Weltreisen

Hindu-nationalistische Politiker im Kuhtempel des Chief Ministers (Ministerpräsident) von Uttar Pradesh. Vergrößern
Hindu-nationalistische Politiker im Kuhtempel des Chief Ministers (Ministerpräsident) von Uttar Pradesh.
Fotoquelle: NDR/HR/Peter Gerhardt
Report, Auslandsreportage
Weltreisen

NDR
Sa., 10.11.
12:15 - 12:45


Seit 2014 wurden in Indien 28 Menschen von selbst ernannten Kuhschützern ermordet. Die Opfer waren fast alle Muslime, die Täter Hindu-Fundamentalisten. Sie können es nicht ertragen, dass Muslime Rindfleisch essen. In ihren Augen ist das ein Sakrileg, da Kühe für Hindus heilige Tiere sind. Immer bizarrer wird in Indien der Streit um die heilige Kuh geführt, immer brutaler werden die Übergriffe. Zuletzt äußerte sich sogar Premierminister Modi, selbst ein Hindu-Nationalist, mehrfach öffentlich und sagte, dass dieser Streit die Kraft habe, die multireligiöse Gesellschaft Indiens zu sprengen. Junaid kam vom Einkaufen in der Hauptstadt Neu Delhi. Zusammen mit seinen Brüdern saß der 16-Jährige im Juni dieses Jahres in einem Vorortzug. Die Jugendlichen hatten ein paar Besorgungen für das bevorstehende Ende des Ramadan gemacht. Plötzlich kamen junge Hindu-Extremisten auf die muslimischen Brüder zu. Sie warfen ihnen vor, Rindfleisch zu transportieren. Das ist in Indien nicht nur ein Sakrileg, sondern in vielen Bundesstaaten auch ein Verbrechen. Doch die jungen Muslime trugen kein Fleisch bei sich. Trotzdem griffen die Hindu-Extremisten an. 22 Mal stachen sie mit Messern auf Junaid ein. Der Junge verblutete auf dem Bahnsteig. ARD-Südasienkorrespondent Peter Gerhardt hat für diese Reportage die Familie der Opfer besucht. Er war unterwegs mit "Kuhschützern", die in Selbstjustiz Rindfleischschmuggler aufspüren wollen, um sie gewaltsam zur Rechenschaft zu ziehen. Im Gespräch mit dem weltweit ersten Minister für "Kuh-Wohlfahrt" fragt er nach den Hintergründen der exzessiven Verehrung der Wiederkäuer. Gerhardt zeigt auch das andere Indien. Vor allem im Süden des Landes machen Säkulare und Linke mobil gegen die fortschreitende Hinduisierung des Landes. So wird eine Hochzeitsfeier im Bundesstaat Kerala fast schon zum Widerstandsakt, weil den 2.000 Gästen dort ganz selbstverständlich Rindfleisch serviert wird. Die Reportage zeigt, wie zerrissen und zerstritten das Land und seine 1,3 Milliarden Einwohner sind über die Frage, wie heilig die Kuh denn nun sein soll.

Thema:

Neu Delhi - der tödliche Streit um die heilige Kuh

Seit 2014 wurden in Indien 28 Menschen von selbst ernannten Kuhschützern ermordet. Die Opfer waren fast alle Muslime, die Täter Hindu-Fundamentalisten. Sie können es nicht ertragen, dass Muslime Rindfleisch essen. In ihren Augen ist das ein Sakrileg, da Kühe für Hindus heilige Tiere sind. Immer bizarrer wird in Indien der Streit um die heilige Kuh geführt, immer brutaler werden die Übergriffe. Zuletzt äußerte sich sogar Premierminister Modi, selbst ein Hindu-Nationalist, mehrfach öffentlich und sagte, dass dieser Streit die Kraft habe, die multireligiöse Gesellschaft Indiens zu sprengen. Junaid kam vom Einkaufen in der Hauptstadt Neu Delhi. Zusammen mit seinen Brüdern saß der 16-Jährige im Juni dieses Jahres in einem Vorortzug. Die Jugendlichen hatten ein paar Besorgungen für das bevorstehende Ende des Ramadan gemacht. Plötzlich kamen junge Hindu-Extremisten auf die muslimischen Brüder zu. Sie warfen ihnen vor, Rindfleisch zu transportieren. Das ist in Indien nicht nur ein Sakrileg, sondern in vielen Bundesstaaten auch ein Verbrechen. Doch die jungen Muslime trugen kein Fleisch bei sich. Trotzdem griffen die Hindu-Extremisten an. 22 Mal stachen sie mit Messern auf Junaid ein. Der Junge verblutete auf dem Bahnsteig. ARD-Südasienkorrespondent Peter Gerhardt hat für diese Reportage die Familie der Opfer besucht. Er war unterwegs mit "Kuhschützern", die in Selbstjustiz Rindfleischschmuggler aufspüren wollen, um sie gewaltsam zur Rechenschaft zu ziehen. Im Gespräch mit dem weltweit ersten Minister für "Kuh-Wohlfahrt" fragt er nach den Hintergründen der exzessiven Verehrung der Wiederkäuer. Gerhardt zeigt auch das andere Indien. Vor allem im Süden des Landes machen Säkulare und Linke mobil gegen die fortschreitende Hinduisierung des Landes. So wird eine Hochzeitsfeier im Bundesstaat Kerala fast schon zum Widerstandsakt, weil den 2.000 Gästen dort ganz selbstverständlich Rindfleisch serviert wird. Die Reportage zeigt, wie zerrissen und zerstritten das Land und seine 1,3 Milliarden Einwohner sind über die Frage, wie heilig die Kuh denn nun sein soll.



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