Jahrelang sind gerade die jungen Bewohner aus den neuen Bundesländern abgewandert. Nun kehren einige von ihnen zurück. Bestens ausgebildet sind sie. Der Ruf der "Heimat" hat sie eingeholt.

Es sollten blühende Landschaften entstehen nach der vollzogenen deutschen Wiedervereinigung. Dieses Versprechen Helmut Kohls von Anfang der 1990er-Jahre wurde gerade zuletzt, im Zuge der Jubiläumsfeierlichkeiten zur Grenzöffnung, immer wieder zitiert. Denn es wurde nur sehr bedingt eingehalten. Geblüht hatte in den neuen Bundesländern sehr lange gar nichts – mit teilweise verheerenden Folgen für die Sozialstruktur. Wo die Wirtschaft nicht auf die Beine gekommen ist, sind die Alten geblieben. Die Jungen sind gegangen. Und mit ihnen, so konnte man befürchten, auch die Zukunft der betroffenen Landstriche. Doch in jüngster Zeit ändert sich einiges, es gibt eine Gegenbewegung, zurück in die neuen Ländern, von der dieser "37°"-Beitrag erzählt.

Rund 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, knapp drei Jahre nach dem Ableben des ehemaligen Bundeskanzlers im Juni 2017, tut sich etwas. Denn einige aus dem "abgewanderten" Land, das bislang kaum geblüht hatte, sind nun wieder zurückgekehrt. In ihre Heimat, wie sie sagen. Der Film von Broka Herrmann stellt Personen vor, die dem Ruf in den "Osten" gefolgt sind.

Einer von ihnen ist der Betriebswirtschaftler Martin. Er ist im Harz aufgewachsen. Im "Schlaraffenland der Medizintechnik" im Südwesten Deutschlands beim Schwarzwald hat er später gelernt. Nach dem Studium avancierte Martin, der fließend Spanisch, Portugiesisch, Englisch und Französisch spricht, zu einer gefragten Fachkraft. Doch gemeinsam mit seiner Frau beschloss Martin, wieder in den heimatlichen Harz zurückzugehen. Sein Ziel: Dort etwas Neues aufbauen. Die Ausbildung dazu hat er. Das "Verlangen nach Heimat ist kaum zu erklären", sagt er im Film. "Das kribbelt im Bauch, das spürt man einfach."

Auch Karla ist mit ihrem Mann in den Osten Deutschlands zurückgekehrt. Inzwischen hat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Haus am Dorfrand renoviert und jede Menge Zukunftsprojekte. Der Bürgermeister schwärmt: "Karla ist ein Juwel für uns."

Doch Rückkehrer wie Barbara und ihr Mann Florian kämpften mit Problemen. Die Uni-Dozentin und der Architekt haben ihr komfortables Leben unter anderem in Zürich gegen einen "Fulltime-Job mit viel Ärger und Frust" in Sachsen-Anhalt eingetauscht. Grund war die Renovierung eines alten Pfarrhauses. Langsam arbeitende Ost-Behörden, fehlende und schlecht ausgebildete Handwerker setzten ihnen ihrer alten neuen Heimat immer wieder zu. Beinahe hätten sie aufgegeben.

37°: Wenn der Osten ruft – Di. 14.01. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH