ungebremsten Anbau von Avocados in Petorca. Seit er sich den einflussreichen Avocado-Bossen in den Weg stellt, bekommt er Morddrohungen.
Fotoquelle: NDR/SWR/Matthias Ebert
Report, Reportage
Weltreisen

Infos
Produktionsdatum
2018
NDR
Sa., 02.06.
12:15 - 12:45


Die Avocado hat wegen ihres Nährstoffreichtums ein durchweg positiv besetztes Image und gilt in Europa als Superfood. Prominente veröffentlichen Kochbücher mit Avocadorezepten, und bei Veganern gilt die Frucht seit Jahren als umweltbewusste Alternative zu Fleisch. In Chile jedoch, einem der weltweiten Hauptanbaugebiete, sind mit der Avocado Wassermangel, Menschenrechtsvergehen und eine unökologische Logistikkette verbunden. In der Provinz Petorca werden seit jeher Avocados angepflanzt. Zunächst von Kleinbauern, doch seit dem weltweiten Avocado-Boom in den 1990er-Jahren stieg die Produktion schlagartig an. Seitdem beherrschen Großgrundbesitzer den Avocado-Markt in Petorca und benötigen dafür jede Menge Wasser. Für ein Kilo Avocados, etwa drei Stück, werden bis zu 1.000 Liter Wasser verbraucht, ein Vielfaches mehr wie für ein Kilo Tomaten oder Kartoffeln. Die Region leidet unter akutem Wassermangel, den der Klimawandel noch verschärft. Die Flussbetten sind seit Jahren vertrocknet, Tanklastwagen bringen Trinkwasser zu notleidenden Familien, während nebenan auf den Agrargroßbetrieben Tausende Hektar von Avocado-Hainen durch künstliche Staubecken bewässert werden. Rodrigo Mundaca hat die NGO Modatima gegründet. Er kämpft für das von der UNO garantierte Recht auf Wasser, dem sich auch Chile verpflichtet hat. Eine Untersuchung aus der Luft hatte im Jahr 2012 ergeben, dass durch über 60 Pipelines unterirdisch Flusswasser abgezweigt wurde, offenbar, um Avocado-Felder zu bewässern. Seit die Aktivisten von Modatima ihre Kritik öffentlich äußern, bekommen sie Morddrohungen. In Chile ist Wasser seit der Pinochet-Diktatur 1981 ein Wirtschaftsgut und de facto in Privatbesitz. Wer am meisten bietet, bekommt Wasserlizenzen, meist sogar auf Lebenszeit. Auch wenn dies womöglich drastische Konsequenzen für das Ökosystem haben kann. Hinzu kommt eine miserable Ökobilanz der Avocado. Auf Frachtschiffen wird sie klimatisiert und gepolstert nach Europa transportiert. Danach reifen die Früchte in einer Fabrik in Rotterdam, wo das "Superfood" verzehrfertig für deutsche Supermärkte behandelt wird. "Europa will sich gesund ernähren, auf unserem Rücken", sagt Mundaca.

Thema:

Avocado - Umweltkiller Superfood

Die Avocado hat wegen ihres Nährstoffreichtums ein durchweg positiv besetztes Image und gilt in Europa als Superfood. Prominente veröffentlichen Kochbücher mit Avocadorezepten, und bei Veganern gilt die Frucht seit Jahren als umweltbewusste Alternative zu Fleisch. In Chile jedoch, einem der weltweiten Hauptanbaugebiete, sind mit der Avocado Wassermangel, Menschenrechtsvergehen und eine unökologische Logistikkette verbunden. In der Provinz Petorca werden seit jeher Avocados angepflanzt. Zunächst von Kleinbauern, doch seit dem weltweiten Avocado-Boom in den 1990er-Jahren stieg die Produktion schlagartig an. Seitdem beherrschen Großgrundbesitzer den Avocado-Markt in Petorca und benötigen dafür jede Menge Wasser. Für ein Kilo Avocados, etwa drei Stück, werden bis zu 1.000 Liter Wasser verbraucht, ein Vielfaches mehr wie für ein Kilo Tomaten oder Kartoffeln. Die Region leidet unter akutem Wassermangel, den der Klimawandel noch verschärft. Die Flussbetten sind seit Jahren vertrocknet, Tanklastwagen bringen Trinkwasser zu notleidenden Familien, während nebenan auf den Agrargroßbetrieben Tausende Hektar von Avocado-Hainen durch künstliche Staubecken bewässert werden. Rodrigo Mundaca hat die NGO Modatima gegründet. Er kämpft für das von der UNO garantierte Recht auf Wasser, dem sich auch Chile verpflichtet hat. Eine Untersuchung aus der Luft hatte im Jahr 2012 ergeben, dass durch über 60 Pipelines unterirdisch Flusswasser abgezweigt wurde, offenbar, um Avocado-Felder zu bewässern. Seit die Aktivisten von Modatima ihre Kritik öffentlich äußern, bekommen sie Morddrohungen. In Chile ist Wasser seit der Pinochet-Diktatur 1981 ein Wirtschaftsgut und de facto in Privatbesitz. Wer am meisten bietet, bekommt Wasserlizenzen, meist sogar auf Lebenszeit. Auch wenn dies womöglich drastische Konsequenzen für das Ökosystem haben kann. Hinzu kommt eine miserable Ökobilanz der Avocado. Auf Frachtschiffen wird sie klimatisiert und gepolstert nach Europa transportiert. Danach reifen die Früchte in einer Fabrik in Rotterdam, wo das "Superfood" verzehrfertig für deutsche Supermärkte behandelt wird. "Europa will sich gesund ernähren, auf unserem Rücken", sagt Mundaca.



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